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Pinneberger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 10:45 Uhr

„Viele Menschen sind naturfremd“ : Naturtag der Kreisjägerschaft auf Gut Aspern

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Jäger aus dem Kreis Pinneberg versuchen bei der Bevölkerung Verständnis für die Natur und für ihre Aufgaben zu wecken.

Groß Offenseth-Aspern | „Wir wollen über Jagd und Naturschutz informieren und haben alle Berufsgruppen eingeladen, die vor- und nachgelagert sind“, sagte Rainer Bonnhof, Hundeobmann der Kreisjägerschaft am Sonnabend auf „Gut Aspern“ in Groß Offenseth-Aspern. Etwa 15 Mitglieder des Hegerings 1 der Kreisjägerschaft haben vor Ort informiert. Ebenso wie Imker, Angler und Landwirte über ihre Arbeit im Rahmen des „Bucherer-Poloturniers“.

Die Kreisjägerschaft ist für die Betreuung von 64 Hektar eigenen und 27 Hektar angepachteten Flächen verantwortlich. Hinzu kommen 100 Hektar, die von den Eigentümern für Naturschutzmaßnahmen zur Verfügung gestellt wurden. Die ökologisch wertvollen Flächen werden von den örtlichen Jägerschaften so gepflegt, dass sie möglichst vielen wildlebenden Tier- und Pflanzenarten Lebensraum und Schutz bieten.

„Wir stellen fest, dass immer mehr Menschen naturfremd sind. Da hier viele Menschen aus den Städten herkommen, wollen wir zeigen, wie es in der Natur zugeht und wie sie funktioniert“, erläuterte Bonnhoff. Oftmals fehle das Verständnis für die Natur oder deren Produkte. Bonnhoff kennt die falschen Bilder: „Kühe sind lila mit weißen Flecken und Milch kommt aus dem Automaten.“ Oftmals sei Konsumenten auch nicht klar, dass für ein Stück Fleisch ein Tier sterben müsse. „Es gibt keinen Hackbaum“, scherzte Bonnhoff, der immer wieder an die Besucher appellierte: „Geht mit Kindern auf den Bauernhof und seht euch die Natur an.“

Auch die Vorurteile gegenüber den Jägern kennt Bonnhoff zur Genüge: „Für viele sind wir nur die Mörder. Ich sage immer: Wir jagen nicht, um zu töten. Wir wollen die Natur vernünftig regulieren.“ Schon seit Jahrzehnten werde beispielsweise das Rebhuhn nicht bejagt. „Uns ist schon lange klar, dass die Bestände zu gering sind“, sagte Bonnhoff. Dies sei laut der „Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen“ auf die Zerstörung intakter Lebensräume durch die Umwandlung der Agrarlandschaft und den Einsatz von Großmaschinen zurückzuführen. „Wir versuchen, die Natur vielfältig zu halten“, sagte Bonnhoff. Dazu gehöre es auch, Jäger wie Mader zu erlegen, um Bodenbrüter zu schützen. Dies sei Teil des Naturschutzes.

Kreishundeobmann Rainer Bonnhoff informierte die Besucher am Stand der Kreisjägerschaft über die Wildarten der Region.
Kreishundeobmann Rainer Bonnhoff informierte die Besucher am Stand der Kreisjägerschaft über die Wildarten der Region. Foto: Fröhlig
 

„Ich sitze oft auf dem Hochsitz, ohne schießen zu wollen und beobachte einfach die Abläufe in der Natur“, sagte Bonnhoff und schwärmte von Rehkitzen auf den Wiesen und Häsinnen, die mit ihrem Nachwuchs durch den Wald hoppeln. „Viele Raubtiere oder auch das Schwarzwild finden hier optimale Bedingungen vor und richten sehr viel Schäden an. Da ist es unsere Aufgabe einzugreifen“, so Bonnhoff. Genauso wie Umweltschützer, von denen seine Berufsgruppe oft angefeindet würde, sei es das Ziel der Jäger, die Natur zu beobachten und die Artenvielfalt zu erhalten. „Wir unterscheiden uns gar nicht so sehr. Umweltschützer beobachten die Natur, spüren Tiere auf und wollen die Arten erhalten. Nur haben wir eine Waffe dabei und sie einen Fotoapparat. Wenn es notwendig ist, selektieren und töten wir“, erläuterte Bonnhoff.

Wichtig sei, einen Einblick in die Natur zu haben, um diese zu verstehen. „Viele Menschen leben heute in Städten, wissen nicht, was in der Natur passiert, wollen uns aber weiß machen zu wissen, wie Naturschutz richtig funktioniert“, kritisierte Bonnhoff. Zu vermitteln, welche Zusammenhänge in der Natur bestehen, sei eine der Herausforderungen für die Jäger.

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erstellt am 05.Jul.2016 | 10:00 Uhr

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