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Pinneberger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 21:49 Uhr

Bürgermeisterwahl in Halstenbek : Kandidaten stellen sich vor: Jecken-Bütt contra seriösem Auftritt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Während der Kandidat Hein Gottfried Fischer für eine Klamauk-Show sorgt, bemühen sich von Rüden und Sajitz um Ernsthaftigkeit.

Halstenbek | Die Bürgermeisterwahl in Halstenbek am Sonntag, 11. September, elektrisiert die Bürger. Mehr als 600 Interessierte strömten am Mittwochabend in die neue Aula des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums, um Zeugen der Vorstellung der drei Kandidaten Hein Gottfried Fischer (73, unabhängig), Claudius von Rüden (39, SPD) und Kirsten Sajitz (39, CDU) zu sein. Vorab sei verraten: Es dürfte niemand dabei gewesen sein, der die Zeit von 19 bis 21.30 Uhr als verlorene empfinden dürfte. Im Gegenteil: Der humorig-launige, wenig von Seriosität und Qualität geprägte Auftritt des aus Gangelt bei Aachen stammenden Fischer hatte Unterhaltungswert. Auf seine Art.

Bevor Moderator Pastor Norbert Dierks das Heft in die Hand nahm, begrüßte die noch bis zum 31. Januar 2017 amtierende Amtschefin Linda Hoß-Rickmann (parteilos) die Anwesenden. Sie skizzierte anfangs das „Idealbild eines Bürgermeisters“ aus der „Amtglocke“, einer Zitatesammlung mit spaßigen Anekdoten. Bürgermeister müssten allwissend sein, sich in Sachen Feuerwehr, Passwesen, Straßenbau, Fußball und Straßenreinigungsgebühren auskennen und stets für seine Gemeinde präsent sein. Das sorgte für Lacher.

War die aufgelockerte Atmosphäre eine Aufforderung für Fischer, der – die alphabetische Reihenfolge legte es fest – als erster in die „Bütt“ trat, um für sich zu werben? Fischer machte es kurz. „Ich möchte mit wenigen Worten viel über mich aussagen. Als gelernter Einzelhandelskaufmann bin ich für die FDP. Als gelernter Zollbeamter bin ich neutral. Als Christ bin ich für die CDU. Als gelernter Diplom-Sozialpädagoge mit Fachhochschul- und Universitäts-Abschluss bin ich für die SPD. Als aktives Mitglied der Grünen bin ich für die Grünen. Als gelernter Entspannungspädagoge bin ich für inneren und äußeren Frieden. Mit akademischer Zusatzausbildung in Arbeits- und Sozialrecht bin ich für die Einhaltung von Gesetzen. Deswegen bin ich ein freier und neutraler Bürgermeisterkandidat...“

Sein Statement las Fischer vom elektronischen Tablet ab, dessen hartnäckiges Eigenleben für Lacher sorgte. Halbsätze, gespielte oder ungespielte Verwirrtheit – der Geräuschpegel in der Aula schwoll an und explodierte um 19.35 Uhr in tosenden, für alle befreienden Applaus.

Da hatten es von Rüden und Sajitz merklich schwerer, die Seriosität in die Veranstaltung zurückzubringen. Mit Powerpoint agierten beide. Stellten ihre Vita, ihre Ziele, ihre Qualitäten in den Mittelpunkt. Sajitz setzte auf mehrere Trumpfkarten: Auf ihr Heimspiel – sie lebt seit 39 Jahren im Ort, ging hier zur Schule. Auf 18 Jahre Kommunalpolitik sowie Managementqualitäten als CDU-Chefin und Mutter von fünf Kindern.

Von Rüden wählte eine andere Strategie. Er vertraute auf die Stärke einer klar formulierenden, stresserprobten Verwaltungs- und Managerkompetenz. Geschickt blendete der Familienvater mit Wohnsitz Hamburg-Osdorf – „Werde ich gewählt, ziehe ich nach Halstenbek“ – Fotos von Besuchen bei etwa 40 Vereinen und Verbänden ein, die ihn mit Feuerwehrmännern, Schützen, Kirchen- und Sportvereinvertretern zeigen. Fazit: Der lautstarke Applaus für die Eigenwerbung bescherte ihm – subjektiv wahrgenommen – ein leichtes Plus.

Von 20.15 bis 21.25 Uhr bohrten die Bürger nach. Es ging um Schuldenabbau, um Flüchtlingsarbeit, Expansion, Barrierefreiheit, Jugendarbeit, bezahlbaren Wohnraum, Busverbindungen von und nach Hamburg, erneuerbare Energie sowie den Bau von Azubi- und Studentenwohnungen. Während sich von Rüden und Sajitz in ihren Antworten ähnelten und um Klarheit, Plausibilität und Realitätsnähe mühten, zog Fischer seine Strategie „Entspannung und Gute-Laune-Max“ vor. Ernst genommen wurde er nicht. Die Wahl – das ist wenig überraschend – dürfte ein Kopf-an-Kopf-Rennen werden. Zwischen von Rüden und Sajitz.

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erstellt am 02.Sep.2016 | 12:15 Uhr

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