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Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 01:06 Uhr

Fan-Messe „MaGnology“ in Hamburg : Manga- und Animefiguren: Kein Fasching, sondern Cosplay

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Fans von Manga- und Animefiguren schlüpfen in deren Rollen. Der Trend kommt ursprünglich aus Japan und hat jetzt auch den Kreis Pinneberg erreicht.

Pinneberg/Hamburg | Pinneberger, die am Wochenende in die S-Bahn Richtung Hamburg steigen, haben sie bestimmt schon mal gesehen: Die Cosplayer. Das sind junge Leute, die in schrillen Kostümen, mit bunten Perücken gekleidet sind, viele japanische Wörter benutzen, posieren und sich gegenseitig fotografieren. Cosplay ist eine japanische Jugendkultur, entstanden durch die dortigen Trickfilme und Comics, genannt Anime und Manga. Seit den 1980er Jahren hat sich das Kostümspiel (costume play) in der ganzen Welt verbreitet.

Fans von Manga- oder Animefiguren schlüpfen in deren Rollen. Ganz wichtig dafür sind möglichst originalgetreue Kostüme: „Ich liebe es, zu nähen und zu basteln“, sagt Svenja. Auch Animes mochte sie schon immer gern und das Verkleiden sowieso. Klar, dass die Pinnebergerin zur leidenschaftlichen Cosplayerin wurde: „Das ist ein kreatives Hobby. Die meisten sind von meinen selbstgenähten Kostümen begeistert“, so die 21-jährige Chemiestudentin. Auch Schülerin Sarah (18) findet das Rollenspiel großartig: „Ich bin durch Freunde in die Cosplay-Szene gekommen.“ Und Josie (18), liebt an den Cosplayern nicht nur ihr schrilles Äußeres, sondern auch ihre Toleranz miteinander: „In der Szene ist es vollkommen gleichgültig, ob du schwarz, weiß, hetero, schwul, arm oder reich bist. Wichtig ist nur, dass du Spaß an dem Hobby hast und Dich gegenüber anderen fair benimmst.“

Josie als Geisha aus dem Manga „Kimono Boys“.

Josie als Geisha aus dem Manga „Kimono Boys“.

Foto: Lincke

Anders als in vielen anderen Jugendgruppen, wird bei den Cosplayern nicht viel Alkohol konsumiert. „Natürlich gibt es auch mal einen darunter, der zuviel getrunken hat, aber bei den Treffen ist es eigentlich gar nicht üblich. Kiffen auch nicht“, erzählt Josie. Auf den sogenannten Conventions treffen sich Cosplayer bundesweit – so gibt es große jährliche Zusammenkünfte immer in Kassel auf der „Connichi“ oder in Leipzig, auf der Leipziger Buchmesse. Da entstehe dann Festivalatmosphäre pur. Allerdings mit japanischem Essen, japanischer Musik und Massen an bunten, schrillen Kostümen.

Cosplayer sind bundesweit vernetzt: „Wir organisieren über das Netz Mitfahrgelegenheiten, Schlafplätze für die Conventions, aber auch An- und Verkäufe für Kostüme“, erzählt Josie. Die Cosplay-Szene hat aber nicht nur in Deutschland Freunde, Fans gibt es weltweit. So skype die Berufsschülerin mit Marik in Australien und chatte mit Vincent in London. Der Australier war auch schon mal auf einen Abstecher in Pinneberg, während einer Deutschland-Besuchstour. Und der Engländer Vincent hat gerade vor zwei Monaten eine Klassenreise nach Hamburg gemacht. „Klar, dass wir uns getroffen haben“, sagt Josie. Kostümiert? Nein. Ganz normal.

Ganz normal geht bei den Cosplayern auch. „Unser Alltag ist wie bei allen anderen“, sagt Svenja. „Cosplay ist unsere Leidenschaft. Das schweißt zusammen. Aber das machen wir dann auf den Conventions.“ Eine Besonderheit hat die Subkultur Cosplay allerdings noch: Sie geht quer durch alle Schulabschlüsse und Altersstrukturen. Während alle anderen Jugendlichen oft unter sich bleiben: Gymnasiasten sind mit Gymnasiasten befreundet und Hauptschüler mit Hauptschülern, so spielt das bei den Cosplayern überhaupt keine Rolle.

Josie mit roter Perücke als Gangster aus dem Anime „Death Note“.

Josie mit roter Perücke als Gangster aus dem Anime „Death Note“.

Foto: Lincke

Die Gruppen sind bunt gemischt: Azubis, Schüler, Studenten, Berufstätige – auch altersmäßig. Josie: „Wir haben kürzlich wegen des Japan-Tages in Düsseldorf bei einer Jura-Dozentin übernachtet. Die ist Mitte 30 und auch Cosplayerin. Na und?“ Auf den Conventions seien auch „noch Ältere“ gesichtet worden. „Wenn‘s ihnen Spaß macht? Ist doch toll.“

Am kommenden Wochenende startet übrigens die Fan-Messe „MaGnology“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. Freitag bis Sonntag, vom 1. bis zum 3. Juli -  Freitag von 14 bis 18 Uhr, am Wochenende von 10 bis 18 Uhr - sind die Türen weit geöffnet. Für Cosplayer, Manga-Fans und alle, die sich für das Thema interessieren. Aussteller, Foto-Shootings, Workshops, Lesungen, Vorträge, Live-Zeichnen und ein großer Cosplay-Wettbewerb sind geplant.

Die Messe ist ein Begleitprogramm zur aktuellen Ausstellung „Hokusai Manga“, die noch bis zum 11. September im Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen ist. Dort erfährt man alles rund um das Thema Manga – etwa, dass es diese japanische Popkultur schon seit 1680 gibt (damals allerdings als Holzschnitt). Und auch die Biene Maya ist zu sehen, denn sie und ihr kleiner Freund Willy sind Anime-Figuren. Genauso wie „Heidi“ . Sie alle sind durch deutsch-japanische Koproduktionen entstanden, die auf das Animationshandwerk aus Ostasien zurückgreifen.

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erstellt am 28.Jun.2016 | 10:00 Uhr

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