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Pinneberger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 15:22 Uhr

Den „Abschied vom Islam“ verfilmt : Holmerin dreht Fernsehreportage über Konvertiten

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Fernsehreportage Holmerin Claudia Drexel begleitet Konvertiten auf ihrem Weg ins Christentum / Wandel in Kirchengemeinden

„70 Menschen, die in einem Hamburger Schwimmbad getauft werden – das musste ich mir einfach ansehen“, sagt Claudia Drexel. Für die Tagesthemen berichtete die Fernsehjournalistin aus Holm über die Massentaufe, die im Februar in der persischsprachigen Pfingstgemeinde Alpha und Omega stattgefunden hatte. Der Beitrag wurde allein bei Facebook mehr als 1,6 Millionen Mal aufgerufen und 10  000 Mal geteilt. „Die große Resonanz führte zur Idee, eine längere Reportage über den Glaubenswechsel von Flüchtlingen zu machen“, sagt Drexel. „Zumal die nächste Taufe dieser Gemeinde im Stadtparksee stattfinden würde – beeindruckende Bilder waren also sicher.“ Dort ließen sich 80 Flüchtlinge taufen. Zwölf Tage dauerten die Dreharbeiten für die 30-minütige Reportage „Abschied vom Islam – Wenn Flüchtlinge Christen werden“, die am Sonntag, 31. Juli, um 16.30 Uhr bei „Gott und die Welt“ in der ARD ausgestrahlt wird.

In der Reportage begleitet Drexel Flüchtlinge, die in Deutschland den Schritt zum Christentum wagten. Sie spricht mit Kirchenvertretern, mit Gemeindemitgliedern und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Der Film stellt auch die Frage nach der Motivation, sich vom Islam abzuwenden: Meinen es die Flüchtlinge ernst mit dem neuen Glauben oder konvertieren sie auch asyltaktischen Gründen? Die Menschen, mit denen Drexel sprach, stammen aus Afghanistan und dem Iran. So begleitete sie etwa den Iraner Parsa zu einem Gerichtstermin. Er hatte sich taufen lassen, nachdem sein Asylantrag bereits zweimal abgelehnt worden war. „Meiner Einschätzung nach erhöht sich die Chance auf Asyl durch den Glaubenswechsel, aber die Taufe ist keine Garantie für ein Bleiberecht“, sagt Drexel. Vielen Flüchtlingen sei dabei bewusst, dass der Schritt zum Christentum eine Rückkehr in die Heimat unmöglich mache, wo sie wegen ihres Glaubens möglicherweise verfolgt werden. „Flüchtlinge gehen mit der Taufe also ein erhebliches Risiko ein“, meint Drexel. Die meisten Täuflinge sind jedoch fest entschlossen.

Drexel thematisiert am Rande auch die Situation in den Flüchtlingsunterkünften. Eine Gesprächspartnerin berichtet, dass sie dort nicht offen in der Bibel lesen könne, da es sonst Konflikte mit den Mitbewohnern gebe. Der Islam hingegen werde offen gelebt. „Ginge es nach den Behörden, dann sollte Religion eigentlich kein Thema in den Unterkünften sein. Aber die Menschen bringen ihre Religion ja mit, viele sind stark religiös geprägt, das Thema lässt sich also nicht einfach so raushalten“, sagt Drexel.

Auch für die Kirchen bedeutet der unerwartete Zustrom eine große Herausforderung. „Die Kirchen durchleben gerade das, was auch die Gesellschaft durchlebt“, sagt Drexel. Flüchtlingen zu helfen war für viele Kirchengemeinden bisher selbstverständlich – mit Sachspenden, Sprachkursen, sozialen Angeboten. Diese Hilfe erfolgte fast immer losgelöst von der Religionszugehörigkeit. „Ich habe nie gehört, dass ein Flüchtling Christ werden muss, damit ihm geholfen wird“, sagt Drexel.

Wenn Flüchtlinge dann aber Interesse am Christentum entwickeln, sich sogar taufen lassen wollen, verändert das die Gemeinden. Dazu seien noch nicht alle Gemeinden bereit. „Einige Pastoren haben mir berichtet, dass die Flüchtlinge eine andere Frömmigkeit mitbringen als deutsche Gemeindemitglieder“, so Drexel. „Die Freikirchen sind da deutlich offener als die Amtskirchen.“ Doch auch in der Nordkirche bieten mittlerweile einige Gemeinden mehrmonatige Glaubenskurse an.

In ihrem Film „Abschied vom Islam – wenn Flüchtlinge Christen werden“ zeigt die Holmerin Drexel viele Konsequenzen, die der Glaubenswechsel eines Flüchtlings mit sich bringt: für den Getauften, die Gemeinden, die Gesellschaft. Einige Fragen lässt der Film bewusst unbeantwortet. „Die Reportage versteht sich als Beitrag zur Debatte ohne zu werten“, sagt Drexel. „Die Zuschauer sollen sich ihr eigenes Bild machen.“

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