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Pinneberger Tageblatt

26. März 2017 | 11:23 Uhr

Nach 15 000 Schülern ist Schluss

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Sturmerprobt Kapitän zur See Rainer Ludwig gibt VHS-Kurse für Motor- und Segelboote / Karriere beim Wasserschutz im Hafen

„Ich habe einfach Lust, mein Wissen weiterzugeben und will nicht alles für mich behalten“, sagt Rainer Ludwig. Der ehemalige Kapitän zur See unterrichtet seit 1979 an der Volkshochschule (VHS) Wedel. Ein Jahr später begann er zudem Kurse für Motor- und Segelboote an den Volkshochschulen in Pinneberg und Halstenbek zu geben. 2018 will er 74-jährige damit aber Schluss machen. „Dann hatte ich 15  000      Schüler. Ein guter Zeitpunkt aufzuhören“, sagt Ludwig. Dabei hat er viel zu erzählen.

Schon während der Schule jobbte er in seiner Heimatstadt Büsum auf Krabbenkuttern. „Ich habe den Krabbengabbel weggemacht. Ich hatte nie Angst vor Dreck“, sagt Ludwig. Damals reifte der Wunsch, zur See zu Fahren. Nach der Volksschule fuhr er mit seinem Vater zum Seemannsamt. „Da rief einer ,Wir suchen einen Moses für Afrika‘. Da habe ich mich sofort gemeldet“, erinnert sich Ludwig. Drei Monate besuchte er die Schiffsjungenschule in Bremerhaven, die er selbst „Mosesfabrik“ nennt. „Da wirst du zum Menschen gemacht“, sagt Ludwig.

Am 15. Dezember 1958 ging er an Bord. Das Ziel: Afrika. „Ich erinnere mich gut an das Geweine meiner Mutter, dass ihr kleiner Junge so weit weg fährt. Ich fand es aber spannend. Urlaub in Afrika, sowas gab es damals nicht. Daher war es etwas Besonderes für mich“, so Ludwig.


Per Schiff dreimal Afrika umrundet


Dreimal hat er Afrika umrundet. Als er das vierte Mal auslaufen sollte, wurde kurzfristig das Ziel geändert. Sibirien hieß es plötzlich. „Da waren 38 Grad minus. Wir hatten nur Klamotten für Afrika dabei“, sagt Ludwig. In Russland wurde daher fleißig getauscht. „Eine Jacke kostete eine Flasche Charly Peng. Handschuhe und Hosen auch. Wir sahen schnell aus wie die Russen“, sagt Ludwig. 2,50        Mark hatten die Besatzung die Weinbrandflaschen gekostet, die zum Tauschobjekt wurden. Ludwig fuhr anschließend auf Barkassen, Bananenschiffen, Chemiekalientankern und anderen Handelsschiffen. Er berichtet von Spinnen an Bord, explosiven Chemikalien und einem besonderen Zwischenstopp in Nizza. „Unser Schiff sollte verkauft werden. Die Mannschaft hat die Ersatzschraube auf dem Schwarzmarkt verkauft. Nach drei Wochen wurde der Kauf rückgängig gemacht. Da haben sie beim Rückkauf der Schraube ordentlich draufgezahlt“, sagt Ludwig lachend.

1969, Ludwig war zweieinhalb Jahre mit seiner heutigen Frau verlobt, sollte die letzte Afrika-Fahrt stattfinden. „Als wir in Kapstadt waren, gab es für uns Seekarten für die ganze Welt. Der Kapitän meinte zu mir: ,Wir müssen einmal um den ganzen Pudding‘. Never-Come-Back-Liner seien solche Schiffe genannt worden.

13 Monate und fünf Tage war Ludwig auf See. Zwischendurch kaufte seine Verlobte ein Grundstück in Halstenbek. „Das war zufällig frei und ich hatte das Geld“, sagt er heute. Im April 1971 begann er mit dem Hausbau. „Die haben mich für verrückt gehalten. Ein Seemann, der ein Haus baut. Ich wusste ja gar nicht, wie ein Haus aussieht, weil ich immer auf See war. Zudem wollte ich im Dezember einziehen, weil mein Sohn unterwegs war.“ Mit der Hilfe des Schwiegervaters hielt er den Termin ein.

1975 machte er sein Kapitänspatent. Kurz darauf wechselte er zur Wasserschutzpolizei. Schnell machte er sein Patent zum Technischen Offizier. „Nur auf der Elbe spazieren zu fahren und jede Stunde einen Kaffee zu trinken, war mir zu langweilig“, sagt Ludwig, der unter anderem ausgezeichnet wurde, weil er gekenterte Segler aus der Elbe gerettet hatte. Er wollte Umweltsünder jagen und ging zur Marpol (Marine-Polution). „Auf chinesischen Schiffen gab es zu der Zeit in Schubladen die Warnung ,Be carefil if you arrive port of Hamburg. Kapitän Ludwig‘“, sagt er lachend.

Bei einem seiner letzten Einsätze vor dem Ruhestand ließ er ein Schiff 14 Tage im Hafen liegen und den Motor ausbauen. „Das ging um die Welt. Die kannten plötzlich alle meinen Namen“, sagt Ludwig. Oder seinen Spitznamen: Mr.        Doubleking. „Rainer wie der Fürst von Monaco und Ludwig wie der König von Frankreich“, stellte sich der Seebär gern vor.

Künftig will er sich mehr um seine Familie kümmern. Zudem hat ihn das Buch von Freund und Kapitän Jürgen Schwandt „Sturmwarnung“ motiviert, sein Leben niederzuschreiben. Ludwig sagt lachend: „Vielleicht kann ich damit ja ein paar Euro verdienen.“



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erstellt am 11.Mär.2017 | 16:00 Uhr

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