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Pinneberger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 09:13 Uhr

Archäologische Untersuchung : Mit Video: Erster Dolmen im Kreis Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das archäologische Landesamt findet Steingrab aus der Jungsteinzeit. Mitte Dezember ziehen die Experten ab.

Pinneberg | Eine Reise in die Vergangenheit wird derzeit an der Quickborner Straße in Borstel-Hohenraden unternommen. Bei Probegrabungen im Juli waren auf dem Areal, auf dem das neue Gewerbegebiet entstehen soll, bereits etwa 1600 Jahre alte Schmelzöfen, Werkstätten sowie Reste eines mehr als 2000 Jahre alten Gräberfeldes entdeckt worden. Nun untersucht Grabungsleiter Andreas Schütterle gemeinsam mit seinem Team vom Archäologischen Landesamt während der Hauptgrabung das Feld nach weiteren Spuren aus längst vergangen Tagen.

Dabei haben die Männer einen Grabhügel entdeckt. Dieser ist unter der abgetragenen Bodenschicht deutlich durch eine Verfärbung zu erkennen. „Hier ist es spannend, dass um den Hügel herum noch Steine liegen“, sagt Schütterle. Oft seien diese Anlagen in der Vergangenheit zerstört worden, etwa weil Menschen auf der Suche nach gutem Baumaterial waren oder durch Grabräuber, die es auf mögliche Beigaben abgesehen hatten. Im Umfeld wurden zudem mehrere Urnen freigelegt. Einige gut erhalten, von anderen kaum mehr als dunkle kleine Scherben übrig. Diese werden nach der Untersuchung abtransportiert und gegebenenfalls restauriert.

Andreas Schütterle leitet die Grabungen in Borstel-Hohenraden.
Andreas Schütterle leitet die Grabungen in Borstel-Hohenraden. Foto: Meyer
 

Ein besonderer Fund befindet sich direkt neben dem Grabhügel. Zwei große Steinbrocken liegen im verfärbten Sand. Schütterle geht davon aus, dass es sich hierbei um einen Dolmen (Steintisch), ein großes Steingrab, handelt. „Bisher ist im Kreis Pinneberg kein Dolmen dokumentiert“, so der Archäologe. Diese seien im Norden Schleswig-Holsteins bereits häufig gefunden worden. Typischerweise sei die Konstruktion bei einem Dolmen aufrechtstehende Steine mit einem Deckstein. „Das ist richtig alt“, sagt Schütterle. Der Dolmen habe nichts mit dem Grabhügel zu tun, sondern stamme aus der Jungsteinzeit. Innerhalb des Dolmens wurde außerdem ein kleiner Schaber aus Flintgestein gefunden. „Zu dieser Zeit gab es noch keine Werkzeuge aus Metall“, so Schütterle.

Wenige Meter weiter sind mit weißen Papptellern mehrere Flecken markiert. „Das sind die Spuren von Pfählen, die jeweils einen Speicher trugen“, so Schütterle. Einer der Speicher hatte zwölf Pfosten, der andere neun. „Bei dem großen hatten wir ursprünglich gedacht, dass es das Wohnhaus werde“, sagt er. Inzwischen gehen er und das Team davon aus, dass sich dieses jedoch einige Meter weiter südlich befand. „An der Stelle wurde Kies abgebaut und wahrscheinlich sind so die Spuren verloren gegangen“, so der Grabungsleiter. Die Speicher stammten wahrscheinlich aus der römischen Kaiserzeit.

Mehrere hunderte Meter entfernt wurden sogenannte Rennöfen gefunden. Handwerksgebiete lagen meist, aufgrund der Gefahren wie Feuer oder aber auch dem Geruch, am Rand von Siedlungsgebieten, erläutert Schütterle. In Borstel-Hohenraden liegen das „Gewerbegebiet“ mit Erzschmelzöfen und die gefundenen Speicher ebenfalls weit auseinander. Doch Schütterle warnt: „Es ist nicht gesagt, dass diese zur selben Zeit hier standen.“ Dies sei auch bei den anderen Funden so.

Die Fundstelle aus der Luft.

Die Fundstelle aus der Luft.

Foto: PT
 

Die herbstliche Witterung sorgt dafür, dass die Arbeiten etwas beschwerlicher als sonst sind. So müssen Fundstellen mit Planen abgedeckt werden und Frost behindert die Grabungen. Trotzdem ist die Stimmung vor Ort gut. Das Team vom Landesamt freut sich insbesondere über das Interesse in der Region. „Das Zusammenspiel zwischen Gemeinde, Ehrenamtlichen und uns funktioniert hier ganz toll“, sagt Schütterle. Er und sein Team müssen sich beeilen, nur noch bis 13. Dezember haben sie Zeit für ihre Grabungen.

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erstellt am 19.Nov.2016 | 18:18 Uhr

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