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Pinneberger Tageblatt

27. Mai 2016 | 16:10 Uhr

Arzt in Rellingen : Patientenakten im Hausmüll entsorgt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die sensiblen Papiere waren für jeden lesbar. Die Polizei ermittelt gegen den Rellinger Arzt.

Rellingen | Patienten verlassen sich täglich darauf, dass Ärzte ihre Akten sicher verwahren. Doch einer scheint es mit dem Datenschutz nicht so genau zu nehmen: In Rellingen ermittelt jetzt die Polizei gegen einen Mediziner, der Patientenunterlagen ungeschreddert in den Hausmüll geworfen haben soll. Dieser Zeitung liegen diverse Papiere des Arztes vor, darunter Diagnosen, Berichte über Untersuchungen, Kopien von Rezepten und Laborergebnisse. Alle Unterlagen waren für jeden frei zugänglich in der Tonne auf seinem Parkplatz zu finden.

Der Arzt bedauert den Vorfall, relativiert aber gleichzeitig: „Es ist kein persönlicher Schaden entstanden, da die Akten ja nicht mitten auf der Straße lagen.“ Aufgrund eines personellen Engpasses sei der Fehler passiert. Normalerweise würde alles ordnungsgemäß entsorgt. Dies sei im Praxisablauf festgelegt. „Wo Menschen arbeiten, passieren auch Fehler.“ Nach Informationen dieser Zeitung lag in der Tonne aber an mindestens zwei Tagen ungeschreddertes Papier mit brisantem Inhalt.

Für den Datenschutzbeauftragten von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, ist das Verhalten des Rellingers mehr als nur ein „Fehler“. So ein Verhalten sei „schlimm“. „Die Vertraulichkeit zwischen Arzt und Patient wurde hier massiv untergraben.“ Der Mediziner habe seine Schweigepflicht verletzt. Solche Verstöße könnten mit einer Geld-, gar mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr bestraft werden. Zudem habe der Arzt eine Aufbewahrungspflicht von zehn Jahren. Die Unterlagen, die dieser Zeitung vorliegen, sind keinen Monat alt. Es sei genau vorgeschrieben, wie die Papiere entsorgt werden müssen, sagt Weichert. Einige Praxen schredderten die Akten selbst, viele verließen sich auf einen zertifizierten Müllverwerter, der sicherstellt, dass niemand die Unterlagen zu Gesicht bekommt. Leider komme es aber immer wieder zu Verstößen. „Ich befürchte, das ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Weichert.

Die Polizei hat nun selbst Unterlagen sichergestellt und Ermittlungen eingeleitet. Es könnte sowohl ein Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz vorliegen als auch gegen die Schweigepflicht.

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erstellt am 05.Jul.2014 | 10:00 Uhr

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