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Der Ton wird schärfer : Mit Kommentar: Können andere Einrichtungen 120 Kita-Plätze am Ostermannweg übernehmen?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Zoff um die Kosten: Der Streit über die Übernahme der Kosten für die notwendigsten Sanierungsmaßnahmen durch die Stadt eskaliert.

Pinneberg | Ist das schon der säkulare Ausverkauf der Heilig-Geist-Kindertagesstätte am Ostermannweg in Pinneberg? Bernd Hinrichs (CDU) hat für seine Fraktion im Ausschuss für Soziales am Mittwochabend der Verwaltung einen Prüfauftrag erteilt. Die CDU will wissen, ob andere Kitas in der Kreisstadt freie Kapazitäten haben, die 120 Plätze zu übernehmen, oder ob gar ein Träger den gesamten Betrieb übernehmen könnte.

Der Streit über die Übernahme der Kosten für die notwendigsten Sanierungsmaßnahmen durch die Stadt eskaliert, die Fronten sind verhärtet. Am Ende der Sitzung verließ ein sichtlich verärgerter Propst Thomas Drope vom Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein den Ausschuss. Weil die Kirche ihren Eigenanteil nicht mehr bezahlen kann, soll die Stadt einspringen und auch den Kirchenanteil von 50 Prozent komplett übernehmen (unsere Zeitung berichtete). Während der jüngsten Sitzung der Ratsversammlung wurde von der Politik beschlossen, dass bei 40.000 Euro Schluss sei. Pferdefuß: Der Träger, das Kita-Werk Pinneberg, muss beweisen, dass er das Geld nicht hat.

Im Sozialausschuss sollte im Zuge eines Arbeitsgesprächs über die Regularien und die Umsetzung des Beschlusses gesprochen werden. Doch der Austausch fand nicht statt. „Das Gespräch ist dringend erforderlich“, sagte Ausschussvorsitzende Ulrike Bues (Grüne und Unabhängige), die auch als Vertreterin ihrer Fraktion sprach.

Dieter Tietz (SPD) wollte kein Gespräch in der Öffentlichkeit führen. „Wir wollen aus dem Gespräch mit Ergebnissen hinausgehen und nicht mit irgendwelchen Statements“, sagte er. „Es geht thematisch über mehrere Ebenen. Das braucht Vorbereitung. Wir wollen zu Lösungen kommen“, betonte Hinrichs. Bues fand es schade, dass sich die Kirche bislang noch nicht in einem Ausschuss äußern durfte.

Für die Sitzung des Sozialausschusses hatte Andreas Brenner vom Kita-Werk Pinneberg eine Tischvorlage vorbereitet mit einer Kostenauflistung anstehender Sanierungsmaßnahmen. Sie beläuft sich auf exakt 40.000 Euro. Brenner möchte wissen, wie mit unvorhersehbaren Akutschäden umgegangen werden soll. Hintergrund: Insgesamt betragen die gesamten Sanierungskosten etwa 600.000 Euro. Weswegen die Kirche auch einen Neubau plant, den allerdings auch die Stadt berappen soll. Eine Antwort auf seine Fragen hat Brenner an diesem Abend jedoch nicht bekommen. Des Weiteren drängt Brenner auch auf eine zeitnahe Entscheidung, denn sollte es keine Einigung geben, würde der Träger Ende März die Kündigungen der 120 Kita-Plätze aussprechen. Mit dem Ende des Kitajahres, am 1. Juli, würden in der Kita am Ostermannweg auch die Lichter ausgehen.

„Es ist bedauerlich, dass solch ein zeitlicher Druck aufgebaut wird“, sagte SPD-Ratsherr Tietz. Aber noch gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer. Nächste Woche wollen sich Verwaltung, Vertreter der Fraktionen und der Träger an einen Tisch setzen, um über Lösungen zu sprechen.

Kommentar: Konflikt wird auf Rücken von Kindern ausgetragen

Die Debatte um die Übernahme der Sanierungskosten für die Kita am Ostermannweg fand im Sozialausschuss statt. Der Umgang miteinander war alles andere als sozial. Auch der Prüfantrag der CDU, der Partei mit dem C im Namen, ist alles andere als christlich. Die Elementar-Plätze aus einer evangelischen Kita mal über die Köpfe der Eltern und Kinder hinweg einfach auf andere Einrichtungen – wie eine städtische  –  zu verteilen,  geht gar nicht.  Die Wahl der Kita wird wohlbedacht gewesen sein, denn  pädagogische Fachkräfte orientieren sich in einer evangelischen Einrichtung  nun mal  am christlichen Menschenbild und an christlichen Werten. War es nicht die  CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel, die bei einem Landesparteitag der CDU Mecklenburg-Vorpommern in Wittenburg von ihrer Partei mehr Selbstbewusstsein im Umgang mit den christlichen Wurzeln gefordert hat? Gerade die CDU, die Partei mit dem C im Namen, sollte sich nun bemühen, eine Lösung zu finden, die den Erhalt der evangelischen Kita am Ostermannweg vorsieht. Die Kirche jedoch muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie viel zu spät gehandelt hat. Die finanzielle Situation beziehungsweise  der Sanierungsbedarf des Gebäudes sollten den Verantwortlichen wohl seit Längerem bekannt gewesen sein. Nun stehen alle unter starkem Zeitdruck. Vielleicht war das ja beabsichtigt, um mehr Druck ausüben zu können? Wie auch immer: Ausgetragen wird dies auf dem Rücken der betroffenen Eltern und Kita-Kinder. Traurig. (Rene Erdbrügger)

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erstellt am 17.Mär.2017 | 12:00 Uhr

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