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Pinneberger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 02:23 Uhr

„Junge Kameraden ziehen weg“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Interview Wehrführer Andreas Roman im Interview: Teure Immobilienpreise treffen auch die Halstenbeker Feuerwehr

Digitalfunk, neue Fahrzeuge, Wohnungsnot der jungen Mitglieder – die Halstenbeker Feuerwehr steht vor zahlreichen Herausforderungen. Im Interview mit unserer Zeitung erklärt Wehrführer Andreas Roman (59), wie die Wehr damit umgeht.

Die Halstenbeker Feuerwehr war eine der ersten, die auf Digitalfunk umgestellt hat. Hat der Umstieg funktioniert?

Wer ein solches Projekt startet, muss natürlich Anfangsschwierigkeiten bewältigen. Inzwischen klappt alles ausgezeichnet. Die Qualität ist hervorragend, der Digitalfunk ist ausgereift und erfüllt unsere Erwartungen. Anfangs gab es bei einigen Mitgliedern noch Berührungsängste, weil sie den Umgang mit der neuen Technik nicht gewohnt waren. Die haben sich aber gelegt.

Was hat sich durch den Digitalfunk verändert?

Atemschutzträger mit eigenen Sprechgarnituren in den Masken, Headsets -Technik erleichtert die Kommunikation während der Einsätze. Sie ersetzt aber ganz bestimmt nicht das normale Gespräch.

Was für Fahrzeuge braucht die Halstenbeker Wehr?

Wir haben vor zwei Jahren ein Fahrzeugkonzept entwickelt, das von der Politik abgesegnet wurde und nun nach und nach abgearbeitet wird. Als nächstes bekommen wir einen Mannschaftstransportwagen. Ein neuer Rüstwagen kommt im Februar 2018. Ein neues Hilfeleistungslöschfahrzeug soll Mitte 2018 ausgeliefert werden. Danach werden noch zwei weitere Fahrzeuge benötigt. Dann dürfte unser Fuhrpark erst einmal wieder komplett sein.

Funktioniert die Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung?

Wir sind der Politik dankbar, dass sie so großes Verständnis für unsere Anliegen hat und uns fraktionsübergreifend unterstützt. Auch im Rathaus hat man immer ein offenes Ohr für uns. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und die Kameradschaft innerhalb der Wehr müssen stimmen. Sonst bringt die Arbeit keinen Spaß.

Wo liegen die Einsatzschwerpunkte in Halstenbek?

Wir mussten 2016 bisher etwa 140 Mal ausrücken. Unfälle, Rauchmelder-Fehlalarm, Katzenrettungen, Brände – es war alles dabei. Auffällig ist, dass sich dieses Jahr schon viele Unfälle auf der A  23 ereigneten. Unfallschwerpunkt ist der Bereich Richtung Hamburg kurz hinter der Anschlussstelle Krupunder, wenn der Flüsterasphalt zum normalen Asphalt wird. Dort verlieren viele Autofahrer die Kontrolle über ihre Fahrzeuge, weil sie dort weniger Grip haben.


Gab es Einsätze, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Kurios finde ich es immer wieder, wenn wir Katzen von einem Baum herunterholen müssen. Fahren wir die Drehleiter aus, klettern die Tiere meistens noch höher. Da Katzen kein Wasser mögen, bringt es viel mehr, sie nass zu spritzen. Dann kommen sie von ganz alleine herunter. Es hat schon seine Gründe, warum Katzen eigentlich nur bei schönem Wetter auf Bäumen zu finden sind.

Wie ist die Mitgliederentwicklung? Gibt es genügend Nachwuchs?

Noch können wir unsere Sollstärke von 80 Mitgliedern in etwa halten. Langfristig könnte sich allerdings negativ auswirken, dass sich viele junge Halstenbeker aufgrund der hohen Immobilienpreise keine Wohnung am Hamburger Stadtrand leisten können. Das trifft auch die Feuerwehr. Viele der jungen Kameraden ziehen deshalb in die Nachbargemeinden. Die freuen sich über gut ausgebildeten Nachwuchs. Das hilft uns in Halstenbek aber nicht weiter. Ich habe das Problem schon im Rathaus und in der Gemeindevertretung angesprochen. Es ist zwingend erforderlich, dass bezahlbarer Wohnraum für die Ehrenamtlichen geschaffen wird.

Viele Wehren klagen, dass tagsüber zu wenige Einsatzkräfte vor Ort sind, weil diese woanders arbeiten. Wie ist die Situation in Halstenbek?

In der Regel sind wir gut genug aufgestellt, um jederzeit ausrücken zu können. Die Einsatzpläne sind darauf abgestimmt, wann jemand vor Ort ist. Wer in der Umgebung arbeitet, ist für Einsätze am Tag vorgesehen. Wer weite Strecken zum Arbeitsplatz zurücklegen muss, wird für die Nacht eingeteilt. Bei größeren Einsätzen ist es ohnehin üblich, dass wir mit den Wehren aus den Nachbarkommunen zusammenarbeiten.

Hat sich die Arbeit der Wehr in den vergangenen Jahren verändert?

Bürokratie und Vorschriften haben zugenommen und nehmen enorm viel Zeit in Anspruch. Um den administrativen Aufwand sowie Pflege und Wartung der Fahrzeuge zu bewältigen, brauchen wir inzwischen sogar einen zweiten Gerätewart. Früher ging es nur um die Feuerwehr und darum, anderen Menschen zu helfen. Diese Zeiten sind aufgrund der zunehmenden Bürokratie längst vorbei. Das macht es nicht leichter, ehrenamtliche Mitglieder zu gewinnen.

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