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Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 14:44 Uhr

Das Sonntagsgespräch : „Mehr in der Luft als am Boden“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute mit dem Motocross-Landesmeister Jonny Bokelmann.

Rellingen | Jonny Bokelmann aus Rellingen ist aktueller Motocross-Landesmeister in der Kategorie Senioren 50. Im Sonntagsgespräch erklärt er unter anderem, was ihn an seiner Sportart fasziniert und warum es nicht ausreicht, nur die Maschine zu beherrschen.

Wie sind Sie zum Motocross gekommen?
Mein Vater hat mich früher zu den Speedway-Rennen in Brokstedt mitgenommen. Sein Wunsch war, dass ich mit dem Bahnsport anfange. Ich war zwar vom Motorsport begeistert, fand es aber langweilig, immer nur vier Runden im Kreis zu fahren. Mich begeisterten eher die Geländemotorräder. So bin ich zum Motocross gekommen.

Was fasziniert Sie am Motocross?
Hindernisse, Sprünge – man ist mit der Maschine fast mehr in der Luft als am Boden. Das hat mich von Anfang an fasziniert. Als ich damit begonnen habe, bin ich nie wieder davon losgekommen. Ich liebe es einfach, Rennen zu fahren. Dabei kommt es nicht nur auf den Sieg an. Nach einem verpatzten Start und vielen Überholmanövern auf Platz vier oder fünf zu fahren, ist ein genauso schönes Gefühl.

Gibt es Rennen, an die Sie sich besonders gerne erinnern?
1989 habe ich den Nordcup gewonnen. Nach dem Gewinn dieser norddeutschen Meisterschaft durfte ich 1990 an den deutschen Titelkämpfen teilnehmen. Es war eine tolle Sache, einmal gegen die Profis zu fahren, obwohl ich keine Chance auf eine vordere Platzierung hatte. Besonders gerne erinnere ich mich auch an gewonnene Rennen. So war ich beispielsweise mehrmals Landesmeister.

Wo trainieren Sie?
Meistens in Albersdorf im Kreis Dithmarschen. Der MC Albersdorf ist mein Heimatverein.  Auch in Bokel, Tensfeld im Kreis Segeberg und in Elstorf im Landkreis Harburg habe ich Trainingsmöglichkeiten. Ich trainiere immer am Wochenende. Außer es stehen Rennen an. Dann versuche ich, auch Mittwoch auf der Maschine zu sitzen, wenn mein Beruf das zulässt.

Hatten Sie schon mal einen Unfall?
Mehrere. Den schlimmsten Unfall hatte ich 2014 beim Training in Albersdorf. Dort stürzte ich auf gerader Strecke. Woran es lag und wie es passiert ist, weiß ich nicht. Ich war nach dem Sturz bewusstlos, hatte aber Glück. Außer einer gebrochenen Rippe und Prellungen war mir nichts passiert. Das Schlimmste war, dass ich nicht wusste, was der Grund für meinen Abflug war. Wenn beim Sprung etwas schief geht und man einen Fehler macht, merkt man das. Aber wieso ich auf gerader Strecke stürzte, ist mir immer noch ein Rätsel.

Hatten Sie danach Angst, wieder auf die Maschine zu steigen?
Angst würde ich nicht sagen, aber so ein Erlebnis vergisst man nicht so leicht. Anfangs bin ich deshalb  verhaltener gefahren.

Was zeichnet einen guten Motocross-Fahrer aus?
Ohne eine Top-Kondition geht gar nichts. Ansonsten hält man die 20-minütigen Rennen gar nicht durch. Deshalb sollte jeder Ausdauer- und Kraftsport betreiben, bevor er auf die Maschine steigt. Mut gehört gerade am Anfang auch dazu. Irgendwann werden aber selbst die Sprünge zur Routine. Grundsätzlich ist für den Sport jeder geeignet. Kinder und Jugendliche können ausprobieren, ob es ihnen Spaß bringt. Wenn sie fest dabei bleiben, wird es aber teuer. Mit Motorrad muss ich 20.000 Euro pro Jahr veranschlagen. Grundsätzlich würde ich mir wünschen, dass unser Sport in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen wird. Wenn mal Stars wie Ken Roczen da sind, wird das leider nicht genutzt.

Was ist es für ein Gefühl, mit der Maschine in der Luft zu sein?
Das ist einfach herrlich und ein richtiger Adrenalinschub. Es wird mir schwer fallen, damit irgendwann aufzuhören.

Fahren Sie eher mit Verstand oder mit Gefühl?
Mit Beidem. Ohne Verstand geht es nicht. Wer den ausschaltet, kommt nicht ins Ziel. Man muss sich Kraft und Kondition gut einteilen. Es hilft nichts, zwei Runden vorneweg zu fahren und dann einzubrechen, weil die Kraft fehlt.

Jonny Bokelmann (51) ist sein erstes Motocross-Rennen mit 17 Jahren gefahren. In seinem Heimatclub MC Albersdorf ist er auch stellvertretender Vorsitzender. Der verheiratete Vater zweier Kinder ist Elektroniker und arbeitet für ein finnisches Unternehmen, das sich mit Wettermessungen beschäftigt.
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erstellt am 24.Apr.2016 | 15:15 Uhr

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