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Pinneberger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 05:27 Uhr

„Sich selbst nicht zu wichtig nehmen“ : Heute wird Marc Trampe vereidigt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der neue Bürgermeister von Rellingen spricht im Tageblatt-Interview über Härte im Amt, neues Kaffeegeschirr im Büro, Dauerdruck, Fitness, dem HSV und Donald Trump.

Rellingen | Marc Trampe wurde am 29. Mai zum neuen hauptamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Rellingen gewählt. Landrat Oliver Stolz gibt grünes Licht für die sechsjährige Amtszeit vom 1. Oktober bis 30. Oktober 2022. Heute wird der 35-Jährige während der Sondersitzung des Gemeinderats ab 19 Uhr seinen Amtseid leisten. Danach wird seine Vorgängerin Anja Radtke verabschiedet. shz.de sprach mit dem neuen Verwaltungschef über Härte im Amt, neues Kaffeegeschirr im Büro, Dauerdruck, Fitness, dem HSV und Donald Trump.

Herr Trampe, wann ist Ihr letzter Arbeitstag in Pinneberg? Und was ist für den Tag geplant?
Marc Trampe: Mein letzter Arbeitstag bei der Stadt Pinneberg war Anfang September. Ich habe mich mit einem Frühstück von meiner Chefin und meinen Team verabschiedet. Danach war ich mit meiner Familie eine Woche im Urlaub. In den vergangenen Tagen ist die Termindichte für das neue Amt wieder gestiegen. So soll es auch sein.

Ihre Wahl zum Bürgermeister von Rellingen war am Sonntag, 29. Mai. Bis zur Vereidigung sind vier Monate vergangen. Wie bereiten Sie sich auf das verantwortungsvolle Amt vor?
Es bleibt sicherlich ein Sprung ins kalte Wasser, durch eine gute Vorbereitung versuche ich aber die Wassertemperatur zu erhöhen. Mir kommt sicherlich zugute, dass ich in Rellingen aufgewachsen bin und den Ort gut kenne. Inhaltlich habe ich durch Gespräche und die politischen Sitzungen einen groben Überblick über die Themen. Die Vorlagen waren in den vergangenen Wochen meine Leselektüre und füllen zu Hause ganze Ordner. Außerdem werden mich die neuen Kolleginnen und Kollegen schnell zu den anstehenden Themen briefen.
Ich bin seit über 18 Jahren in verschiedenen Bereichen in der Verwaltung tätig. Seit rund acht Jahren arbeite ich direkt der Verwaltungsspitze zu. Ich habe also einen ganz guten Einblick, wie der Alltag als Bürgermeister aussieht und werde dort schnell meine eigenen Erfahrungen sammeln.

Vom Büroleiter Pinneberg zum Verwaltungschef von Rellingen: Was sind die einschneidenden Unterschiede?
In meinen vorherigen Funktionen habe ich der Verwaltungsleitung zugearbeitet, als Bürgermeister steht man selbst in vorderster Reihe. Auf diese Verantwortung freue ich mich. Die Rahmenbedingungen sind gut. Die Politik arbeitet sehr sachorientiert und die Verwaltung ist gut und professionell aufgestellt. Die beiden Orte lassen sich aber aufgrund ihrer Größe und Struktur nicht direkt miteinander vergleichen. Wichtig ist, dass wir mit Pinneberg und den anderen Nachbarkommunen eine gute Zusammenarbeit pflegen. Da bin ich optimistisch.

Wie sieht die Einarbeitung aus? Gibt es eine Übergabe durch Ihre Vorgängerin? Steht Ihnen Büroleiter Uwe Goldt zur Seite?
Ich bin seit der Wahl im intensiven Kontakt mit meiner Vorgängerin. Wir haben uns mehrfach zu inhaltlichen Themen ausgetauscht und Termine gemeinsam besucht. Für diese offene und konstruktive Übergabe danke ich Anja Radtke sehr. Auch mit Herrn Goldt und meiner künftigen Assistentin stehe ich im regelmäßigen Austausch. Auch da erhalte ich eine tolle Unterstützung.

Seit Monaten sieht man Sie in den Fachausschüssen sowie im Gemeinderat in der zweiten Reihe. Wann beginnt für Sie das „Aktenfressen“? Tatsächlich erst am Dienstag, 4. Oktober, Ihrem ersten Arbeitstag? Oder haben Sie bereits Akteneinsicht und lassen sich über Vorgänge informieren?
Meine Akteneinsicht beschränkt sich bisher auf die öffentlich zugänglichen Sitzungsvorlagen. Mehr ist aus Datenschutzgründen derzeit nicht machbar. Durch regelmäßige Besuche in den Fachausschüssen und der Gemeindevertretung habe ich einen groben Überblick über laufende und anstehende Themen. Über die Einzelheiten und Details lasse ich mich dann zügig nach dem Amtseintritt informieren. Am 1. Oktober werde ich dann erstmals als Bürgermeister im Rathaus sein und den Sonnabend nutzen, um mich in die ersten Themen einzuarbeiten. Am Sonntag stehen dann die ersten repräsentativen Termine an.

Welche Tugenden muss ein Bürgermeister, müssen Sie für die verantwortungsvolle Aufgabe mitbringen?
Eine Grundvoraussetzung ist Respekt und Demut vor dem Amt. Man darf sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Glaubwürdigkeit, Bürgernähe, Führungsfähigkeit und Ortsverbundenheit sind aus meiner Sicht wichtige Eigenschaften für einen Bürgermeister. Auch hat Verwaltungskompetenz noch keinem Bürgermeister geschadet, da man in erster Linie Verwaltungsleiter ist. Und natürlich ist eine hohe Einsatzbereitschaft unerlässlich, da man das Amt nicht abends an der Rathaustür abgibt, sondern Tag und Nacht Bürgermeister ist.

Ein Rellinger für Rellingen: Mit vielen aus der Politik sind Sie beim vertrauten Du. Inwieweit kann eine solche Nähe hinderlich, gar gefährlich werden?
Das sollte man nicht überschätzen. Wenn man sich länger kennt, geht man schon mal zum Du über. Das hat aber nichts mit gefährlicher Nähe zu tun. Vielmehr ist ein vertrauensvolles Miteinander zwischen Politik und Verwaltung unerlässlich, um eine Gemeinde positiv zu entwickeln.

Als Bürgermeister sind Sie Lenker der Verwaltung, müssen Diplomatie aufbringen, vermitteln können. Auch Härte zeigen?
Natürlich ist es schön, wenn Entscheidungen im Konsens getroffen werden. Dies wird nicht immer der Fall sein, da gebe ich als Verwaltungsleiter dann die Richtung vor. Und natürlich werde ich mich überall, wo es um die Interessen Rellingens geht, einsetzen und auch Härte zeigen.

Erster Arbeitstag: Blumen auf dem Schreibtisch, Händeschütteln? Wie sieht der erste, wie sehen die ersten Tage an der Hauptstraße aus?
Ich möchte möglichst schnell an die Arbeit kommen und mich bei den Kolleginnen und Kollegen vorstellen. Am Dienstag werde ich mich zunächst mit den Fachbereichsleitern und den Kollegen austauschen, die mir direkt zugeordnet sind. Abends werde ich die Fraktionsvorsitzenden zu einem Gespräch einladen. Am Mittwoch wird es eine kurze Personalversammlung geben, bei der ich mich vorstellen werden. In den folgenden Tagen wird es dann viele inhaltliche Gespräche zu verschiedenen Themen geben. Außerdem möchte ich zeitnah meinen erste Bürgersprechstunde anbieten.

Neuer Chef im alten Büro: Gibt es einen Farbanstrich und Möbel nach Ihrem Geschmack?
(lacht) Das Kaffeegeschirr könnte mal ausgetauscht werden. Im Ernst: Da meine Amtsvorgängerin einen guten Geschmack bewiesen hat, plane ich da aktuell keine Änderungen, außer ein paar eigene Bilder und Pflanzen. Ich habe von einem Rellinger Bürger ein Holzschnitt der Kirche geschenkt bekommen. Dieser wird einen Platz im Rathaus finden.

Kontinuierliche Konferenzen der Amtsleiter, den Teamgeist pflegen, repräsentieren: Was übernehmen Sie von Ihrer Vorgängerin? Was wollen Sie neu einbringen?
Das Rathaus ist so gut aufgestellt, dass ich zum Amtsantritt sicherlich nicht alles anders machen werden, nur um für Veränderungen zu sorgen. Ich werde die ersten Wochen nutzen, um die Abläufe und Prozesse kennen zu lernen und zu hinterfragen. In vielen Gesprächen mit den Kollegen möchte ich gemeinsam die Handlungsbedarfe identifizieren und mit meinen Vorstellungen abgleichen. Mir ist wichtig, die Kollegen zu beteiligen, ihre Sicht zu hören und dann Entscheidungen zu treffen. Erfolgreiche Unternehmen bleiben nur erfolgreich, wenn sie sich den Bedürfnissen der Kunden anpassen. Das gilt auch für Verwaltungen.
Bei den repräsentativen Terminen werde ich mich eng mit dem Bürgervorsteher und meinen Stellvertretern abstimmen. Ich werde aber eine hohe Präsenz haben. Es ist mir auch ganz wichtig, dass die Bürger mit ihren Anliegen zu Wort kommen. Darum werde ich auch die offenen Bürgersprechstunden fortführen. Ich werde mir alles anhören und abwägen, ob wir etwas machen können oder nicht. Und jeder Bürger erhält auch direkt einen Termin bei mir.

Sieben Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr – ein Bürgermeister, verantwortlich für die Gemeinde, ist immer erreichbar. Was rufen Sie ab, um dem Dauerdruck standhalten zu können?
Das Amt bringt eine große Öffentlichkeit mit sich, das ist mir und meiner Familie bewusst. Im Alltag werde ich weiterhin versuchen, mit Sport ein gewissen körperlichen Ausgleich zu finden. Ich übe jetzt bereits, früh morgens laufen zu gehen. Noch ist der Schweinehund aber sehr stark. Da arbeite ich dran (lacht).

Beenden Sie bitte folgende Halbsätze: Den HSV spielen sehen,...
...heißt für mich, meine Leidensfähigkeit immer wieder neu unter Beweis zu stellen. Aber Fan bleibt Fan.

Wenn ich mit meinem Sohn zusammen bin, ...
... bewundere ich die Neugierde und den unverstellten Blick auf die Welt, den kleine Kinder haben.

Denke ich an Rellingen, ...
...habe ich viele Kindheitserinnerung und bin ich stolz, in der schönsten Gemeinde im Kreis in ein paar Tagen Bürgermeister zu sein.

Wird Donald Trump US-Präsident, ...
...dann wird dies die weltpolitische Lage sicherlich nicht beruhigen. Aber warten wir mal die Wahl ab.

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erstellt am 27.Sep.2016 | 12:15 Uhr

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