zur Navigation springen

Pinneberger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 19:20 Uhr

„Zum Vossbarg“ in Pinneberg : Nach 52 Jahren bleibt die Küche kalt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Traditionsgaststätte „Zum Vossbarg“ ist geschlossen. Betreiber Jens Sellmann wird als Angestellter anderswo weiter kochen.

Pinneberg | Nach 52 Jahren ist Schluss. In dieser Woche stand Jens Sellmann zum letzten Mal am Herd im Traditionsrestaurant „Zum Vossbarg“. 43 Jahre lang kochte er für seine Gäste und führte damit die Tradition seines Großvaters und Vaters weiter. Nun ist das Restaurant geschlossen. „Ich höre aus gesundheitlichen Gründen auf“, sagt Sellmann. Den Gästen würde der Abschied schwer fallen, sie hätten aber Verständnis für die Entscheidung.

„Wir haben immer schöne Zeiten dort verbracht“, sagt Berndhard Seikner, der Teil des Stammtisches in dem Lokal war. Seit 48 Jahren wurde immer sonntags die Woche bei einem Bier im „Vossbarg“ besprochen. Das Ende des Lokals bedeutet auch erstmal das Ende der Treffen. Aus der ursprünglichen Truppe seien nur noch drei Mitglieder da. Der Älteste 94 Jahre alt und Seikner mit 66 der Jüngste. „Wenn geöffnet war, waren wir da“, sagt Seikner.

Geöffnet war meist. Sechs-Tage-Wochen mit Arbeitszeiten von bis zu 14 Stunden seien in den vergangen 28 Jahren, in denen Sellmann das Restaurant betrieb, keine Seltenheit gewesen. „Mit dem auf- und abschließen ist es ja nicht getan“, so der Gastronom.

Er und seine Familie haben in dem Restaurant, in dem an den Wänden von ihm gemachte Fotos hängen, viel Stammkundschaft bewirtet. Zum Tagesessen kamen zahlreiche Alleinstehende „Zum Vossbarg“. „Die hängen jetzt in der Luft, die hat es hart getroffen“, sagt Sellmann.

Auf der Karte des Lokals am Hogenkamp stand vor allem deutsche Hausmannskost. Roastbeef, Sauerfleisch und Rouladen waren die Klassiker des Hauses. „Da kam bei einigen Gästen schon Panik auf, wo sie das jetzt bekommen“, weiß Sellmann. „Auch beim traditionellen Grünkohlessen wird es eine Lücke geben, die füllt bestimmt keiner so schnell aus“, sagt er. Seit 1964 gab es das Lokal in der heutigen Form. „Gegründet wurde es etwa einen Kilometer weiter 1925 vom Thesdorfer Bürgervorsteher August Röhmeyer“, so Sellmann.

1938 wurde es von Sellmanns Großvater übernommen. 1988 übernahm Sellmann von seinem Vater den Familienbetrieb. Eine Herausforderung sei das Gewerbe geworden, da kaum Personal und gar kein Fachpersonal verfügbar sei.

Der Abschied vom Restaurant bedeutet für ihn noch kein Ende seiner Berufslaufbahn. Der 63-Jährige arbeitet zwar bereits langsam auf den Ruhestand hin. Erstmal wird er jedoch weiterhin beruflich in der Küche stehen. Dann allerdings als Angestellter bei einem Catering- und Party-Service in Horst. Eines sei sicher: Einige der Rezepte aus dem „Vossbarg“ werden sicherlich ihren Weg auch dort ins Angebot schaffen.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 02.Jul.2016 | 16:32 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen