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Pinneberger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 17:21 Uhr

„Nicht nur das Materielle zählt“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Interview Pastor Frank Schüler erklärt vor der Veranstaltung am 25. September, warum das Erntedankfest eine solche Bedeutung hat

Ernte-Move und Erntedankfest sind aus dem Appener Veranstaltungskalender längst nicht mehr wegzudenken. In diesem Jahr steigt das vom Männerstammtisch der evangelisch-lutherischen St. Johannes Kirchengemeinde unter Leitung von Pastor Frank Schüler organisierte Fest am Sonntag, 25. September, ab 11.30 Uhr. Los geht’s mit einem Umzug durch die Gemeinde. Im Anschluss folgen dann ein ökumenischer Gottesdienst und Bühnenprogramm auf dem Almthof. Im Interview erklärt Pastor Schüler unter anderem, warum beim Erntedankfest nicht nur das Feiern im Mittelpunkt stehen soll.

Was macht den besonderen Charme des Erntedankfests in Appen aus?
Frank Schüler: Es ist ein Fest für die ganze Familie. Dort kommen alle Generationen zusammen. Die Veranstaltung hat einerseits Volksfestcharakter, ist andererseits aber auch sehr familiär. Wir sind nicht nur auf Spaß und Unterhaltung ausgerichtet, sondern wollen auch Traditionelles mit Modernem verbinden. Es geht zudem um Inhalte, zum Beispiel beim ökumenischen Festgottesdienst auf dem Almthof. Die Kombination macht den Charme des Erntedankfests in Appen aus. Auf ein weiteres Erfolgsrezept haben wir keinen Einfluss: Wir hatten bisher immer gutes Wetter. Ungewöhnlich ist der traditionelle Termin am letzten September-Wochenende. Dadurch weichen wir den großen Umzügen in Holm und Waldenau aus und sorgen dafür, dass die Menschen an mehreren Umzügen teilnehmen können.

Gibt es in diesem Jahr Neuerungen?
Leider hören auch mal Vereine auf. Sie können häufig aus Altersgründen nicht mehr weiter machen. Allerdings sind dafür auch neue Gruppen dabei. Viele von ihnen kommen aus dem Umkreis, zum Beispiel die Karnevalisten aus Moorrege und die Oldtimer-Trecker aus Holm und Heist. 2016 ist auch erstmals eine Cheerleader-Gruppe am Start. Es ist längst kein reines Appener Fest mehr.

Wie lange dauern die Vorbereitungen?
Die Vorbereitungen übernimmt der Männerstammtisch, eine Gruppe in der St. Johannes-Kirchengemeinde, die es seit 2003 gibt. Genehmigungen vom Amt beantragen, Plakate drucken und aufstellen – die Planungen beginnen schon einige Monate vorher.

Ist der Sinn des Erntedankfests den Menschen überhaupt noch bewusst?
Es war bereits früher ein Volksfest und keine rein kirchliche Veranstaltung. Die Menschen feiern schon seit Jahrtausenden, dass sie genug zum Essen haben und freuen sich darüber. Was Erntedank bedeutet, besagt schon der Name.

Was bedeutet für Sie persönlich das Erntedankfest?
Es geht darum, „Danke“ zu sagen – für das tägliche Brot und alles, was wir zum Leben brauchen. Dabei zählt nicht nur das Materielle. Man kann für so viele Dinge dankbar sein. Die Dankbarkeit ist in unserer Gesellschaft leider nicht so ausgeprägt, wie sie es sein sollte. Sie sollte nicht nur ein flüchtiges Gefühl, sondern eine Grundeinstellung im Leben sein. Dankbare Menschen leben glücklicher. Das heißt aber nicht, dass man über alles glücklich sein muss. Wir sprechen auch kritische Themen an und wollen denen helfen, denen es nicht so gut geht. Deshalb sammeln wir beim unseren Erntedankfesten Geld für „Brot für die Welt“.


Wie schaffen Sie es, dass sich die Menschen auch tatsächlich mit dem Sinn des Erntedankfests beschäftigen und nicht einfach nur feiern?
Es ist nicht einfach, jemandem etwas von Gott und Dankbarkeit zu erzählen, wenn er Currywurst isst und Bier trinkt. Diese Herausforderung ist aber auch reizvoll. Da auf dem Almthof ein ökumenischer Gottesdienst stattfindet, stehe ich mit dieser Aufgabe nicht allein. Ich versuche, mit kleinen Geschichten zum Nachdenken anzuregen.

Gelingt das?
Ich denke schon. Ich werde nach den Gottesdiensten von vielen angesprochen, die mit mir über das reden möchten, was ich gesagt habe. Ohnehin finde ich es wichtig, dass Gottesdienste nicht nur in der Kirche gefeiert werden. Die Kirche muss mit ihren Veranstaltungen auf die Menschen zugehen und dort sein, wo sich diese aufhalten. Wir können nicht nur warten, dass die Leute auf uns zukommen.

Was ist Ihnen von den bisherigen Erntedankfesten in Appen besonders in
Erinnerung geblieben?
Ich freue mich immer riesig über die bunt geschmückten Wagen und die tollen Darbietungen auf der Bühne am prächtigen Erntealtar. Es sind aber auch die kleinen Begebenheiten, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Zum Beispiel, wenn die Bewohner des Dana-Pflegeheims auf uns warten und sich darüber freuen, dass sie einen solchen Umzug sehen können. Oder lachende Kinder, die sich freuen, wenn sie einen Apfel bekommen.


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erstellt am 08.Sep.2016 | 12:35 Uhr

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