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Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 05:05 Uhr

Ohne Ecken und Kanten

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kunst Hundertwasser-Ausstellung im Wedeler Barlach-Museum beginnt am 17. Juli / 150 Werke aus privaten Sammlungen zu sehen

Seine Farben knallen, ohne hysterisch zu sein. Seine Linien fließen, und geben trotzdem Struktur: Friedensreich Hundertwasser war einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Von Sonntag, 17. Juli, an ist im Wedeler Barlach-Museum unter dem Titel „Wege ins Paradies“ eine Ausstellung mit 150 Werken des Österreichers zu sehen.

„Gerade Linien sind gottlose Linien“, zitiert Jürgen Doppelstein, Vorsitzender der Ernst-Barlach-Gesellschaft Hamburg, den Künstler. Der erste Ausstellungsraum im Erdgeschoss ist der Architektur gewidmet. „Die meisten Menschen kennen die Hundertwasser-Gebäude. Das ist ein guter Einstieg“, sagt Doppelstein. Zahlreiche Bestandsgebäude wurden nach Hundertwassers Entwürfen umgestaltet, darunter große Wohnblöcke und kleine Kirchen. Auch Industrieanlagen tragen seine Handschrift, etwa ein Kraftwerk in Osaka (Japan) und eine Müllverbrennungsanlage in Wien. In Hamburg Ottensen gibt es ein Hundertwasser-Cafe.

„Hundertwasser war ein sehr politischer Künstler. Politik, Umwelt und Frieden waren seine zentralen Themen“, sagt Heike Stockhaus, Geschäftsführerin der Barlach-Gesellschaft. Im zweiten Ausstellungsraum dreht sich alles um Menschenrechte. „Hundertwasser thematisiert nicht nur die Menschenrechte, die uns geläufig sind. Er postuliert auch ein Recht auf Träume“, sagt Doppelstein. Seine phantasievolle Kraft drückt sich im Fensterrecht aus: Jeder Bewohner eines Hauses sollte demnach das Recht haben, die Außenfassade rund um sein Fenster so weit zu bemalen, wie sein Arm reicht. Fenster, Gesichter, die Architektur als schützende Hülle für den Körper: Wer Hundertwassers Ideen nachspüren will, ist im Barlachmuseum gut aufgehoben.

Besonders spannend: Viele Bilder Hundertwassers sind in ihrer Struktur gleich, doch im Detail sehr variantenreich. Betrachter können in den Werken auf Entdeckungsreise gehen, die eine gefühlte Ewigkeit dauern.

Wie ganzheitlich der Künstler dachte, zeigt ein Werk im Kellergeschoss des Museums. Es vereint 24 aneinandergefügte Buchdeckel einer Brockhaus-Edition von 1986. Wer die Enzyklopädie im Regal hat, ahnt nicht, welch organisches Gesamtbild sich hinter den Einzelmotiven der Einbände verbirgt.

„Sein vorausschauendes Engagement für die Umwelt ist unser Erbe“, sagt Stockhaus. Bereits in den 1970er Jahren habe er Themen aufgegriffen, die erst heute langsam ins Bewusstsein der Menschen dringen. Hundertwasser habe ein Leben im Einklang mit der Natur gewollt. Und aus diesem Wunsch entspringe die Abneigung gegen geometrischen Strukturen, Rationalismus, gerade Linien, rechte Winkel.

Die Ausstellung dauert vom 17. Juli bis zum 28. Februar. Das Barlach-Museum an der Mühlenstraße in Wedel ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, für angemeldete Gruppen und Schulklassen von 9 bis 19 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter Telefon (0  41  03) 91  82  91.


> www.ernst-barlach.de

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erstellt am 14.Jul.2016 | 12:25 Uhr

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