zur Navigation springen

Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 08:51 Uhr

Geregelte Verfahren für alle : In Wedel meldeten sich gestern nicht-registrierte Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) habe im vergangenen Jahr, als monatlich bis zu 60.000 Asylbewerber nach Deutschland kamen, nicht all diese Menschen registrieren können.

Wedel | Es musste schnell gehen: Vor einer Woche habe sich das Landesamt für Ausländerangelegenheiten an die Diakonie-Mitarbeiter gewandt, wie Manuela Treff vom Diakonieverein Wedel erzählt. Um die Registrierung der Flüchtlinge im Kreis Pinneberg abzuschließen, solle eine Terminvergabe für das Ankunftzentrum in Glückstadt organisiert werden. Am besten am folgenden Montag. Man bräuchte nur noch einen Raum. Und nach Möglichkeit auch Kontakt zu den Flüchtlingen. „Wir haben es dann geschafft, den Termin auf Donnerstag zu verlegen und über unser Netzwerk im Kreis auch viele Flüchtlinge erreicht.“ Für den Raum sorgte ebenso schnell und unbürokratisch die Stadt Wedel: zwei Räume im Rathaus wurden gestern Vormittag geöffnet und dienten als improvisierte Außenstelle für Glückstadt.

Den Hintergrund dieser Maßnahme erläuterte ein Behördenmitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden möchte, so: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) habe im vergangenen Jahr, als monatlich bis zu 60.000 Asylbewerber nach Deutschland kamen, nicht all diese Menschen registrieren können. Auf einen derartigen Flüchtlingszustrom waren die Ämter und Behörden allein personell nicht vorbereitet. Viele Flüchtlinge würden somit immer noch in kommunalen Unterkünften leben, ohne bisher ihren Asylantrag gestellt zu haben.

Genaue Zahlen hierzu gibt es nicht, wie der Kreis Pinneberg auf Nachfrage mitteilte. Nach Informationen dieser Zeitung liegt für den Kreis die Zahl der Flüchtlinge, die ihren Asylantrag noch nicht gestellt haben, geschätzt im mittleren dreistelligen Bereich. Die Bild-Zeitung hatte Anfang April von 500.000 Nicht-Registrierten bundesweit geschrieben. Das Bundesinnenministerium dementierte dieses, jedoch ohne andere Zahlen zu nennen. Es gibt wohl auch keine klaren Statistiken, weil nicht-registrierte Flüchtlinge nun einmal nicht registriert sind.

Um diesen Zustand zu beenden wurden Ankunftzentren eingerichtet: In Schleswig-Holstein Mitte Mai 2016 in Neumünster und vor wenigen Wochen ein zweites in Glückstadt. Hier will das BAMF nach Möglichkeit das gesamte Asylverfahren erledigen: von der ärztlichen Untersuchung, über die Aufnahme der persönlichen Daten und der Identitätsprüfung bis hin zur Entscheidung über den Asylantrag. Das BAMF habe – so der Behördenmitarbeiter weiter – gegenüber 2015 personell aufgestockt und es gelte nun die Devise, alle nicht-registrierten Flüchtlinge in ein geregeltes Verfahren zu bringen.

Seit zehn Monaten in Barmstedt

Norya Alrhayef aus dem Irak ist eine dieser Asylbewerberinnen. Sie erzählt, sie sei seit zehn Monaten in Deutschland. Derzeit lebt sie in Wedel. Ein weiterer Flüchtling steht ihr als Übersetzer zur Seite. Als Begründung, warum sie bisher unregistriert ist, sagt sie, sie habe bisher einfach keinen Termin bekommen.

Gestern im Wedeler Rathaus ging dann alles sehr schnell: Die 53-Jährige erhielt einen Termin im Ankunftzentrum Glückstadt für die kommende Woche. Freudestrahlend verließ die Rollstuhlfahrerin mit ihrer Terminbestätigung den umfunktionierten Sitzungssaal. Und kurze Zeit später hatte Manuela Treff schon ein Taxi organisiert, damit die gehbehinderte Frau auch sicher und pünktlich nach Glückstadt kommt.

Vom losen Nothilfe-Bündnis zum festen Netzwerk: Die vielen oft spontan unter dem Eindruck der Flüchtlingskrise entstandenen ehrenamtlichen Hilfsinitiativen in Deutschland organisieren sich immer besser. Die Freiwilligen seien zudem stärker mit Verbänden und Verwaltung verbunden, lautet ein Ergebnis einer gestern vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung. Damit das Engagement weiterhin stark bleibe, sollten die Kommunen die Freiwilligen jedoch mehr unterstützen. So brauchten die Helfer Entlastung durch hauptamtliche Ansprechpartner in Städten und Gemeinden, um sich auf die Integration konzentrieren zu können, hieß es gestern bei der Präsentation der Studie. Eine Vielzahl der Hilfsangebote war in der zweiten Jahreshälfte 2015 entstanden oder hatte neuen Zulauf bekommen, als die Zahl der Flüchtlinge massiv gestiegen war. Die Aktiven berichteten, dass Ehrenamtliche auch viele Aufgaben stemmten, die normalerweise der Staat leisten müsse, wie zum Beispiel bei der Versorgung mit Lebensmitteln, Kleidern und Wohnraum. Zunehmend oft übernähmen die Freiwilligen auch eine unverzichtbare Lotsenfunktion, indem sie zwischen Ämtern und Flüchtlingen vermitteln oder den Neuankömmlingen bei Behördengängen zur Seite stehen und Zugänge zu den Angeboten öffnen.
Karte
zur Startseite

von
erstellt am 05.Aug.2016 | 14:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert