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Pinneberger Tageblatt

23. März 2017 | 21:06 Uhr

Wie bewegungsaktiv sind die Pinneberger? : Mit Kommentar: Jetzt sind die Pinneberger gefragt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ende des Jahres soll in Pinneberg ein Sportentwicklungsplan vorliegen. Dafür wurde ein externes Institut beauftragt. Dieses beginnt heute mit der Bestandsanalyse.

Pinneberg | Pinneberg packt den Sportentwicklungsplan an. Der Startschuss fällt heute. Den Anfang machen die Bürger selbst. Sie sind gefragt. Bewegen sie sich gern? Treiben sie Sport? Welche Wünsche haben sie? 6000 Fragebögen werden verschickt.    

 Bis 7. April soll die Antwort erfolgen. Die Haushalte wurden per Zufallsstichprobe ausgewählt. Die gesammelten Daten werden anonym erhoben. „Die künftige Planung muss sich an den konkreten Sportbedürfnissen  orientieren, deshalb ist es zwingend, sie frühzeitig in den Planungsprozess einzubeziehen. Ich bitte  alle, die einen Fragebogen erhalten, diesen so umfassend wie möglich auszufüllen und kostenfrei zurückzusenden“, appelliert Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) an die Empfänger.

Der Sportentwicklungsplan wird in Zusammenarbeit mit dem Institut für kommunale Sportentwicklungsplanung (INSPO) an der Fachhochschule für Sport und Management Potsdam der Europäischen Sportakademie Land Brandenburg erarbeitet. Pinneberg lässt sich die Studie, die Ende des Jahres fertig sein soll, 59.000 Euro kosten. 10.000 Euro übernimmt laut Traudchen Perrefort (Verwaltung), die die Federführung hat, das Land.

Seit Jahren wird ein Sportentwicklungsplan, allen voran von den Vereinen, gefordert. Diese beschwerten sich, bislang nicht beteiligt worden zu sein (wir berichteten). Zunächst stehe die Bestandsaufnahme an, hieß es gestern im Rathaus. Immer mehr Kommunen führen Professor Jürgen Rode vom INSPO zufolge eine derartige Analyse durch. Im Kreis Pinneberg haben laut Karsten Tiedemann vom Kreissportverband Elmshorn und Tornesch einen Sportentwicklungsplan. Er sagt: „Für eine Stadt von der Größe Pinnebergs ist dieser unabdingbar.“

Wie bewegungsaktiv sind  die Pinneberger?

Elmshorn hat ihn. Tornesch auch. Nun soll auch in Pinneberg am Ende des Jahres ein Sportentwicklungsplan vorliegen. Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) und Fachbereichsleiterin Traudchen Perrefort, der die Federführung obliegt, betonten gestern, dass er weit mehr ist als eine bloße Bestandsaufnahme des Zustands der Sportstätten in der Kreisstadt. „Auch die gesellschaftlichen und demografischen Entwicklungen werden mit in die Analyse einbezogen“, erläuterte Perrefort.

Im Dezember sollen Daten darüber vorliegen, welche Angebote sich die Pinneberger wünschen, wie der Sport an Schulen gefördert werden kann, welche Sportstätten sanierungsbedürftig sind und wie viele gebraucht oder vielleicht nicht gebraucht werden. Wie die Sportvereine dastehen und inwiefern, und wo, vernetzt werden kann. Die Kosten für die Studie belaufen sich auf 59.000 Euro. 10.000 Euro kommen vom Land. Den Auftrag erhalten hat das Institut für kommunale Sportentwicklungsplanung (INSPO) an der Fachhochschule für Sport und Management Potsdam der Europäischen Sportakademie Land Brandenburg, das derzeit auch die Sportentwicklungsplanung auf der Ostseeinsel Fehmarn macht. Sie hätten mehr als zehn Jahre Erfahrung und Aufträge in sechs Bundesländern, sagten Professor Jürgen Rode und Professor Michael Barsuhn (beide INSPO) gestern beim Ortstermin im Rathaus. „Wir werden bis auf die Straße genau sagen können, wo etwas gemacht werden sollte“, kündigte Rode an. Dafür steht zunächst eine ausführliche Bestandsaufnahme an, zu der auch der Fragebogen gehört, der heute und morgen an 6000 Pinneberger verschickt wird. Die Wissenschaftler erwarten einen Rücklauf von 20 Prozent. Auch die Kitas, Schulen und Vereine, von denen es laut Steinberg 24 in Pinneberg gibt, werden online befragt. Und die Sportstätten werden unter die Lupe genommen, kommunale Datenbestände einbezogen. „Unser Team besteht aus Sportwissenschaftlern, Soziologen und Architekten“, erläutert Barsuhn.

Hoffen auf möglichst zahlreiche Rückläufe des Fragebogens: Bürgermeisterin Urte Steinberg (v. l.), Professor Jürgen Rode, Professor Michael Barsuhn und Traudchen Perrefort.
Hoffen auf möglichst zahlreiche Rückläufe des Fragebogens: Bürgermeisterin Urte Steinberg (v. l.), Professor Jürgen Rode, Professor Michael Barsuhn und Traudchen Perrefort. Foto: Felicitas Mertin
 

Dann geht es an den großen Tisch, an dem Politik, Verwaltung, Sportvereine, Schulen und Kitas sitzen. Rode und Barsuhn planen eine Tagesveranstaltung, während der themenorientierte Workshops stattfinden sollen. „Auch die 60 Prozent der Pinneberger, die nicht in Vereinen sind, haben Ansprüche beim Bewegungsangebot und bei der Infrastruktur“, sagte Rode.

Wie bewegungsaktiv sind die Pinneberger also? Das wird sich zeigen. „Pinneberg wartet darauf“, sagte Steinberg. Der Sportentwicklungsplan wird seit Jahren von den Sportvereinen gefordert. Diese beschwerten sich in der vergangenen Woche darüber, bislang nicht beteiligt worden zu sein (wir berichteten). Rode betonte, dass diese eingebunden würden: Durch Bürger- und Online-Befragung sowie Workshops.

 

Kommentar: Die Chance für einen Neuanfang

Der Ton zwischen Sportvereinen und  Rathaus ist rau. Nicht zuletzt, weil das Geschacher um den von der Hockeysparte des VfL Pinneberg lang ersehnten Kunstrasenplatz seit vielen Jahren kein Ende nimmt.  Die Kommunikation war selten zielführend, manchmal wurde sie gänzlich ausgesetzt.
Der Sportentwicklungsplan, den die Stadt jetzt auf den Weg gebracht hat, ist eine Chance, endlich Frieden zu schaffen. Gemeinsam für eine gute Sache kämpfen.  Das könnte die Wogen wieder glätten. Das Verfahren sieht vor, alle wichtigen Akteure an einen Tisch zu holen. Dazu gehören außer Politik und Verwaltung auch Bürger, Kitas, Schulen und eben Sportvereine. Gemeinsam sollen sie erarbeiten, was der Stadt fehlt. Wo verbessert werden sollte.  Sie müssen aber auch bereit sein, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen. Jetzt ist Offenheit gefragt. Der große Vorteil ist, dass ein externes Institut das Verfahren durchführt. Zeit also für einen Neuanfang. Ein Sportentwicklungsplan steht nicht häufig auf der Tagesordnung, diese Chance sollten alle Beteiligten in der Kreisstadt nutzen. Sonst bleibt das 59.000 Euro teure Projekt bloß ein Papiertiger.
Die Zusammenarbeit indes geht weit über dieses Jahr hinaus. Die Bestandsaufnahme wird zeigen, was in Pinneberg angepackt werden muss. Auch dabei sollten alle an einem Strang ziehen. Fest steht allerdings auch: Ideen für große Investitionen bleiben wohl in der Schublade. Pinnebergs Kassen sind leer. Sanierung ist  in der Kreisstadt das Unwort der vergangenen Jahre. Andere große Projekte wie die Schulbausanierung, die Bahnhofsumgestaltung und die Westumgehung gehen  erstmal vor. Erstmal. (Felicitas Mertin)

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erstellt am 16.Mär.2017 | 12:00 Uhr

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