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Pinneberger Tageblatt

26. Februar 2017 | 06:28 Uhr

Das Sonntagsgespräch : „Nicht den Kopf in den Sand stecken“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Interview: Heute mit Claudia Kreutz (Organisatorin von Benefizkonzerten).

Pinneberg | Viele Menschen aus dem Kreis setzen sich für Flüchtlinge ein. Ungewöhnlich ist das Engagement von Claudia Kreutz. Sie organisierte Benefizkonzerte, deren Einnahmen in Höhe von 9700 Euro dem Diakonieverein Migration für die Flüchtlingarbeit zugute kamen. Im Sonntagsgespräch erläutert Kreutz unter anderem, warum sie sich für die Asylbewerber einsetzt.

Wie kamen Sie auf die Idee, Benefizkonzerte zugunsten von Flüchtlingskindern auszurichten?
Da ich an einer Schule arbeite, sehe ich die Probleme. Es stellte sich die Frage, den Kopf in den Sand zu stecken oder aktiv zu werden und beizutragen, die Situation der Kinder zu verbessern. Da ich viele Chanson-Sängerinnen und Musiker persönlich kenne, kam die Idee, einen unterhaltsamen Chanson-und Liederabend zu organisieren, bei dem die Besucher keinen Eintritt zahlen und stattdessen spenden. Das Geld stellten wir der Diakonie zur Verfügung, um Projekte für Flüchtlingskinder zu realisieren.

Wie viele Konzerte haben Sie bisher organisiert?
Bisher fanden drei Konzerte statt. Das erste Konzert organisierte ich im Geschwister-Scholl-Haus in Pinneberg und es war gleich ein großer Erfolg. 140 Gäste waren dabei und es kamen 2500 Euro an Spendengeldern zusammen. Wir mussten sogar einige Besucher nach Hause schicken, weil der Platz nicht ausreichte. Tamara Böhning vom Kulturkreis Halstenbek holte das Programm danach für ein zweites Konzert in die „Arche Noah“ nach Halstenbek. Beim dritten Konzert war ich organisationsmäßig wieder am Ruder. Es fand in der Rellinger Kirche statt und wir hatten etwa 500 Besucher.

War die Organisation schwierig?
Als schwierig empfand ich die Organisation nicht, es war jedoch eine Menge Arbeit. Künstler für die Veranstaltung gewinnen, Terminabsprachen, Flyer-Entwurf, Proben, Plakat- Druck, Sondernutzungserlaubnisse, auch bei den umliegenden Gemeinden zum Aufhängen der Plakate einholen, Plakate kleistern und aufhängen, Sponsoren gewinnen, nicht zu vergessen die Pressearbeit. Aber unsere Laune war prächtig und es war ein toller Zusammenhalt unter allen Mitwirkenden.

Planen Sie weitere Veranstaltungen?
Momentan ist nichts Konkretes geplant. Die eine oder andere Idee schwirrt aber schon in meinem Kopf herum. Ich könnte mir vorstellen, mal ein Konzert von Kindern für Kinder auszurichten. Bei den vergangenen Veranstaltungen war mit Ruth Siebel auch schon ein sehr musikalisches Mädchen aus meiner Betreuungsgruppe dabei. Sie sang das Abschlusslied, begleitete sich selbst am Klavier und eroberte die Herzen des Publikums. Ich kenne auch noch andere talentierte junge Kandidaten, die bestimmt Freude an einem Auftritt hätten.

Claudia Kreutz (60) ist Leiterin der Betreuungsgruppe des VfL Pinneberg an der Grundschule Thesdorf. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Sind Sie selbst musikalisch?
Ich habe meine Leidenschaft erst vor ein paar Jahren, nach der Teilnahme an einer Chanson Werkstatt bei der Sängerin Anna Haentjens entdeckt. Somit stehe ich noch am Anfang meiner musikalischen Reise. Ich mag sehr gern Chansons mit spritzigen, frechen Texten, zum Beispiel von Georg Kreisler und Friedrich Hollaender. Singen und Musizieren macht den Kopf frei und bereitet mir viel Freude. Dass ich Benefizkonzerte organisiere und vor 500 Menschen in der Rellinger Kirche solo singe, wäre mir früher nicht mal im Traum eingefallen.

Was war der Grund für Ihr Engagement?
Die Bilder von den grausamen Ereignissen in den Kriegsgebieten und die Schicksale der Flüchtlinge haben mich nicht losgelassen. Gegen das Gefühl der Machtlosigkeit half mir das Aktiv-Werden. Ich kann die Kriege nicht stoppen, aber im Kleinen, zusammen mit anderen, etwas bewegen.

Haben Sie selbst Kontakte zu Flüchtlingen?
Nein, es sind nur Begegnungen. Kürzlich war ein junger Syrer im Rahmen seines Praktikums beim VfL bei uns in der Betreuungsgruppe zu Gast. Ein offener, höflicher und freundlicher junger Mann. Als er mir erzählte, dass er gerne Gitarre spielt, habe ich ihn gebeten, sein Instrument mal mitzubringen. Er gab dann ein kleines Mini-Konzert. Das kam bei den Kindern richtig gut an. Zum Abschluss seines Praktikums hielt er im VfL-Heim einen Bilder-Vortrag über „Sport in Syrien“. Das fand ich sehr interessant.

Mit was für Gefühlen verfolgen Sie die aktuelle Flüchtlingsdebatte?
In meinem persönlichen Umfeld erlebe ich nur Menschen, die wohlgesonnen sind und die Flüchtlinge unterstützen, sich zu integrieren. Das deckt sich mit meiner Auffassung. Ich kann nicht nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die den Flüchtlingen einen solchen Hass entgegenbringen. Ich finde es erschreckend, was gerade in den neuen Bundesländern passiert.

Sind Sie neben der Flüchtlingesarbeit auch in anderen Bereichen aktiv?
Für längerfristiges Engagement fehlt mir die Zeit. Für wichtige Projekte nehme ich sie mir. Am schönsten ist es, wenn man die Früchte seines Einsatzes zeitnah ernten kann. Als die Schließung des Pinneberger Schwimmbades drohte, habe ich mich stark für den Erhalt eingesetzt. Wir haben die „Initiative pro Schwimmbad Pinneberg“ gegründet und unter anderem 3000 Unterschriften gesammelt und zum Politiker-Schwimmen eingeladen. Auch beim Buch-Projekt „Pinneberg kocht mit Lust und Liebe“ war ich beteiligt. Vom Verkaufserlös jedes Buches gingen vier Euro an den Kinder-und Jugendtreff Komet. Das ist lange her, war aber auch eine schöne Aktion.

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erstellt am 27.Nov.2016 | 12:05 Uhr

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