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Pinneberger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 09:48 Uhr

Siedlungsgeschichte : Kunststraße in Bönningstedt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Seniorenbeirat informiert in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein über Wegführung. Bau: 1830 bis1833.

Bönningstedt | Die Chaussee, die Altona und Kiel im Jahr 1833 durch eine 92 Kilometer lange Straße verbunden hat, ist im Kreis Pinneberg momentan in aller Munde. Auch in Bönningstedt setzten sich Joachim Czolbe und Norbert Murr mit der Geschichte auseinander und präsentierten etwa 50 Besuchern ihre Ergebnisse.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Bönningstedter Seniorenbeirat in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein. Das große Interesse freute besonders Eckhard Johannes, Vorsitzender des Seniorenbeirates, sowie Sigrid Duvigneau, Vorsitzende des Heimatvereins. „Es ist wunderbar, wenn Vereine aus einer Gemeinde zusammenarbeiten“, sagte Duvigneau.

Die Kunststraße wurde von 1830 bis 1833 gebaut und dabei führt auch ein Stück durch Bönningstedt. „Nur drei Jahre haben sie für diese Straße gebraucht. Sie war durchdacht und von vorne bis hinten durchgeplant. Wenn wir die heute gehabt hätten, hätten wir schon drei Elbphilharmonien“, sagte Murr mit einem Lachen. Doch warum wurde die Strecke eigentlich Kunststraße genannt? „Im Gegensatz zu den anderen Straßen, ist es eine frei von alten Linien und ungeachtet der anderen Wege gebaute Straße. Sie wurde von A bis Z durchgeplant“, erklärte Murr. Sie gilt als die erste Kunststraße in Schleswig-Holstein.

Auf zahlreichen Bildern vor 1830 zeigten Murr und Czolbe, wie stark die Straßen und Wege durch die Fuhrwagen in Mitleidenschaft gezogen wurden. „Bei Starkregen sind die Fuhrwerke komplett im Morast versunken. Im Winter war es da noch am besten zu fahren“, sagte Murr. Es sei sehr beschwerlich und teilweise sogar unmöglich gewesen, die Straßen zu passieren. „Im Vergleich mit einem Lkw haben die Fuhrwerke viel größere Schäden angerichtet“, sagte er weiter. Die Räder hätten eine Auflagefläche einer Spielkarte. Außerdem standen die Räder immer etwas schräg, damit die Karren schwerer beladen werden konnten.

Die damaligen Straßenverläufe erinnern nur schemenhaft an das Bönningstedt von heute. Eine Bahnhofstraße war im Jahr 1789 beispielsweise nur marginal durch einen kleinen Weg ausgestattet. Damals noch Winzeldorf und Bönningstedt getrennt voneinander, war Winzeldorf um einiges größer als Bönningstedt. „Die Rugenbergener Mühle sowie die heutige Gemeinschaftsschule wären auf Winzeldorfer Gebiet“, erklärte Czolbe. Außerdem galt Winzeldorf als „das reichere Dorf“. Als im Jahr 1842 die beiden Gemeinden zusammengelegt wurden, zog das reiche Winzeldorf jedoch den Kürzeren. „Bönningstedt hatte mehr Einwohner und so behielt die Gemeinde den Namen“, sagte Murr. Nach dem Bau der Kieler Straße sei auf den Karten besonders eine Sache zu entdecken: „Die Siedlungsgebiete sind deutlich zur Kieler Straße gewandert“, berichtete Murr. Somit hat sich der Mittelpunkt der Gemeinde auch heute auf die Kieler Straße verschoben.

Als Grundlage der Recherchen diente das Buch „Die Chaussee Altona-Kiel“ von Burkhard von Hennigs und Heinrich Kautzky. Es gehört zur Reihe der Beiträge der Denkmalpflege in Schleswig-Holstein. Auf 312 Seiten, 123 Schwarz-Weiß- und 210 Farbabbildungen wird die Geschichte der Kunststraße geschildert. ISBN: 978-86935-243-5.
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erstellt am 31.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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