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Pinneberger Tageblatt

11. Dezember 2016 | 11:01 Uhr

Workshop mit Flüchtlingen : Kunst als Sprache der Sprachlosen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Flüchtlinge erarbeiten sich mit Diakonie und Hamburger Lichtwarkschule „Gesellschaftliche Teilhabe und kulturelle Identität“.

Halstenbek | Flüchtlings-Frauen fotografieren ihren Alltag. Und drücken damit Ängste, Sehnsüchte, Wünsche und Träume aus. Dem Projekt, organisiert von Lilli Kerbel, lässt Halstenbeks Willkommenskultur-Koordinatorin nun eine weitere Aktion folgen: „Darstellung ohne Sprache“ nennt das die Expertin vom Diakonieverein Migration. Gemeint ist die Arbeit der Flüchtlinge mit und an Kunstwerken.

Die Lichtwarkschule ist benannt nach  Alfred Lichtwark, geboren am 14. November 1852 in Hamburg-Reitbrook und gestorben am 13.Januar 1914 in der Hansestadt. Er war ein deutscher Kunsthistoriker, Museumsleiter und Kunstpädagoge in Hamburg und gehört zu den Begründern der Museumspädagogik und  Kunsterziehungsbewegung. Zu erwähnen ist das Jahr 1896, in dem Lichtwart in der Kunsthalle eine Ausstellung mit dem Thema, wie Kinder denken und malen, eröffnete.

Mit im Boot ist Halstenbeks Kirche und die Kommune mit Ortsjugendpflegerin Daniela Spitzar. Sowie die weltberühmte Lichtwark-Gesellschaft mit Sitz in der Max-Brauer-Allee 24 in Hamburg. Den Kontakt zur Lichtwarkschule hatte die Halstenbeker Ärztin Dr. Alexandra Kettner-Melsheimer hergestellt.

Das ist für Kerbel auch das Stichwort: Wegweisend sind Lichtwarks Übungen in der Betrachtung von Kunstwerken, bei denen er mit Schülern Kunstwerke in seinem Museum systematisch besprach. Gemeinsam mit dem Künstler Lukasz Chrobok, der unter anderem für die Lichtwarkschule zum Thema „Talentschmiede – Tor der Welt“ Kindern der 7. und 8. Klasse professionellen Unterricht während eines einjährigem Kunststipendiums für künstlerisch Begabte, arbeitet, wurde das zweite Projekt initiiert.

Zwölf Erwachsene und ein Kind aus Syrien, Afghanistan, Iran, Irak und Eritrea trafen sich für diese Aktion auch in der Hamburger Kunsthalle. „Gesellschaftliche Teilhabe stärken, eine kulturelle Identität entwickeln“ lautete das Motto. Unmittelbar vor Klassikern der Kunstgeschichte, staunten die Asylbewerber in der Manet-Ausstellung oder vor Porträts von Rembrandt van Rijn (1606-1669) nicht schlecht.

Bereiten eine Ausstellung im Zuge der Interkulturellen Woche vor: Lilli Kerbel (links) und Dr. Alexandra Kettner-Melsheimer.
Bereiten eine Ausstellung im Zuge der Interkulturellen Woche vor: Lilli Kerbel (links) und Dr. Alexandra Kettner-Melsheimer. Foto: Vogel
 

Anschließend zog es den Tross zurück in die „Arche Noah“ am Halstenbeker Haselweg, um ihre Träume und Wünsche in Collagen festzuhalten. „Die Erwachsenen ließen besonders ihre Sorgen um zurückgelassene Familienmitglieder in den Kriegsgebieten freien Lauf. Die Jugendlichen träumen dagegen von Wohlstand, einem eigenen Auto und Haus“, zieht Kerbel Bilanz. Auch für Spitzar, die sich als Ortsjugendpflegerin mit eingebracht hatte, ist das Kunstprojekt eine gelungene Aktion: „Es war eine gute Möglichkeit, intensiven Kontakt zu bekommen. Es war auch für die Flüchtlinge eine Chance, aus dem Alltag zu fliehen und an etwas anderes zu denken.“

Verpuffen, gar in der Versenkung verschwinden sollen die Kunstwerke nicht. Die Arbeiten der Flüchtlinge bleiben zwar im Archiv der Willkommenskultur. Doch: „Wir planen für Ende September eine Ausstellung im Gemeindezentrum ‚Arche Noah‘, inklusive einer amerikanischen Versteigerung zugunsten der Flüchtlingsarbeit“, kündigt Kerbel an. Das Prinzip dafür lautet: Jeder, der ein Gebot abgibt, zahlt den Differenzbetrag zum vorherigen Gebot. Die Einnahmen könnten über den Wert der zu versteigernden Gegenstände hinausgehen. Es werden Arbeiten von Halstenbeker Künstler versteigert.

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erstellt am 10.Aug.2016 | 17:00 Uhr

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