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Pinneberger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 11:36 Uhr

Nach 70 Jahren ist endgültig Schluss

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Geschäftsleben Verkauf beim Elektro-Großhandel „Heinrich Petersen“ endet am 31. Mai / Inhaberin findet keinen Nachfolger

In der Weidenstraße ist der Firmenname Heinrich Petersen groß zu lesen. Ein paar Meter weiter führt rechts zwischen zwei Häusern ein überdachter Weg zur Eingangstür. Dahinter liegen die Räume des Elektro-Großhandels „Heinrich Petersen“. Schalter, Installationsmaterial und Glühlampen, Schachteln über Schachteln. „Rechts die Treppe hoch. Dort ist die Chefin“, sagt ein Mitarbeiter.

Inhaberin Irmtraud Jurrat wartet schon. Die quirlige Frau hat sich ein paar Notizen zur Firmengeschichte gemacht, zieht Bilanz, denn nach 70 Jahren schließt der Elektro-Großhandel. Zum 31. Mai gehen dort die Lichter aus. Pinneberg ist um eine weitere alteingesessene Firma ärmer, die das Stadtbild geprägt hat. Jetzt geht eine Ära zu Ende.

„Es war eine schöne Zeit. Dass ich aufhöre, bereue ich nicht. Ich bin jetzt 77 Jahre alt. Leider haben wir keinen Nachfolger gefunden“, sagt die Unternehmerin. Ihre beiden erwachsenen Kinder arbeiten in anderen Berufen. Die Enkel sind in der Ausbildung. Und auch ein treuer langjähriger Mitarbeiter möchte den Betrieb nicht übernehmen.

1946 wurde die Firma von ihrem Vater Heinrich Petersen gegründet. Es ist die Nachkriegszeit, das deutsche „Wirtschaftswunder“ liegt noch in weiter Ferne. Heinrich Petersen fängt ganz klein in einem Keller im Großen Reitweg an. Dann zieht das Geschäft in einen alten Schuppen an den Fahltskamp. „Dort, wo heute das Gymnasium ist. Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir immer eine Treppe hoch mussten“, berichtet Jurrat. Und daran, dass einmal im Jahr für das Finanzamt das Inventar gezählt werden musste.

Die Geschäfte laufen immer besser. Die Wirtschaft kommt in Fahrt. Anfang der 1960er Jahre siedelt sich das Unternehmen in der Weidenstraße an. Dort wohnte auch die Familie. Dann ein Schicksalsschlag: Irmtraud Jurrats Bruder Volker stirbt mit 25 Jahren bei einem Verkehrsunfall. Er sollte das Geschäft übernehmen. Weil der andere Bruder die Journalistenlaufbahn beim Handelsblatt eingeschlagen hat, fällt die Wahl der Nachfolge auf sie.

„Mein Vater hat immer gesagt: Diese Firma bleibt in der Familie.“ Und das passte, hatte die Pinnebergerin doch den Beruf der Kontoristin erlernt, der sie mit Büro-, Verwaltungs- sowie Registraturarbeiten vertraut machte. „Das Arbeitsamt hatte mir das vorgeschlagen.“

Die damals junge Unternehmerin findet sich schnell in der Geschäftswelt zurecht. „Mit Hilfe der Mitarbeiter.“ Zuletzt waren es vier. Irmtraud Jurrat bezeichnet sich als Chefin, die nie gemeckert habe. Die Pinneberger Kauffrau erlebt prosperierende Jahre. Bis Hamburg reicht der Kundenstamm. Sie beliefert die Schulen in der Kreisstadt, die Feuerwehr und die Stadtwerke. Allerdings spürt auch sie immer mehr die Konkurrenz von Großmärkten wie Media Markt.

Doch jetzt ist Schluss. Auch wegen des Alters. „Eigentlich freue ich mich“, sagt sie. Mehr Zeit für sich zu haben. Zum Walken und Kochen. Zum Reisen. Das konnte sie nicht wegen der Firma, in der sie Tag für Tag verbrachte. Wie es sich für eine Vollblutunternehmerin gehört.

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erstellt am 11.Mai.2016 | 16:09 Uhr

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