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Pinneberger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 02:24 Uhr

Ja zum Aufstellungsbeschluss : Mit Greve in die Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Rat beschließt die Gewerbegebietserweiterung südlich der Gärtnerstraße. Diskussion geprägt von Misstrauen.

Halstenbek | Mit 24 Ja- bei sechs Neinstimmen und zwei Enthaltungen brachten am Montagabend Halstenbeks Gemeindevertreter mehrheitlich den Aufstellungsbeschluss zur Erschließung der sogenannten Greve-Flächen südlich der Gärtnerstraße auf den Weg. Nach nun mehr als 20 Jahren kommt Bewegung in die millionenschwere Überplanung des 7,5 Hektar großen Gewerbegebiets.

Vorangegangen waren zähe Diskussionen in der Schule an der Bek, die geprägt waren von Misstrauen, von Ängsten, einer Atmosphäre der möglichen Erpressung. Im Kern ging es darum, gegenüber dem Hamburger Investor AlsterCity Verwaltungsgesellschaft Gesicht zu wahren. Besonders Mitglieder der CDU sahen sich anfangs außerstande, zuzustimmen. Ein Antrag sah sogar vor, das ganze Projekt zu kippen. Doch nachdem Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann intervenierte – „gibt es heute keinen Beschluss, dann platzt das Ding“ –, gab es einen Sinneswandel. Sie räumte besonders die Bedenken der Christdemokraten mit der Ankündigung aus, dass die Familie Greve sich verpflichtet habe, beispielsweise die Erschließungsstraße zuerst zu bauen. Außerdem solle Gewerbe sowie Wohnungsbau zeitlich parallel angegangen werden. Auch die Grünen wurden besänftigt: Die Gewerbefläche wurde um 1800 Quadratmeter reduziert, in dem die Grünzone erweitert werden soll.

Es wird weiter verhandelt

Die Erschließung von etwa 7,5 Hektar Halstenbeker Gewerbegebiet südlich der Gärtnerstraße. Der Bau von 90 Wohnungen ohne Geschosswohnungsbau auf 11.000 Quadratmetern – ausschließlich Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser. Das alles ist auf dem seit 20 Jahren brach liegenden Areal der Hamburger Familie Greve geplant. Am Montagabend gab es einen erlösenden Vorstoß: Um 21.45 Uhr stimmten 24 Gemeindevertreter mit Ja, sechs mit Nein bei zwei Enthaltungen für den sogenannten Aufstellungsbeschluss des B-Plans 62.

Die Diskussionen über die entscheidenden Tagesordnungspunkte 9 und 10 begannen um 19.28 Uhr. Der verbale Schlagabtausch war vor allem – quer durch alle Fraktionen – durch eines geprägt: Misstrauen. Angst. Vorbehalte. Und Zurückhaltung gegenüber dem Hamburger Investor AlsterCity Verwaltungsgesellschaft. Es dürfte ein Resultat aus zwei Jahrzehnten Erfahrungen mit einem Global-Player sein, der Mitte der 1990er Jahre das riesige Areal gekauft hatte und seitdem angekündigte Vorhaben – beispielsweise den Bau von Gewerbe, Seniorenresidenz, Wohnungen, McDonalds – bis zum heutigen Tag nicht realisiert hat.

Die Ratssitzung war auch geprägt durch das Wissen um die Ankündigung der Familie Greve, dass nach einer Ablehnung durch den Halstenbeker Rat die Kooperation beendet sein würde. Für Grünen-Ratsfrau Ines Strehlau weckte diese Verhandlungsatmosphäre beispielsweise die Gefühlslage einer Erpressung: Sie stimmte zu guter Letzt gegen den Antrag. Dass sich eine große Mehrheit für die millionenschweren Gewerbesteuereinnahmen in spe durch neue, handverlesene, sprich „verkehrs- und emissionsarme Unternehmen“ (Christoph Bittner, SPD), entschieden haben, dürfte auch Resultat des energischen Drängens von Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann (parteilos) gewesen sein: „Gibt es heute keinen Beschluss, platzt das Ding.“

Die Schnittstelle

Die Rathauschefin sieht sich seit Jahren als Schnittstelle zwischen der Familie Greve mit ihrem Vorstand Dr. Ralph Knist und der Politik. Sie könne nach eigenen Worten präzise abschätzen, wann Schluss mit lustig ist. Wann die rote Linie – für beide Seiten – überschritten sei.

Die dürfte bereits im Sommer 2015 für die Familie Greve ausgereizt gewesen sein: Die Zahl der Wohneinheiten konnte durch die Gemeinde noch einmal um 25 Prozent von 125 auf 90 herunterhandelt werden. Geschosswohnungsbau wurde tabu, das Aushandeln eines 30 Meter Grünstreifens zwischen Wohnbebauung und Gewerbe sowie die Festlegung der Gewerbefläche auf nun 7,5 Hektar verbuchte die Gemeinde als Erfolg.

Spannend zu beobachten war an diesem Abend auch die Wandlung der CDU-Fraktion vom entschiedenen Nein-Sager – es lag ein Antrag vor, alle bisherigen Beschlüsse zur Entwicklung des Gewerbegebiets aufzuheben – hin zum mehrheitlichen Befürworter. Helmuth Ahrens sorgte sich anfangs um überdimensionierte Baukörper, Andreas Pauli sah sich nicht imstande, „weitere Kröten“, sprich Kompromisse, zu schlucken. Und forderte auch, dass die ganze Gewerbefläche in die Vermarktungsfläche reinkomme.

Ein Knackpunkt

Hoß-Rickmann streckte letztendlich die Hand des Versprechens aus. Die Familie Greve habe sich verpflichtet, beispielsweise die Erschließungsstraße zuerst zu bauen und Gewerbe sowie Wohnungsbau zeitlich parallel anzugehen. Bedenken, die besonders die CDU umtrieben und zerstreut wurden. Im Protokoll wurde auf Wunsch des Rats auch festgehalten, das der „Verkauf aller Gewerbeflächen über die neu zu gründende Grundstücksverwertungsgesellschaft abgewickelt“ werde. „Das wird im weiteren Verfahren mit dem Bauträger abgestimmt“, betonte Hoß-Rickmann. Pauli nickte milde gestimmt.

Ein Knackpunkt, an dem sich die Grünen abarbeiteten, war die Diskussion über den Knick. Doch auch hier fand sich ein Kompromiss durch folgende Formulierung, mit dem auch Greve laut Hoß-Rickmann leben kann: „Die Grünzone wird im Bereich der Gewerbefläche um eine Fläche erweitert, die der Größe des am Eidelstedter Weg zu berücksichtigenden Knickschutz-Bereichs entspricht.“ Heißt: Die Gewerbefläche reduziert sich um etwa 1800 Quadratmeter.

Nach der Abstimmung übergab Vize-Bürgervorsteher Jürgen Boller (SPD) die Verantwortung wieder an Bürgervorsteher Otto Sajitz (CDU). Er und seine Frau Kirsten sowie Gudrun Haker (Grüne) hatten vorab die Mensa der Schule an der Bek verlassen. Der Grund: mögliche Befangenheit. Wegen des Besitzes angrenzender Grundstücke zu den Greve-Flächen.

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erstellt am 27.Apr.2016 | 14:00 Uhr

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