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Pinneberger Tageblatt

27. September 2016 | 15:51 Uhr

Im Einsatz für mehr Sicherheit

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

VerkehrshelferLandeswettbewerb der Schülerlotsen am Weizsäcker-Gymnasium / Barmstedter Schülerin zum Bundesentscheid

Zehn Schüler stehen auf dem Parkplatz an der Barmstedter Schlossinsel. Direkt am Grünstreifen. Sie haben sich in Sicherheit gebracht und blicken gespannt in dieselbe Richtung. Plötzlich biegt dort ein Linienbus um die Ecke. Als er die Gerade erreicht hat, beschleunigt der Fahrer auf 40 Stundenkilometer und tritt in Höhe der Schülergruppe hart auf die Bremse. Es riecht nach verbranntem Gummi. 7,25 Meter braucht der Bus, bis er zum Stehen kommt. Die meisten Schüler haben einen deutlich geringeren Bremsweg geschätzt.

Gestern fand in Barmstedt am und um das Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasium der schleswig-holsteinische Landesentscheid der Schülerlotsen statt. Bremswege und Geschwindigkeiten schätzen, theoretischer Teil, praktischer Teil: Die elf Teilnehmer aus vier Schulen zeigten, warum sie für den verantwortungsvollen Job als Schülerlotsen geeignet sind.

Victor Baroy ist einer der Schülerlotsen vom Weizsäcker-Gymnasium. Er ist 15 Jahre alt. Ähnlich lang ist es her, dass sich vor seiner heutigen Schule ein folgenschwerer Unfall ereignete, wie Lehrer Andreas Witt erzählt. Ein Autofahrer hatte bei tiefstehender Sonne am Morgen an der Ampel sowohl das Rotlicht als auch einen Schüler übersehen. Der Schüler starb. „Damals hat man sich dazu entschieden, die Ampel sozusagen doppelt abzusichern.“ Es war der Start des Schülerlotsenprojekts.

An etwa 150 Schulen in Schleswig-Holstein sichern Schülerlosten vor und nach dem Unterricht die Straßen: Das Barmstedter Gymnasium ist dabei die einzige im Kreis Pinneberg. Elisabeth Pier von der Landesverkehrswacht Schleswig-Holstein, die auch den Wettbewerb betreut, sagte, dass der Einsatz von Schülerlotsen nicht unbedingt davon abhänge, wie ländlich die Schule gelegen sei: „Es liegt meist daran, ob in der jeweiligen Region die Polizei oder Lehrer in diesem Punkt aktiv sind.“

In Barmstedt können sich die Schüler der achten Klassen freiwillig für den Lotsen-Dienst melden. Nach einer Schulung durch die Polizei dürfen sie sich die leuchten-gelbe Weste überziehen und mit der Kelle in der Hand den Weg sichern. Für Victor Baroy war die Entscheidung eine Ehrensache, obwohl der Schultag für ihn damit etwa einmal die Woche – die Achtklässler wechseln sich ab – eine halbe Stunde eher beginnt: „Ich finde es einerseits wichtig, dass die jüngeren Schüler lernen, wie sie gut über die Straße kommen. Es ist aber auch wichtig, dass sie einfach mehr Sicherheit bekommen.“ Ina Nitzsche ist schon seit einem Jahr im Einsatz. Am Anfang habe sie sich durchaus Gedanken über die Verantwortung gemacht: „Klar denkt man nach und fragt sich: ,Was ist, wenn etwas passiert, während ich gerade Schülerlotse bin?’“ Aber je häufiger sie mit der Kelle auf die Straße ging, umso sicherer wurde sie: „Und außerdem hat man uns bei der Ausbildung immer wieder gesagt: ,Ihr seid nicht schuld, wenn etwas passiert!’“

Den Umgang mit Verantwortung zu lernen, sei ein ganz wichtiger Teil der Schülerlotsen-Arbeit, wie Elisabeth Pier von der Landesverkehrswacht erzählt. Und es könne auch bei der Suche nach einer Lehrstelle helfen: „Denn die Arbeit als Schülerlotse wird im Zeugnis vermerkt. Und viele Arbeitgeber wissen das zu schätzen.“

Seit 1982 findet jährlich der Schülerlotsen-Wettbewerb auf Stadt-, Kreis- und Landesebene statt, in dem die besten Schülerlotsen ermittelt werden. Gestern gewonnen hat Celine Clara vom ausrichtenden Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasium. Die Barmstedterin darf nun beim Bundeswettbewerb der Schülerlotsen Schleswig-Holstein vertreten: Am Wochenende 23. und 24. September in Fulda.

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erstellt am 16.Sep.2016 | 16:00 Uhr

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