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Pinneberger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 06:05 Uhr

Appen : Mobile Unterkünfte nur für Männer?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Belegung hinter dem Appener Bürgerhaus sorgt für Zündstoff.

Appen | Noch stehen die vier mobilen Flüchtlingsunterkünfte hinter dem Bürgerhaus in Appen leer. Der Einzug von bis zu 24 Asylbewerbern ist erst für Ende September geplant. Es gibt aber jetzt schon Diskussionen, wer dort wohnen darf. Ulrich Rahnenführer, Flüchtlingskoordinator in Appen, befürchtet, dass aus finanziellen Gründen nur alleinstehende Männer einziehen sollen. Das sei weniger kompliziert und verspreche außerdem höhere Zuschüsse vom Land, erklärt Rahnenführer.

Die Verteilung der dem Amt Moorrege zugewiesenen Migranten liegt in den Händen der Amtsverwaltung. Der Flüchtlingskoordinator hat die Sorge, dass dort vor allem finanzielle Prioritäten gesetzt werden. Die könnten Appen nach seiner Auffassung teuer zu stehen kommen und zu Lasten der Integration gehen. „In den Unterkünften müssen auch Familien untergebracht werden“, fordert Rahnenführer. Dafür sprechen aus seiner Sicht mehrere Gründe. Einerseits stehe das Amt in der Pflicht, für die Familien vernünftige Bedingungen zu schaffen. Darüber hinaus befürchtet er Probleme, wenn 24 allein stehende Männer direkt hinter dem Bürgerhaus – dem Veranstaltungszentrum in Appen – aufeinander hocken und schlimmstenfalls nicht miteinander klarkommen. Sollten deshalb Polizeieinsätze erforderlich sein, entstehe ganz schnell Unruhe im Ort. Der Standort ist aus seiner Sicht ohnehin nicht optimal. Schließlich beginnen in unmittelbarer Nachbarschaft demnächst die Bauarbeiten für den neuen Kindergarten.

Die mobilen Unterkünfte sind jedoch nicht der einzige Zankapfel. „Mehrere Ehrenamtliche fühlen sich vom Amt nicht genügend eingebunden“, so Rahnenführer. Einige hätten deswegen sogar schon ihr Engagement für die derzeit etwa 50 Neuankömmlinge in Appen beendet. Es sei unbefriedigend, dass etliche Informationen spät oder gar nicht bei jenen landen, die sich vor Ort um die Flüchtlinge kümmern. Dadurch würden zudem Potenziale verschenkt. Schließlich kenne niemand die Asylbewerber so gut wie die Ehrenamtlichen, die sich um sie kümmern. Deshalb wäre es sinnvoll, auch vor dem Bezug der mobilen Unterkünfte die Zusammenarbeit mit den Freiwilligen zu suchen, so Rahnenführer. „Und zwar nicht erst zwei Tage vor dem Einzug.“ Zudem appellierte er an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, nicht nur die Finanzen, sondern auch die Integration im Auge zu behalten.

„Ich kann die Bedenken und Beschwerden verstehen“, sagte Amtsdirektor Rainer Jürgensen im Gespräch mit dieser Zeitung. Er betonte aber, dass das Amt die Kosten im Blick behalten und deshalb einen schwierigen Spagat bewältigen müsse. Das bedeute nicht zwingend, dass hinter dem Bürgerhaus nur Männer einziehen. Die Ankunft der Flüchtlinge stelle Haupt- und Ehrenamtliche vor schwierige Herausforderungen. Diese könnten nur gemeinsam bewältigt werden, auch wenn nicht immer alles reibungslos laufe. „Wir sind froh, dass die Freiwilligen da sind“, betonte er.

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erstellt am 09.Sep.2016 | 12:15 Uhr

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