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Pornodarstellerin aus dem Kreis Pinneberg : Interview mit „Schnuggie91“: „Ich mache, was mir Spaß macht“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Erotik-Darstellerin „Schnuggie91“ erzählt wie sie zum Pornofilm kam und wie andere darüber denken.

Pinneberg | Mit zwei Jahren zog das heutige Erotiksternchen „Schnuggie91“ mit ihren Eltern in den Kreis Pinneberg. Sie ging zur Schule, machte ihren Abschluss und absolvierte eine Lehre zur Bankkauffrau. Ein Jahr arbeitete die 25-Jährige in einem Geldinstitut, dann entschied sie sich, einen anderen Weg einzuschlagen. Sie veröffentlichte ihren ersten Pornofilm auf der Plattform „MyDirtyHobby.de“. Heute  ist Sophie, wie sie sich im Internet auch nennt, bei der Erotikplattform exklusiv unter Vertrag. Seit fünf Jahren gehört die 25-Jährige zu den erfolgreichsten Erotikdarstellerinnen in Deutschland. Mehr als 300 Filme hat sie gedreht, die auf kostenlosen Erotikplattformen im Internet mehr als 50 Millionen Mal aufgerufen wurden.

Wie kam es zu Ihrem ersten Film?

Ich war mit meiner Stiefschwester auf einer Party mit einigen Freunden. Da wir beide sehr offen sind, ging auf der Party mehr. Das haben wir aus Spaß gefilmt. Danach meinten einige Kumpels, ob wir die Seite „MyDirtyHobby“ kennen. Uns sagte das nichts. Meine Stiefschwester hat sich dort als „Bibixxx“ angemeldet. Sie war einen Monat vor mir online.

Kann dort jeder Filme hochladen?

Ich musste vier Videos hochladen, um mitmachen zu können. Ich habe dann halt nackt geduscht. Es fing also ganz einfach an.

Sich privat beim Sex zu filmen ist eine Sache,  die Filme dann online zum Kauf anzubieten, eine andere. Das Internet vergisst schließlich nie.

Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht. Einigen Freunden und meiner Mama habe ich davon erzählt. Meine Mama hat cool reagiert. Sie ist da ganz offen. Wir kommen aus dem Osten, da ist man eh lockerer. Einige Bekannte hatten Sorgen, dass ich abrutsche. Einige haben die Filme auch verurteilt. Meine engen Freunde und meine Familie fanden es gut, haben es unterstützt und ganz entspannt reagiert. Es gab aber auch Leute, die es rausgefunden und sich das Maul zerrissen haben. Wenn ich Feiern gehe, stehen einige in der Ecke und lästern, andere machen Fotos. Das ist sehr unterschiedlich.

Hatten Sie damals keine Angst, dass Kollegen oder der Chef Sie sehen?

Ich habe mit den Filmen am Ende des ersten Jahrs meiner Festanstellung begonnen. Ich hatte ohnehin keine Lust mehr darauf und wollte Abi machen und studieren. Ich habe schon gedacht, dass man mich erkennt, aber nicht, dass es so eine Eigendynamik entwickelt.

Was für Reaktionen gibt es?

Einige sagen „Krass, das ist die“, wenn sie mich sehen. Mich haben auch schon Typen angesprochen: „Kenne ich dich irgendwoher?“ Super Spruch übrigens (lacht). Es gibt wenige, die es abschreckt, die meisten sind interessiert, wie es ist, Pornos zu drehen und wie es abläuft.

Gab es auch sehr negative Reaktionen?

Ja, Freunde meiner Eltern wollten plötzlich nichts mehr mit ihnen zu tun haben wegen meiner Filme. Das finde ich kleinkariert. Meine Eltern haben mit meinem Job ja nichts zu tun.

Sie drehen Filme, sind aber auch vor der Webcam aktiv.

Da baut man coole Kontakte auf. Ich habe auch schon mal zehn Stunden vor der Cam gesessen, ohne mich einmal auszuziehen oder eine Stunde nur über Politik diskutiert. Einige wollen nur was sehen, aber es gibt andere, die man gut kennt. Bei einigen sind echte Freundschaften entstanden. Die haben auch meine Kontaktdaten. Ein Chat war mal zwölf Stunden am Stück. Wir haben geredet und ganz verrückte Sachen gemacht – und ich meine nichts Sexuelles.

Aber er hat gezahlt? (Anmerkung der Redaktion: Die Darsteller werden bei MyDirtyHobby mit Coins bezahlt. Pro Minute werden mindestens 99 Coins fällig, die sich eins zu eins in Cent-Beträge umrechnen lassen)

Das hat er.

Viele kommen also nur zum Reden auf ein Erotikportal?

Ja, einige kommen nur, um mit mir zu quatschen. Wir unterhalten uns dann über Gott und die Welt und natürlich reden wir auch über Probleme. Da möchte ich allerdings nicht so ins Detail gehen, weil es ziemlich intime Gespräche sind. Man ist einfach gegenseitig füreinander da. Ich finde das einfach schön. Es ist mehr als Ausziehen.

Wie viel machen Filme und Webcam anteilig aus?

Es hält sich in etwa die Waage.

Wie entstehen die Ideen zu Ihren  Filmen?

Meist überlege ich, was ich mal machen kann. Manche Sachen ergeben sich aus der Situation – vor allem, wenn man im Sommer draußen ist. Dann fange ich einfach an und es wird gedreht.

Wie viel Zeit investieren Sie in einen Film?

Der reine Dreh dauert meistens zehn Minuten. Wie viel Zeit ich insgesamt benötige, kommt ganz drauf an, ob ich zum Beispiel spontan draußen drehe oder mir ein besonderes Rollenspiel überlege. Mit Schnitt, Titel überlegen und Hochladen kann es schon mal ein, zwei Stunden dauern.

Spielen DVDs oder Videotheken eine Rolle?

Nein. Das ist alles Onlinevertrieb.

Sie müssen sich komplett selbst vermarkten, oder?

Als Amateur bin ich mein eigener Chef. Ich suche mir aus, mit wem ich wo und wann Sex habe. Ich muss nicht mit fremden Darstellern an einem Set mit Leuten drehen, die ich nicht kenne und mit denen ich keinen Sex haben will. Es fühlt sich nicht an wie Pornos drehen, sondern wie Spaß haben. Ich kann selbst entscheiden.

Wie viel verdienen Sie mit den Filmen?

Über Geld redet man nicht.

Dann anders: Würden Sie als Bankkauffrau mehr verdienen?

Ich kann davon leben und habe es geschafft, mir Geld für ein mögliches Studium zurückzulegen. Es kommt aber generell darauf an, wie erfolgreich man ist.

Achten Sie bei den Filmen auf die Wünsche der Fans?

Ich habe immer gemacht, was ich möchte. Das kam gut an. Die Geschmäcker sind da nicht weit auseinander. Wer einen Outdoor-Film von mir guckt, schaut auch einen Anal-Porno von mir an. Ich mache, was mir Spaß macht und ich auch privat machen würde.

Wie unterscheidet sich Sex vor der Kamera von privatem Sex?

Der Sex an sich ist kaum anders. Insbesondere spontane Outdoor-Videos ähneln normalem Sex sehr. Spezielle Rollenspiele werden natürlich vorher besprochen und beim Dreh versetze ich mich dann in meine Rolle. Da achtet man natürlich schon auf die eine oder andere Kleinigkeit. Es kommt aber auch oft vor, dass ich die Kamera komplett vergesse.

Einige Darstellerinnen bieten sich auch gegen Bezahlung an. Gibt es für Sie  eine Grenze zur Prostitution?

Ich habe mich durchaus schon mit Fans getroffen, aber ganz privat. Sex gegen Geld würde ich nicht machen.

Wie lange wollen Sie noch Pornofilme drehen?

Das weiß ich nicht. Ich will gern noch studieren oder etwas anderes machen. Durch meinen Job habe ich mir Netzwerke aufgebaut und viele Dinge wie Social Media kennengelernt, die mich interessieren. Auf jeden Fall werde ich weiterdrehen, solange es mein Leben zulässt.

Wenn Sie ein Mädchen, sagen wir 18, 19 Jahre alt, fragen würde, ob sie Pornos drehen soll, was würden Sie  ihr raten?

Es kommt auf die Ausgangssituation an, die sie hat. Ich hatte eine Banklehre als Grundlage. Ich glaube, ich würde sagen: Mädel, mach erst einmal eine Ausbildung. Dann wäre eine Grundlage da. Vielleicht kann sie ja nebenher schon anfangen. Bei meiner Stiefschwester waren es die doofen Arbeitszeiten, die sie nervten. Dann ist die Frage, wie offen oder verklemmt ein Mensch wirklich ist. Es bringt nichts, nur eine Rolle zu spielen. Ich denke, es hilft, wenn man mal in einem Unternehmen richtig gearbeitet hat.

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erstellt am 11.Mär.2017 | 06:00 Uhr

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