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Pinneberger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 15:10 Uhr

Parkinson : Mit den Tücken der Krankheit leben

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

„Von einem Tag auf den anderen hat sich unser ganzes Leben verändert“ - Info-Abend am Donnerstag in Rellingen.

Rellingen | Parkinson ist die häufigste chronische Krankheit im fortgeschrittenen Alter. Hauptsymptome sind Bewegungsverlangsamung, Muskelsteifheit und Muskelzittern. Wer damit konfrontiert wird, erlebt starke Einschnitte im Alltag und muss Lebensentwürfe für Beruf, Familie und Rentnerdasein neu überdenken. So ging es auch Dagmar Lüdicke, als sie vor 17 Jahren die niederschmetternde Diagnose Parkinson bekam.

Parkinson ist eine chronische Erkrankung des Gehirns, bei der diejenigen Gehirnzellen absterben, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Dopamin ist dafür verantwortlich, Impulse zwischen den Nervenzellen weiterzugeben. Die wichtigste Aufgabe des Dopamins ist es, flüssige Bewegungsabläufe des Körpers zu ermöglichen. Die ersten Symptome einer Parkinson-Erkrankung können beispielsweise Schmerzen in Muskeln und Gelenken sein, mit denen die Patienten oft zunächst zu einem Orthopäden gehen. Hinzu kommen Probleme mit der Feinmotorik. Oft beginnen die Symptome auf einer Körperseite, später breiten sie sich auf den gesamten Körper aus und ihre Intensität nimmt zu. Zu den typischen Parkinson-Symptomen zählen  Bewegungsverlangsamung bis hin zur Bewegungsstarre, Muskelsteifheit, Muskelzittern in Ruhe sowie eine mangelnde Stabilität der aufrechten Körperhaltung. Als Begleitsymptome können Depressionen, Schlafstörungen oder Inkontinenz – auch Verstopfungen – auftreten.

„Von einem Tag auf den anderen hat sich unser ganzes Leben verändert“, beschreibt ihr Mann Klaus die neue Lebenssituation. „Meine Frau war 56 Jahre alt, hat aufgehört zu arbeiten. Die ersten sechs Jahre ging es noch. Das nennt man die Honeymoon-Phase. Aber dann wurde es richtig ernst, zumal ich zeitweise auch noch schwer krank wurde.“ Parkinson ist nicht nur die Krankheit der Betroffenen selbst, sondern die der ganzen Familie. Gemeinsam müssen Alltags-Strategien überlegt werden. Dagmar und Klaus Lüdicke etwa schlossen sich der Selbsthilfegruppe Parkinson Rellingen an, die zur Deutschen Parkinson Vereinigung e.V. gehört. Seit sieben Jahren ist der 73-Jährige auch als Gruppenleiter aktiv. „Die Gruppe ist unser Anker“, sagen beide, „sie gibt Kraft, wichtige Informationen, soziale Kontakte und auch eine Menge Spaß.“ Immer donnerstags von 10 bis 11 Uhr treffen sich etwa 25 Betroffene und Angehörige zur Gymnastik und jeden dritten Montag im Monat, ab 15 Uhr, gibt es einen Kaffee-Treff in der Rellinger DRK-Begegnungsstätte im Appelkamp 8.

In der Parkinson-Gruppe gibt es viel Verständnis füreinander, was im täglichen Leben nicht immer vorausgesetzt werden kann: Parkinson-Patienten reagieren auf ihre Umwelt oft wie in Zeitlupe. Das führt dazu, dass Ärzte, Pflegekräfte oder Angehörige die Geduld verlieren können – sie knöpfen dem Patienten die Jacke zu, schneiden ihm das Fleisch klein oder ergänzen den angefangenen Satz. Sie wollen helfen, verhalten sich aber falsch. Der Patient sollte immer so viel selbst machen, wie möglich. Allerdings ist die aktuelle Situation entscheidend. Es kann passieren, dass sich der Betroffene in einer Phase guter Beweglichkeit, der sogenannten On-Phase, befindet und sich sein Glas Wasser ohne Hilfe aus der Küche holen kann. Zehn Minuten später aber ist er in der „Off-Phase“, mit stark eingeschränkter Beweglichkeit – und das Glas wird unerreichbar. „Das sind die Tücken der Krankheit“, so Lüdicke.

Extrem wichtig für das Wohlbefinden sei eine optimale Tabletteneinstellung. Bisher ist keine Heilung der Krankheit möglich, aber spezielle Medikamente und unterstützende Therapien können das Fortschreiten hinauszögern.

Damit Informationen und neue Behandlungsmethoden rund um die Volkskrankheit Parkinson öffentlich werden, hat sich Lüdicke gemeinsam mit Kerstin Kreuzhage von der Zentralen Kontaktstelle Selbsthilfe und Nicole Giese, der Leiterin der Rellinger DRK-Begegnungsstätte, zusammengesetzt und einen Informationsabend geplant. Am Donnerstag, 15. September, 18 Uhr, ist der Neurologe und Parkinson-Experte Dr. Uwe Jahnke aus der Schön-Klinik Neustadt zu Gast. Er stellt die Parkinson-Komplexbehandlung vor und beantwortet Fragen der Zuhörer. Natürlich ist auch Lüdicke vor Ort im DRK-Seniorenwohnsitz am Oberen Ehmschen 53 in Rellingen: „Wir helfen und informieren die Betroffenen und deren Angehörigen.“

Wer mehr Informationen benötigt oder der Gruppe beitreten möchte, kann Lüdicke auch vorab telefonisch kontaktieren unter Telefon 04101-45338 oder per E-Mail an rellingen@parkinson-mail.de. www.parkinson-rellingen.de
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erstellt am 13.Sep.2016 | 10:00 Uhr

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