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Pinneberger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 12:59 Uhr

„Ich habe Liebesbriefe bekommen“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

InterviewMuseumsleiterin Ina Duggen-Below will in einer Ausstellung die Geschichte eines Paares aus dem 19. Jahrhundert erzählen

Zu ihrer Arbeit gehört auch, in die Beziehung zweier Verliebter aus dem 19. Jahrhundert einzutauchen, um mehr über Pinneberg zwischen 1845 bis 1849 zu erfahren. Ina Duggen-Below ist Bewahrerin des kollektiven Gedächtnisses der Stadt – und kämpft dabei besonders um die Aufmerksamkeit junger Erwachsener. Warum es sich lohnt, das Pinneberg Museum zu besuchen und wie sie an die Werke von zwei Künstlern aus Peking gekommen ist, erklärt sie im Interview.

Was steht aktuell im Museum an?
Wir zeigen noch bis morgen „Opposites Attract – Traditionelle und Moderne Chinesische Malerei“. Die Sonderausstellung von zwei Künstlern aus Peking ist ein Beitrag zu „China Time 2016“. Der Künstler befasst sich mit moderner, zeitgenössischer Ölmalerei. Die Künstlerin arbeitet in der traditionellen chinesischen Art und Weise und beschäftigt sich mit Mythologie und Buddhismus in China.

Wie ist es gelungen, eine solche Ausstellung nach Pinneberg zu holen?
Aufgrund meines persönlichen Interesses habe ich in Hamburg an der Kick-Off-Veranstaltung der „China Time“ teilgenommen. Da gibt es immer eine Vorstellungsrunde von potentiell interessierten Veranstaltern. Die Geschäftsführerin der Sprachschule Linghan, Ling Zhao aus Hamburg, erklärte dort, dass sie Kontakte zu Künstlern aus China hat, die ihre Werke gern ausstellen würden. Es fehlten allerdings die passenden Räume. Die hatten wir. So haben wir uns zusammengetan. Dass wir eine solche Ausstellung in Pinneberg anbieten können, ist etwas ganz Besonderes.
Was fasziniert Sie an der chinesischen Kultur?
Nach meiner ersten China-Rundreise war ich von der chinesischen Kultur infiziert. Gerade in Städten wie Beijing und Shanghai explodiert die Entwicklung geradezu. Wenn man dort zwei Jahre nicht mehr war, erkennt man die Städte fast nicht mehr wieder. Auf der anderen Seite gibt es auch die traditionellen Einflüsse, die an die lange Geschichte Chinas erinnern. Dieser Faszination kann ich mich nicht entziehen.

Welche Bedeutung hat das Museum für die Stadt?
Das Museum bewahrt das kollektive Gedächtnis der Stadt. Es ist ein Identifikationsfaktor und die einzige Einrichtung, die sich mit der Stadtgeschichte beschäftigt. Wir können zeigen, was Pinneberg alles zu bieten und was es für eine bewegte Geschichte hat. Eine unserer Hauptaufgaben ist auch, dass wir unsere Sammlungen sinnvoll ergänzen und für nachfolgende Generationen damit die Geschichte der Kreisstadt dokumentieren.

Wie gelingt es, die Sammlungen regelmäßig zu ergänzen?
Die Objekte für die Sammlungen spenden häufig Pinneberger Bürger. Wir erhalten viele Schenkungen. Außerdem kauft die Fielmann AG seit mittlerweile 15 Jahren gezielt Objekte für unseren Bestand an. Wer meint, dass er etwas hat, was für das Museum eine Bereicherung ist, kann gern zu uns kommen. Manchmal haben wir allerdings zu wenig Platz, um die Schenkung anzunehmen. Wir müssen sicherstellen, dass die Stücke konservatorisch vernünftig aufbewahrt werden können. Wir wollen sie schließlich für die „Ewigkeit“ erhalten.
Welche Pläne haben Sie für das kommende Jahr?
Es sind zwei große Ausstellungen geplant. Eine beschäftigt sich mit den ältesten Fotografien aus Pinneberg. Die stammen von Theodor Schlüter, der erste und wichtigste Fotograf im Ort. Zu sehen sind viele Bilder aus dem 19. Jahrhundert, sowohl Porträts als auch Kabinettfotos. Dazu kommt eine Ausstellung, die sich mit Pinneberg in der Zeit von 1845 bis 1849 auseinandersetzt. Ich habe dafür eine kleine Sammlung von Liebesbriefen aus genau diesem Zeitraum für die Sammlung bekommen. Die wurden von einem Friedrich an eine Wilhelmine geschrieben. In den Briefen taucht auch Pinneberg auf. Meine Idee ist, anhand dieser Briefe eine Geschichte zu erzählen. Wo ging Wilhelmine zur Schule? Was für ein Leben hat sie geführt? Wo wohnte sie? Wie sah Pinneberg damals aus? Mit solchen Fragen beschäftige ich mich, um zu zeigen, wie das Leben in Pinneberg damals war. Dabei unterstützt mich Peter Russ, der in der Rolle des Pinneberger Stadt-Originals Otto Klafack regelmäßig Stadtrundgänge anbietet.

Nach welchen Kriterien werden die Ausstellungen ausgewählt?
Ganz spezifische Pinneberg-Themen sind unverzichtbar. Dadurch will ich den Menschen Aspekte näherbringen, die in Pinneberg noch nie gezeigt wurden. Außerdem versuche ich, in unterschiedlichen Kooperationen zu arbeiten. So wurde auch die aktuelle Sonderausstellung ermöglicht. Demnächst folgt eine Zusammenarbeit mit der Muthesius Kunsthochschule in Kiel, deren Studenten sich mit unseren Sammlungen beschäftigen. Ich finde es wichtig, sich mit anderen Institutionen zu vernetzen, um so auch mit jungen Leuten im Museum zu arbeiten. Die ziehen ein jüngeres Publikum an.

Mit was für Problemen hat das Museum zu kämpfen?
Wie fast alle Museen haben wir zu wenig Platz und müssen mit wenig Geld auskommen. Dazu kommt, dass die jungen Besucher fehlen. Kindergärten und Schulen sind zwar häufig vor Ort. Junge Erwachsene sind aber nur schwer zu erreichen.

Fehlt das Interesse an Geschichte und kulturellen Veranstaltungen?
Das Interesse ist durchaus da, beschränkt sich aber leider meistens nur auf absolute Highlights wie die Eröffnung der Elbphilharmonie. Dabei passiert im Kleineren so viel, was viel mehr Aufmerksamkeit verdient, im Hype um wenige Höhepunkte aber leider untergeht. Man muss nicht immer nach Hamburg reisen, um etwas geboten zu kommen. Wir haben so viele sehenswerte Museen im Kreis Pinneberg.

Was macht den Reiz des Pinneberg Museums aus?
Die Vielfalt. Die ist allein schon durch unsere Sammlungen sichergestellt. Die Thiersch-Gemäldesammlung, die Geschichte des ILO-Motorenwerks, die Sammlung von Johannes Görbing – das ist für ein so kleines Haus schon eine enorme Auswahl.

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