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Pinneberger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 15:30 Uhr

Mamas Seele auf Achterbahnfahrt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

InszenierungMusical Company fordert sein Publikum heraus: Im neuen Rockmuscial geht es um eine Frau mit einer bipolaren Störung

Keine leichte Kost, der sich die Pinneberger Musical Company mit ihrem neuen Stück angenommen hat: Im dramatischen Rockmusical „Next to Normal – fast normal“ kämpft eine Mutter gegen ihre bipolare Störung. Zwar war der Saal im Cap Polonio nicht ausverkauft am Premierenabend, doch diejenigen, die kamen, waren beeindruckt.

Es geht scheinbar ganz normal los. Geschildert wird der morgendliche Alltag in einer vierköpfigen Familie: Die beiden Kinder Natalie (Vivien Menzel) und Gabe (Alessandro Schulze) machen sich fertig für die Schule, Vater Dan (Arnfried Oprotkowitz) für die Arbeit. Mutter Diana (Annika Gebhart) ist fröhlich und macht Brote, sie verteilt sie überall, auf den Tellern und auf dem Boden. Und plötzlich wird dem Zuschauer klar, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt.

Diana wird zum Arzt (Friedhelm Schlesch) gebracht, und das Publikum erfährt: Sie leidet seit 16 Jahren an einer bipolaren Störung, die Medikamente setzt sie immer wieder eigenständig ab, während Natalie durch ihren Freund Henry (Jan Torben Schunck) in die Drogensucht getrieben wird.

Was von dem Gezeigten real ist oder sich nur in den Köpfen der Darsteller abspielt, ist dabei nicht immer klar. Etwa wenn Diana auf einem Podium im grellen Scheinwerferlicht zu einem jazzigen Walzer eine Tablette nach der anderen schlucken muss oder wenn Tochter Natalie von einem Streit mit ihrem Freund direkt in den Kopf ihrer Mutter springt, während diese eine Elektroschocktherapie erhält. Ein anspruchsvolles Stück, das lange nachwirkt und dazu auffordert, sich einen eignen Sinn zu erschließen.



Starke Leistung eines tollen Ensembles


Erst nach und nach ergibt sich für die Zuschauer ein vollständiges Bild. Regisseur Heiko Schnorrenberger setzt die innere Gefühlswelt der Darsteller metaphorisch als Birkenwald im Hintergrund und mit Licht um: Pechschwarz, dunkles Blau und Rot, schließlich Grün. „Es stellt die Entwicklung der Frau dar, von eher trostlos zu einem gesünderen Wald. Es gibt kein klassisches Happy End, aber vieles wird verbessert“, sagte er.

Starker Tobak, starke Stimmen: Ganz besonders Gebhart zeigte eine großartige Leistung, dicht gefolgt von ihren „Kindern“ Menzel und Schulze. Nur Oprotkowitz fiel neben seinen Rockröhren-Co-Stars etwas aus dem Rahmen, nicht jeder Ton saß astrein.

Etwas hakte es auch noch beim Licht: Eine gezielte Aufmerksamkeitslenkung auf die unterschiedlichen Bühnenebenen, mit denen gearbeitet wurde, klappte nicht immer, denn manchmal ging das Licht in einer Bühnenecke nicht an, oder der Spot leuchtete ins Leere. Davon abgesehen lieferte die Musical Company eine grandiose Show, allen voran die sechs Darsteller und die Rockband hinter ihnen.


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