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Pinneberger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 19:26 Uhr

Kunstrasen in Pinneberg : Naturschützer formieren sich zum Widerstand

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der geplante Hockey-Platz An der Raa ist von Seiten der Naturschützer unerwünscht. Es gibt massive Kritik an der Verwaltung. Verhandlung mit Naturschutzbehörde.

Pinneberg | Stoppt die Untere Naturschutzbehörde den Kunstrasenplatz An der Raa? Gestern trafen sich Vertreter der Kreisbehörde und der Pinneberger Verwaltung vor Ort. Zum Ergebnis wollte sich bis Redaktionsschluss gegenüber dieser Zeitung weder die Stadt noch der Kreis äußern. Im Vorfeld bezogen allerdings noch einmal die Naturschützer Stellung. Sie stellten sich entschieden gegen die Pläne, die Ausgleichsfläche mit einem Kunstrasen zu versiegeln. „Wenn jetzt Politiker überlegen, wie sie eine im Grundbuch eingetragene Dienstbarkeit aushebeln können, ist diese Rechtsbeugung ein unglaublicher Affront gegen unsere geleistete Arbeit“, warnte Uwe Langrock, Vorsitzender des Nabu Pinneberg.

Den Politikern sind allerdings die Hände gebunden, solange die Naturschutzbehörde kein grünes Licht gibt. Sollte sie das tun: Hat das Projekt Kunstrasenplatz in Pinneberg dann überhaupt noch eine Zukunft? Dafür muss der VfL wollen. Der hatte in der vergangenen Woche im Ausschuss für Kultur, Schule und Sport einen Rückzieher gemacht. „Bei uns ist die Luft raus“, hatte VfL-Geschäftsführer Uwe Hönke die Entscheidung begründet. Zwei Jahre lang hätten sie intensive Arbeit, Zeit, Ressourcen und Geld investiert, um den Platz auf dem Gelände zwischen Hogenkamp und den Sportanlagen An der Raa zu verwirklichen. Nach dem erneuten Rückschlag hatte Hönke vor den Mitgliedern des Ausschusses gestanden: An eine Umsetzung des Projekts Kunstrasen glaube er nicht mehr.

Tatsächlich braucht der VfL bei diesem Vorhaben einen langen Atem. Seit Jahren wird um einen Kunstrasenplatz für die Hockey-Sparte gerungen. Zuletzt war er in greifbare Nähe gerückt – bis die Untere Naturschutzbehörde einschritt.

Auf der ruht jetzt die vage Hoffnung der Naturschützer. BUND und Nabu kümmern sich ehrenamtlich für die Stadt um den „Magerrasen“, den Pinneberg vor knapp 20 Jahren als „Kompensationsfläche“ für ein damals beabsichtigtes und inzwischen längst realisiertes Baugebiet anlegen musste. Dank ihres Einsatzes habe sich die Fläche zu einem „einzigartigen Biotop mit landesweiter Bedeutung für den Artenschutz“ entwickelt, erklärte der Umwelthaus-Vorsitzende Rainer Reischuck gegenüber dieser Zeitung. Auf der Fläche sei beispielsweise die Sandbiene Andrena dorsata gefunden worden, die in Schleswig-Holstein seit 2001 als ausgestorben galt, sowie weitere zehn Wildbienen- und Wespenarten, die auf der Roten Liste Schleswig-Holsteins und Deutschlands stehen.

Reischuck stellt klar: „Wir sind ganz und gar für das Anliegen der Hockeysportler, jedoch nicht zu Lasten unserer wenigen naturbelassenen Flächen.“ Seine Kritik richtet er gegen die Verwaltung: „Ausgleichsflächen haben keine Lobby im Rathaus. Sie scheinen nur ein verfügbares Flächenpool für weitere Baumaßnahmen zu sein.“ Weiter wettert der Umwelthaus-Vorsitzende, es gebe kein Interesse und personellen Sachverstand in Sachen Natur- und Umweltschutz. „Auch Kommunikation scheint unerwünscht.“ Für die Hockey-Spieler sieht Reischuck eine andere Lösung: Der Grandplatz An der Raa werde nur sehr ungern und deshalb kaum genutzt. Das könne er dokumentieren.

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erstellt am 06.Jul.2016 | 12:15 Uhr

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