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Pinneberger Tageblatt

22. Februar 2017 | 05:06 Uhr

Mit dem Fahrrad gegen Krebs

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Benefiztour 71-Jähriger aus Reher fährt durch Schleswig-Holstein und sammelt Spenden / Zwischenstopp in Pinneberg

Rote Ballons und bunte Pavillons: Extra für die Ankunft von Hans Böge in Pinneberg wurde die Gartenanlage der K&S Seniorenresidenz in der Rellinger Straße tip top auf Vordermann gebracht. Und ein Grillfest wurde organisiert. Das Besondere an Böge: 70 bis 80 Kilometer reist der 71-jährige am Tag – mit dem Fahrrad. Drei Wochen ist er unterwegs durch Schleswig-Holstein und Hamburg, an die 1000 Kilometer hat er schon abgeradelt. Eine reife Leistung für den Mann aus Reher bei Itzehoe, aber die wahre Bedeutung seiner Tour ist eine andere: Als Selbstbetroffener sammelt er mit der Aktion Spendengelder für die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft. Der K&S Regionalleiter Nord Siegmar Buchholz und die Residenzleiterin Birgit Heitmann hatten den Radfahrer eingeladen, um ihm eine Spende über 300 Euro zu überreichen.

Böge macht auf seiner Benefiztour an den unterschiedlichsten Orten Halt: in Schlössern, Kirchen, Reha-Kliniken, auf Onkologiestationen und eben in Altenheimen. Er spricht offen über die Krankheit. „Das ist ein Tabuthema“, sagte er. „Ich stelle immer wieder fest, wie wichtig es ist, dass jemand rausgeht und sagt: Ich habe es geschafft, du schaffst das auch. Über die Krankheit herrscht noch immer das große Schweigen, keiner will darüber reden und das ist das Schlimme.“ Betroffene würden mit ihren Ängsten alleingelassen.

Böge erlebte das selbst. Es traf ihn vor sechs Jahren wie ein Schlag: Zungenkrebs. „Die Diagnose verändert das Leben von einem Tag auf den anderen“, sagte er in seiner Rede den Bewohnern. „Man muss leben mit dieser bösen Krankheit. Die Gefühle werden zu Wechselbädern“, beschrieb Böge seinen Weg. „Seit sechs Jahren fährt mein Leben Krebsachterbahn, mal rauf, mal runter. Aber trotzdem möchte ich weiterhin radeln gegen das große Schweigen.“

Die Idee dazu kam ihm bei einer Nachuntersuchung. Er erinnert sich gut an die Situation: „Das Erwachen kommt nach der Behandlung. Wenn man plötzlich zuhause sitzt und in ein Loch fällt.“ Böge fuhr schon immer gern Fahrrad und entschied spontan, dass er eine große Tour machen wolle. „Ich sagte dem Arzt, mir geht es gut, ich fahre durch Deutschland“, berichtete Böge lachend. Seitdem war er schon zweimal auf Benefiztour, einmal durch ganz Deutschland und einmal durch Schleswig-Holstein. Und er bewirkt etwas: Das Thema ist im Bewusstsein der Menschen angekommen. Mittlerweile wird er von Städten eingeladen vorbei zukommen, und die Spendensumme ist auf seiner dritten Tour deutlich angestiegen. Etwa 8000 Euro hat er schon beisammen – im September, nach Tourende, erfolgt die Übergabe. Es geht Böge aber nicht ausschließlich ums Spendensammeln: „Ich möchte krebskranken Menschen Mut und Hoffnung machen.“ Vor allem bringt er auch gute Laune mit: Auf seiner Tour begleitet ihn die Michael Weiss Jazzband aus Neumünster, die beim Grillfest gestern mit ihren Evergreens die Bewohner zum Mitsingen und Tanzen animierte – Musik bringt Leben. Auch der Sponsor Medilog, der sich um die Nachversorgung von Patienten kümmert, begleitet Böge. Heute sitzt er schon wieder auf seinem Rad: Von Pinneberg fährt er nach Henstedt-Ulzburg.


Spendenkonto:

IBAN: DE1921  0700  2000  3533  0000

BIC: DEUTDEHH210

Stichwort: Fahrradtour S H

2016 – Angehörigen – Wohnung

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