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Reportage : Mit Vollgas durch das Vereinsheim: Der „Große Preis von Prisdorf“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Autorennen Sparte von „Jugend für Jugend“ richtet zweimal pro Jahr den „Großen Preis von Prisdorf“ aus. Der Aufbau der 100 Meter langen Rennstrecke dauert zwei Tage.

Prisdorf | Die Augen sind erwartungsvoll auf die Startampel gerichtet. Nacheinander leuchten die roten Punkte auf. Die Zeigefinger und Daumen liegen auf den roten Knöpfen der Controller. Als das fünfte Licht aufleuchtet, zuckt ein Finger. Zu früh. Fehlstart. Der Start wird abgebrochen. „Seid einfach ein wenig entspannter. Lieber eine halbe Sekunde später starten. Die drei Hundertstel, die ihr beim Start rausholt, bringen euch nicht so viel“, rät Uwe Behrend den zumeist jungen Fahrern. Während dem Fehlstarter in der Formel eins eine Zeitstrafe droht, bleibt es beim „Großen Preis von Prisdorf“ bei einer Ermahnung. Behrend startet die Blackbox neu. Wieder leuchten die Lampen auf. Als sie erlöschen, rasen die kleinen Rennwagen los. Der „Große Preis von Prisdorf“ wurde erfolgreich gestartet.

Zweimal im Jahr richten Behrend und sein Schwager Marko Natzke das Rennen für die Sparte „Jugend für Jugend“ des TSV Prisdorf aus. Mitfahren dürfen Kinder ab acht Jahren. Eine Altersgrenze gibt es nicht. „Ich glaube du bist der älteste Fahrer im Feld“, neckt Natzke seinen Schwager. Beide sind Organisatoren und Initiatoren der Rennen. Begonnen hat alles Weihnachten im Jahr 2009.

„Wir haben beide von unseren Frauen eine Digitalbahn geschenkt bekommen“, erinnert sich Natzke. „Es war ein moderat langweiliges Weihnachten – bis die Bahn kam“, ergänzt Behrend lachend. Während er sich diese gewünscht hatte, wurde Behrend total überrascht. „Die Wohnung war zu klein, also haben wir die Bahn im Vereinsheim aufgebaut“, sagt Natzke. Schnell kamen Freunde und Bekannte hinzu. „Wir sind bis nachts um drei gefahren“, berichtet Behrend. Damit war die Idee für die Rennen geboren.

Unzählige Meter Kabel müssen verlegt werden.
Unzählige Meter Kabel müssen verlegt werden. Foto: Bastian Fröhlig
 

24 Teilnehmer ab acht Jahren können bei den Rennen starten. „Natürlich haben wir auch Väter dabei. Am Anfang auch Mütter mit ihren Töchtern, aber der Frauenanteil ist aktuell bei null“, sagt Behrend. Fünf Einführungsrunden darf jeder Teilnehmer fahren. Dann beginnen die vier Wettbewerbe. Gefahren wird ein normales Rennen, ein Nachtrennen, das Ghost-Car-Rennen, bei dem ein Fahrzeug vom Computer gesteuert wird und als bewegliches Hindernis auf der Strecke fährt, sowie ein Rennen mit Boxenstopp. Geht der Sprit aus, fängt das Auto an zu stottern. Jedes Rennen hat zehn Runden. Beim letzten Duell müssen die Fahrzeuge etwa alle drei Runden zum Tanken an die Box. Etwa 33 Sekunden sind die Autos auf der etwa 100 Meter langen Strecke unterwegs. „Wir haben mehr als 100 Geraden verbaut. Allein das sind schon etwa 50 Meter“, sagt Natzke. Fünf Stunden dauert ein Renntag für die Fahrer. Versorgt werden sie mit Hot Dogs und Kuchen. Für die Organisatoren beginnt die Arbeit am Freitag.

Zahlreiche Kisten mit Kurven, Geraden, Steilkurven liegen im Vereinshaus des TSV Prisdorf verteilt. „Start- und Zielgerade sind immer identisch. Zudem haben wir immer eine Spirale und die Silvergate Brücke Prisdorf bei den Strecken integriert“, sagt Behrend. Die Streckenführung entsteht spontan beim Bauen. Mal führt der Weg über Heizungen, mal bergauf und bergab. „Der Streckenverlauf kommt darauf an, worauf wir gerade Lust haben“, sagt Natzke. Steht die Strecke, werden die Kabel verlegt, um die Fahrzeuge entsprechend mit Strom zu versorgen. „Da kommen bei der Länge der Strecke einige Meter zusammen“, sagt Behrend. Bis in die Nacht wird freitags aufgebaut.

Die Startampel haben die Fahrer genau im Blick.
Die Startampel haben die Fahrer genau im Blick. Foto: Bastian Fröhlig
 

Sonnabends geht es mit den Testfahrten weiter. Dann werden die Banden positioniert, um die Autos möglichst auf der Bahn zu halten. „Wenn die Wagen kaputtgehen, ist es richtig ärgerlich“, sagt Natzke. Der Original-Auto-Satz sei mittlerweile defekt. Vor zwei Jahren investierte er 450 Euro in neue Autos. Gefahren wird mit DTM-Nachbauten. Kleinteile wie Antennen, Scheibenwischer und Außenspiegel sind demontiert. „Alles was schnell abbrechen kann“, erläutert Behrend. Er selbst besitzt mehr als 100 Fahrzeuge – auch Raritäten, die nur 500 Mal gebaut wurden. Werden die auch gefahren? Behrend schmunzelt: „Definitiv nicht beim Rennen.“ Ist die Bahn fertig, drehen die Organisatoren ihre Runden. „Dann ist unsere Zeit“, sagt Natzke, der im Gegensatz zu seinem Schwager eine eigene Bahn zuhause aufgebaut hat. „Wir sind froh, wenn wir sonntags nicht einspringen müssen, weil wir genug Arbeit mit der Organisation haben“, sagt Behrend.

Nach dem Rennen wird abgebaut. Während der Aufbau sich über zwei Tage zieht, geht es beim Abbau schnell. „Das dauert meist eine Stunde,dann ist alles wieder verpackt“, sagt Natzke. Ihm und Behrend gehören 90 Prozent des Materials. Einiges wurde durch die Förderung der Jugendinitiative mit Pfiff gekauft. „Es wäre natürlich schön, wenn jemand mal etwas spenden würde oder seine alte Bahn über hat. Material können wir nie genug haben“, sagt Behrend.

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erstellt am 19.Mär.2017 | 13:00 Uhr

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