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Pinneberger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 15:10 Uhr

Leerstand im Kreis Pinneberg : Offline gibt es zu viele Flächen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

IHK lobt das Engagement der Städte im Kreis Pinneberg. Wedels Wirtschaftsförderer: Die Innenstadt ist intakt.

Kreis Pinneberg | Karge Glasfronten, graue Waschbetonböden, Plakate auf denen in knalligem Rot prangt: „Zu vermieten“. Dieser Anblick bietet sich in Kreis Pinneberger Einkaufszonen oft. Leerstehende Ladenflächen beklagen – bis auf eine Ausnahme – viele Städte im Kreisgebiet. Von Wedel bis Quickborn gibt es leere Geschäfte in den Fußgängerzonen. Hat der Onlinehandel Schuld an der „Offline-Tristesse“? Und wie siehts in den Städten des Kreises Pinneberg aus?

Im Kreis Pinneberg klassifizieren sich die Städte Pinneberg, Elmshorn und Wedel als Mittelzentren. So bezeichnet die Wirtschaftsgeografie einen zentralen Ort der mittleren Stufe nach dem „System der zentralen Orte“ von Geograf Walter Christaller. Es gibt außerdem Oberzentren und Unterzentren. Als Mindestgröße für die Benennung eines Mittelzentrums wird eine Einwohnerzahl von 35.000 im Ort und seinem direkten Umkreis angesetzt. Zu dieser Kennzahl kommen weitere Kriterien hinzu. Mittelzentren dienen als Anlaufpunkt für die Versorgung von Waren, Dienstleistungen und Infrastrukturangeboten.

Laut Paul Raab, Leiter der in Elmshorn ansässigen Zweigstelle der IHK zu Kiel, gebe es Leerstände in Mittelzentren häufiger. „Nicht jede Ladenfläche ist so begehrt wie eine am Jungfernstieg in Hamburg“, sagt er. Der Einzelhandel arbeite aber sehr stark an sich selbst. „Zumindest ist das mein Eindruck vom Kreis Pinneberg“, lobt Raab. Die Mühlenstraße in Elmshorn habe laut dem IHK-Leiter eine ganze Zeit unter mehreren Leerständen gelitten. „Dort gibt es jetzt nur noch eine leerstehende Ladenfläche, die bald besetzt sein wird – das ist ein Erfolg.“

Außerdem mahnt er, den Leerstand nicht nur zu bemängeln. „Man muss auch prüfen, wie viel Einzelhandels- und Gewerbeflächen ein Standort überhaupt verträgt.“ Einzelhandelsentwicklungskonzepte, über die einige Kommunen im Kreis Pinneberg schon verfügten, seien dabei zur Analyse und für weitere Ansiedlungsleitlinien entscheidend. Das könne dann auch konkret bedeuten: An einem Standort dürfen nur noch bestimmte Warengruppen verkauft werden.

Elmshorn: Dort in der Königstraße war bis vor Kurzem noch ein Brötchenshop.
Elmshorn: Dort in der Königstraße war bis vor Kurzem noch ein Brötchenshop. Foto: Schönstedt
 

In Elmshorn seien zusätzlich die Kundenströme im Zuge der Untersuchung „Vitale Innenstädte 2014“ des Instituts für Handelsforschung GmbH Köln beobachtet worden. „Da geht es dann darum, wie lange die Kunden bleiben und welche Waren sie kaufen wollen.“ Als besonders interessant betrachtet Raab beispielsweise ein Konzept, das die Stadt Wuppertal derzeit testet. Bei „Online City Wuppertal“ können Kunden die Warenverfügbarkeit online checken und sich ihr gewünschtes Produkt dann offline anschauen und kaufen. „Die Verknüpfung des stationären Handels mit einem geeigneten Online-Auftritt wird in Zukunft erfolgsentscheidend sein“, ist Raab überzeugt.

Ganz so überzeugt ist Pinnebergs City Manager Dirk Matthiessen von dem Wuppertaler Konzept noch nicht. „Ich halte das für ein plakatives, aber längst noch nicht effektives Projekt“, so Matthiessen. In der Stadt Pinneberg standen 2010 noch ein Fünftel der Ladenflächen leer. „Mittlerweile sind wir bei etwa elf Prozent“, sagt Matthiessen. Leerstand müsse man generell mit einkalkulieren. Wenn möglich, wäre Matthiessen aber mit der Quote „gern deutlich unter zehn Prozent.“ Als ein Magnet gilt der H&M am Pinneberger Lindenplatz. Der prominente Leerstand direkt daneben, ehemals New Yorker, soll ab dem 1. August wieder vermietet sein. Das bestätigt der Inhaber Jan Christoph Kersig auf Anfrage dieser Zeitung.

Quickborn: Dieses Geschäft steht in der Klöngasse der Eulenstadt leer.
Quickborn: Dieses Geschäft steht in der Klöngasse der Eulenstadt leer. Foto: Frank
 

„Auch in Quickborn gibt es Leerstand“,sagt Knud Hansen vom Stadtmarketing Quickborn. Der Verein hat sich erst vor zwei Wochen gegründet. Die Bekämpfung leerer Ladenflächen steht bereits auf der Agenda. Am morgigen Sonntag führen Hansen und seine Mitstreiter auf dem Familienfest auf dem Rathausplatz zwischen 11 und 17 Uhr Interviews zum Thema Wochenmarkt. „Wir wollen die Wochenmarktsituation verbessern“, sagt Hansen. „Das macht auch die gesamte Innenstadt attraktiver.“

Wedel: Die Bahnhofstraße 50 war lange ein Problemfall. Nun soll dort ein Textil-Discount rein.
Wedel: Die Bahnhofstraße 50 war lange ein Problemfall. Nun soll dort ein Textil-Discount rein. Foto: Gabriel
 

Nur in Wedel beklagt sich niemand. „Die Innenstadt ist intakt. Wir haben kaum Leerstand und viele inhabergeführte Geschäfte“, sagt Wirtschaftsförderer Manuel Baehr. „Aufgrund des verstärkten Internethandels arbeiten wir aber ständig an der Aufenthaltsqualität und der Gestaltung der Bahnhofstraße. Wir versuchen die Einzelhändler zu unterstützen wo es nur geht“, ergänzt Baehr.

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erstellt am 28.Mai.2016 | 10:00 Uhr

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