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Pinneberger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 12:01 Uhr

Mit dem Fahrrad gegen den Krebs

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Benefiztour 71-Jähriger aus Reher fährt durch Schleswig-Holstein und sammelt Spenden / Zwischenstopp in Wedel

Ballons und Girlanden: Extra für die Ankunft von Hans Böge in Wedel wurde der Vorgarten der Seniorenresidenz An der Elbe an der Hafenstraße geschmückt. Die Bewohner hatten sich zu einem sommerlichen Fest getroffen, um Böge einen großen Empfang zu bereiten.

Das Besondere an dem 71-Jährigen: Er radelt gegen den Krebs an. 70 bis 80 Kilometer reist er am Tag – mit dem Fahrrad. Drei Wochen lang ist er unterwegs durch Schleswig-Holstein und Hamburg, an die 1000 Kilometer hat er schon abgeradelt. Eine reife Leistung für den Mann aus Reher bei Itzehoe (Kreis Steinburg). Aber die wahre Bedeutung seiner Tour ist eine andere: Als Betroffener sammelt er mit der Aktion Spendengeld für die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft. Residenzleiterin Sabine Sradnick und Bernd Bosselmann vom Heimbeirat hatten den Radfahrer eingeladen, um ihm eine Spende von 100 Euro zu überreichen.

Böge macht auf seiner Benefiztour an den unterschiedlichsten Orten Halt: in Schlössern, Kirchen, Reha-Kliniken, auf Onkologiestationen und eben in Altenheimen. Er spricht offen über die Krankheit. „Das ist ein Tabuthema“, sagte er. „Ich stelle immer wieder fest, wie wichtig es ist, dass jemand rausgeht und sagt: Ich habe es geschafft, du schaffst das auch. Über die Krankheit herrscht noch immer das große Schweigen, keiner will darüber reden und das ist das Schlimme.“ Betroffene würden mit ihren Ängsten alleingelassen.

Böge erlebte das selbst. Es traf ihn vor sechs Jahren wie ein Schlag: Zungenkrebs. „Die Diagnose verändert das Leben von einem Tag auf den anderen“, sagte er. „Man muss leben mit dieser bösen Krankheit. Die Gefühle werden zu Wechselbädern“, beschrieb Böge seinen Weg. „Seit sechs Jahren fährt mein Leben Krebsachterbahn, mal rauf, mal runter. Aber trotzdem möchte ich weiterhin radeln gegen das große Schweigen.“

Die Idee dazu kam ihm bei einer Nachuntersuchung. Er erinnert sich gut an die Situation: „Das Erwachen kommt nach der Behandlung. Wenn man plötzlich zuhause sitzt und in ein Loch fällt.“ Böge fuhr schon immer gern Fahrrad und entschied spontan, dass er eine große Tour machen wolle. „Ich sagte dem Arzt, mir geht es gut, ich fahre durch Deutschland“, berichtete Böge lachend. Seitdem war er schon zweimal auf Benefiztour, einmal durch ganz Deutschland und einmal durch Schleswig-Holstein.

Und er bewirkt etwas: Das Thema ist im Bewusstsein der Menschen angekommen. Mittlerweile wird er von Städten eingeladen vorbei zukommen, und die Spendensumme ist auf seiner dritten Tour deutlich angestiegen. Etwa 8000 Euro hat er schon beisammen – im September, nach Tourende, erfolgt die Übergabe.


Böge will Mut und Hoffnung machen


Es geht Böge aber nicht ausschließlich ums Spendensammeln: „Ich möchte krebskranken Menschen Mut und Hoffnung machen.“ Vor allem bringt er auch gute Laune mit: Auf seiner Tour begleitet ihn die Michael Weiss Jazzband aus Neumünster, die beim Fest gestern mit ihren Evergreens ordentlich Stimmung machte – Musik bringt Leben.

Böge hat in den vergangenen Tagen auch Schenefeld und Pinneberg besucht. Von Wedel geht es weiter nach Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg).


Spendenkonto:

IBAN: DE1921  0700  2000  3533  0000

BIC: DEUTDEHH210

Stichwort: Fahrradtour S H

2016 – Angehörigen – Wohnung

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erstellt am 25.Aug.2016 | 12:25 Uhr

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