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Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 14:45 Uhr

Aus dem neuen Stadtgespräch : Peter Schultes vom Umwelthaus Pinneberg: „Auto? Habe ich gar nicht!“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Pinneberg | Versteckt an der Tangstedter Straße in Rellingen liegt ein Garten der besonderen Art. Es ist der Entdeckergarten des Umwelthauses. Mietbeete gibt es hier, Hühner zum Leasen, ein Insektenhotel, eine Streuobstwiese mit Teich und eine Schwitzhütte – alles, um Umweltbildung zu fördern. Warum das so wichtig ist, erklärt Peter Schultes, Sprecher des Umwelthauses.

Was haben Sie zuletzt Gutes für die Umwelt getan?
Ich bin mit dem E-Bike hergefahren. Ich verzichte bewusst auf ein Auto, habe gar keines und fahre sogar mit Rad zur Arbeit.

Ihr Ziel ist es, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Umweltschutz und -bewusstsein nahezubringen. Wie beurteilen Sie das Umweltbewusstsein der Kinder und Jugendlichen von heute?
Sehr differenziert. Wenn man für Umwelt und Natur nachhaltig eintreten will, sind Einsichten in die Kreisläufe nötig. Kinder und Jugendliche sind damit noch überfordert und können umweltgerechtes Verhalten noch gar nicht leisten. Die Weichen dafür stellen die Erwachsenen. Aber nicht zu Fast-Food-Ketten, die Massentierhaltung fördern, zu gehen, wäre ein guter Anfang.

Und wie sieht es bei den Erwachsenen aus?
Da klafft die Schere auseinander. Es gibt die Möchtegerns, die sagen „Ich würde ja, wenn....“. Aber es gibt auch die, die wirklich etwas geändert haben.

Was denn zum Beispiel?
Ihr Konsumverhalten. Es geht darum, dass wir über die Nutzung von Nahrungsmitteln nachdenken sollten. Es gibt Produkte, die wirtschaftlich sinnlos sind. Aber die Nachfrage danach sorgt dafür, dass zum Beispiel so viel CO in die Atmosphäre gepustet wird. Nur durch Ändern unseres Konsumverhaltens können wir Produktionsmethoden und Warenströme beeinflussen. Das ist wichtiger als Müll zu trennen.

Was ist ein sinnloses Produkt?
Zwiebeln aus Neuseeland zum Beispiel, wenn der Bauer aus Büchen auch welche verkauft. Mit so einem Produkt sind 18 000 Kilometer CO-Schleuder-Transport mitgekauft. Oder nehmen Sie ein konventionelles Hühnerei. Man muss sich keinem Hühnerbaron unterwerfen, wenn man das nicht möchte.

Noch mehr Geschichte rund um das Thema „Umwelt“ finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Stadtgesprächs. Die neue Ausgabe erscheint heute und liegt Ihrer Tageszeitung in Pinneberg und Umgebung bei. Außerdem finden Sie das Stadtgespräch an allen bekannten Auslagestellen.

 

 

 

 

Aber ein Bio-Ei ist teurer.
Ja. Weil in ein konventionelles Ei das Umweltkaputtmachen gar nicht eingepreist ist. Sie können davon ausgehen, dass in allen billigen Nahrungsmitteln Umweltschweinereien versteckt sind – seien es lange Transportwege, Ausbeutung von Arbeitskräften oder Umweltverschmutzung. Ob ein Bio-Ei wirklich teurer ist, ist eine Frage der Betrachtungsweise. Wir Deutschen geben ungern mehr als 25 Prozent unseres Einkommens für Nahrungsmittel aus. Das ist in anderen Ländern wie Frankreich zum Beispiel anders. Die lassen sich ihr Essen 40, 50 Prozent ihres Einkommens kosten. Weil sie sich damit etwas Gesundes und Gutes tun wollen.

Wie umweltbewusst finden Sie Stadt und Kreis?
Die Stadt leider gar nicht. Die ist aufgrund der Finanzlage investorenhörig. Da spielt Umweltschutz keine Rolle mehr. Den Kreis finde ich umweltbewusster. Die haben ein Umweltamt, das auf die Naturflächen achtet.

Was planen Sie für die Zukunft des Umwelthauses?
Wir werden den Entdeckergarten ausbauen und wollen einen bäuerlichen Schaugarten anlegen, um wie bei unseren Leasing-Hühnern zu zeigen, wie die bäuerlichen Kreisläufe in einem Nutzgarten wirklich sind.       

Peter Schultes (48) ist Sprecher und Gründungsmitglied des Vereins Umwelthaus Pinneberg (Jahresbeitrag 40 Euro/Familie, 30 Euro/Einzelperson, Fördermitgliedschaften sind möglich), der gegründet wurde, um ökologische Zusammenhänge aufzuzeigen. Schultes ist Diplom-Biologie und Lehrer in Tornesch und Vater zweiter Kinder.  Wenn er sich gerade nicht im Entdeckergarten aufhält, fährt er – natürlich mit dem Zug – in die Berge, um Gleitschirm zu fliegen. www.umwelthaus-pinneberg.de
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erstellt am 27.Mai.2016 | 14:14 Uhr

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