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Pinneberger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 20:54 Uhr

Verleihung 2016 : Kulturpreis für den Platt-Poetry-King

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Jan Ladiges, Slammer op Platt, wird mit dem Kulturpreis der Gemeinde Holm ausgezeichnet.

Holm | „Wer war schon mal auf einem Poetry Slam?“ fragte Sven Kamin. Im bis zum letzten Platz gefüllten Holmer Dörpshus gingen nur wenige Hände hoch. Genau die Antwort, die der mehrfache Meister unter den Slammern brauchte. Mit Bravour legte er los und gab eine Kostprobe davon, was bei so einem Dichterwettstreit abgeht. Das Wichtigste dabei: Der Krach beim Applaus, denn der Lautstärkepegel bestimmt den Sieger. Kamin gröhlte einmal vor, das nicht mehr ganz jugendliche Publikum tat ihm mit viel Vergnügen nach. Mit dabei auch Hans-Jochen Oldenburg, Bürgermeister der Partnerstadt Rehna.

So begann die Laudatio auf Jan Ladiges, mit 54 Jahren die viel gefeierte Ausnahmeerscheinung in der zumeist jugendlichen Slammer-Szene. Und dann auch noch Platt-Snacker. Damit war er jetzt reif für den Kulturpreis der Gemeinde Holm. „Als Würdigung und Anerkennung für sein Engagement als Botschafter der plattdeutschen Sprache“, wie es in der dazugehörigen Urkunde hieß. Das waren fast die einzigen hochdeutschen Worte in der Festansprache von Bürgermeister Walter Rißler. Denn: „Hochdüütsch kann jeder Dööskopp snacken, Platt is för de plietschen Jacken.“

Ladiges ist bereits der 14. Empfänger des mit 500 Euro dotierten Kulturpreises. Verliehen wird er alle zwei Jahre, und zwar „für Leistungen auf den Gebieten der bildenden Kunst, der Musik, der Literatur, der darstellenden Kunst und der Förderung von Kunst und Kultur“, wie Rißler ausführte.

In die Slammer-Szene, nach Kamins Einschätzung ein „Haifischbecken der Alpha-Tiere“, ist der Gärtner und eher nachdenkliche Dichter aus Holm mehr oder weniger zufällig hineingezogen worden. Beim Dämmerschoppen in einem Wedeler Lokal, in dem Kamin gerade einen Poetry-Slam über die Bühne brachte. Jemand steckte dem Moderator: Da unten sitzt einer, der reimt auf Plattdeutsch. Prompt erging an Ladiges der Ruf zum Mitmachen. Der 50-Jährige reagierte mit einem ungerührten „In Ordnung“. Von da an war er „in“ und heftete einen Sieg nach dem anderen an seine Slammer-Fersen.

Und was sagte der Dichter zu seinem Kulturpreis? „Ick bün platt.“ Wie sich das für einen so Gefeierten gebührt, hatte Ladiges Danksagungen parat. Ganz oben an standen „Modder und Vadder för dat Plattdüütsch lehren“. Die Umgangssprache von einst führe heute nur noch ein Nieschendasein, beklagte der Preisträger. Eine Image-Kampagne sei nötig, um ihr gänzliches Verschwinden zu verhindern. „Platt is cool“, stellte der Holmer fest. Aber wie bringt man diese Botschaft zur Jugend? „Wii möt de junge Lüüd affholn, wo sei sünt“, so die Forderung von Ladiges. Poetry Slam erscheint ihm dazu als guter Zugang. „Jan, du bist klasse, du bist ein Genie“, sang das Publikum schließlich zur Melodie des „Ännchen von Tharau“, am Flügel intoniert von Monika Schätzle. Dann wurde rund um das Büffet fröhlich und ausgelassen weitergesnackt.

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erstellt am 31.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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