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Pinneberger Tageblatt

28. März 2017 | 04:29 Uhr

Früher und heute : Neues Leben für den Fahltskamp

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Gebäude in der Bahnhofstraße 41 bis 45 steht jetzt unter Denkmalschutz. Die Eigentümer wollen der Fußgängerzone neues Leben einhauchen.

 

Jahrelang ist nicht viel passiert in dem Gebäude in der Bahnhofstraße/Ecke Fahltskamp. Jahrelang standen die Gewerbeflächen im Erdgeschoss leer. Jahrelang kümmerte sich niemand um die notwendige Sanierung. Jetzt soll alles anders werden. Die neuen Eigentümer wollen mit umfangreichen Sanierungen und neuen Mietern nicht nur dem Haus, Baujahr 1928, wieder Leben einhauchen. Sie wollen die gesamte Fußgängerzone wiederbeleben. Familie Singh aus Hamburg kaufte die Immobilie vor etwa einem Jahr. Gemeinsam mit Architekt Jürgen Baars wurde der Zustand des Hauses geprüft, notwendige Sanierungen in Angriff genommen. Baars erklärt: „Unserer Meinung nach hat das Haus viel Entwicklungspotenzial.“ „Man sollte das hier als Chance für Pinneberg sehen. Diese Ecke der Stadt ist ja kein Randgebiet, sondern zentral“, ergänzt er.

In dem Gebäudeblock in der Bahnhofstraße 41 bis 45 war viele Jahre der Ratskeller beheimatet. Gebaut wurde er vor knapp 90 Jahren von Bauunternehmer Friedrich Strupp. Dabei handelt es sich bei dem Gebäude um das erste moderne Pinneberger Mietshaus.

Insgesamt 15 Mietswohnungen gibt es. „Sie werden nun nach und nach saniert, wenn die Mieter wechseln“, sagt Baars. Die Hamburger wollen den Charme des Hauses erhalten. „Deswegen haben wir zum Beispiel die Fenster aufwändig restauriert.“ Auch, weil sie den Antrag auf Denkmalschutz bei der Schleswig-Holsteinischen Denkmalschutzbehörde gestellt hatten. „Und seit Februar dieses Jahres gehört das Haus auch zu den Kulturdenkmalen von Schleswig-Holstein“, sagt der Architekt und freut sich. Was viele Immobilieneigentümer eher als Hindernis sehen, empfindet Baars ganz anders: „Ich finde es toll, dass die Fassade jetzt unter Denkmalschutz steht. Dieser Erhalt ist schließlich auch für Nachfolgegenerationen wichtig.“ Und er ergänzt: „Die Räume waren vorher in einem schlechten baulichen Zustand. Die Eigentümer haben hier eine Menge Geld zum Erhalt investiert.“ Sogar Stiefmütterchen am Bürgersteig haben sie gepflanzt. Das Engagement weiß auch Pinnebergs Wirtschaftsförderer Stefan Krappa zu schätzen: „Das, was die Familie Singh und der Architekt erreicht haben, ist vorbildlich für Pinneberg – alle ihre Bemühungen sind von Erfolg gekrönt. Das verdient Nachahmer“, sagt er. Vor allem den Umgang mit der historischen Bausubstanz hebt Krappa hervor. „Die Beteiligten haben die Ärmel hochgekrempelt und neues Leben in den Fahltskamp gebracht.“

Haben den Denkmalschutz für das Haus erhalten: Architekt Jürgen Baars (l.) und Eigentümer Jungvir Singh.
Haben den Denkmalschutz für das Haus erhalten: Architekt Jürgen Baars (l.) und Eigentümer Jungvir Singh. Foto: Oster
 

Die Gewerbeflächen im Erdgeschoss des Blocks sind bereits vergeben. „Gastronomie funktioniert hier in Pinneberg nicht“, ist sich Baars sicher. Einmieten durften sich daher eine Personalberatungsfirma, eine Friseurin, ein Grafikbüro und der Diakonieverein Migration. Letzterer ist auf 220 Quadratmetern flächenmäßig der größte Mieter.

Dort, wo viele Jahre lang der Ratskeller beheimatet war, werden künftig Asylbewerber beraten und Integrationskurse stattfinden. „Wir haben jetzt zwei Unterrichtsräume, ein Foyer, ein großes Büro und eine große Küche“, sagt Karen Fischer von der Diakonie Migration. „Außerdem haben wir einen Lagerraum, den wir zum Beispiel für unsere gesammelten Spenden dringend brauchen“, ergänzt sie. Einige Kurse finden in den neuen Räumen bereits statt. „Wir planen bald einen Tag der offenen Tür“, sagt Fischer.

Das Denkmalschutzgesetz soll laut der Landesbehörde Schleswig-Holstein den Schutz des kulturellen Erbes sicherstellen, die Belange der betroffenen Denkmaleigentümer und andere öffentliche Belange angemessen berücksichtigen. Außerdem soll es Eigentümern und Nutzern Rechts- und Planungssicherheit gewährleisten. Im Kreis Pinneberg stehen derzeit etwa 1800 Gebäude unter Kulturschutz, die den Anforderungen entsprechen.
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erstellt am 13.Apr.2016 | 09:30 Uhr

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