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Pinneberger Tageblatt

01. Oktober 2016 | 20:53 Uhr

„Mensch des Jahres 2014“ : Heute nominiert: Willy Matzen, die gute Seele im Krähenhorst

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Willy Matzen und seine Frau Else kümmern sich seit 15 Jahren um den Kräla-Treff in Schenefeld.

Schenefeld | Es klingelt an der Tür vom Kräla-Treff im Schenefelder Wohnquartier Krähenhorst. Am frühen Nachmittag trudeln nach und nach die Kinder ein, setzen sich an den Maltisch oder lassen sich auf den bequemen Polster der Sitze in der anderen Ecke des Raumes nieder. Willy Matzen grinst. „Der Trubel hält mich jung“, sagt er. Gemeinsam mit Ehefrau Else bietet er seit 15 Jahren einen Treffpunkt für die Kinder in dem früher als Ghetto geschmähten Viertel an. Deswegen ist er Kandidat für die Wahl zum „Mensch des Jahres“.

Die Matzens sind vor 20 Jahren in die Wohnanlage gezogen. Dort wurden 1994 insgesamt 150 Einheiten gebaut, 99 davon als Sozialwohnungen. Damals seien Leute eingezogen, die „schwierig“ waren, sagt Matzen diplomatisch. Drogenabhängige waren darunter. „Ich habe Spritzen im Sandkasten gefunden“, erinnert sich Matzen. Das Unternehmen, welches die Wohnungen im Krähenhorst vermietete, hatte keinen Draht zu den Menschen. „Deswegen haben sie mich gefragt, ob ich dort Hausmeister werden will“, sagt Matzen. „Mein Mann kann gut auf Menschen zugehen, quatscht jeden an, findet leicht Kontakt“, sagt seine Frau Else und lacht. Und so wurde Willy zur Institution. Jeder kannte ihn. Jeder bat um Hilfe – etwa wenn der Wasserhahn mal tropfte.

Um die „schweren Fälle“ sollte sich eine Sozialarbeiterin kümmern. Deswegen stellte die Stadt Schenefeld vor 15 Jahren eine Wohnung im Erdgeschoss als Anlaufstelle zur Verfügung. „Aber die Sozialarbeiterin kam hier nicht gut an“, sagt Matzen. „Die hat sich zu sehr in die Familienangelegenheiten eingemischt.“ Nach kurzer Zeit wurde sie wieder abgezogen. Statt dessen richteten Else und Willy Matzen den Kräla-Treff für die Kinder ein.

Die Kinder sind es, die die Erwachsenen zusammenführen

„Kräla“ ist eine Wortschöpfung der Kinder, denen Krähenhorst zu lang und zu kompliziert gewesen ist. Die Kinder sind es auch, die die Erwachsenen zusammenführen. „Hier hat sich eine tolle Nachbarschaft entwickelt“, sagt Matzen. Viel Geld hat er für die Aktionen nicht. „Ein paar Euro kommen mal durch Essens- und Getränkeverkauf zusammen.“ Das wird dann für die Getränke der Kinder ausgegeben. Aber es gebe viele Institutionen, die mit Spenden helfen. „Ein Bäcker hat uns mal mit 150 Brötchen geholfen. Jetzt suchen wir noch einen Wurst-Sponsor“, sagt Matzen mit einem Augenzwinkern. Das Sozialkaufhaus Glücksgriff unterstützt den Kräla-Treff beim Drucken der eigenen Zeitung – die mit Texten der Kinder gefüllt und an vielen Stellen in Schenefeld verteilt wird. „Die Texte kommen unverbessert, so wie sie die Kinder geschrieben haben, in die Zeitung. Da muss niemand Angst vor Sprachschwächen haben“, sagt Else Matzen.

Der Kräla-Treff ist auch ein Beispiel für gelungene Integration. Seit einiger Zeit sind viele Ausländer zugezogen: Menschen aus dem Libanon, aus Syrien, Serbien, Russland, aus der Türkei, aus dem Iran, aus Thailand, Indien und Nigeria. Etwa 27 Nationen sind in dem Quartier vertreten. Ihre Kinder spielen gemeinsam im Kräla-Treff. „Und es funktioniert“, sagt Willy Matzen mit einem Lachen.

Eine Institution in Schenefeld

Der Kräla-Treff ist für viele Schenefelder längst zur Institution geworden. Gemeinschaftsfrühstück, Grillabende, Ferienprogramm für Kinder: Die Nachbarschaft der Wohnanlage Krähenhorst, in der fast 30 verschiedene Nationen vertreten sind, kommt regelmäßig für Aktionen zusammen. Und inzwischen locken die Feste auch Schenefelder aus anderen Stadtteilen an.

Begonnen hatte alles 1994 mit dem Bau von 99 Sozialwohnungen am Krähenhorst. Im Folgejahr zogen auch Else und Willy Matzen mit ihrem damals sechsjährigen Sohn dort ein. Willy Matzen war Hausmeister, hatte einen guten Draht zu den Menschen in der Nachbarschaft. Genau wie seine Frau Else, die mit anderen Müttern um Spielflächen für ihre Kinder kämpfte. Die Gemeinaschaft der Nachbarn wurde zu einem soliden Fundament für den späteren Kräla-Treff. Vor 15 Jahren stellte die Stadt eine Wohnung zur Verfügung. Dort sollte sich eine Sozialarbeiterin um die Menschen in der Wohnanlage kümmern, die den Ruf eines sozialen Brennpunkts hatte. Doch die Bewohner akzeptierten diese Amtsperson nicht. Sie wurde wieder abgezogen. Fortan kümmerten sich Willy und Else Matzen ehrenamtlich um den Treffpunkt.

Der Kräla-Treff hat erst jüngst seinen Geburtstag gefeiert. Zusammen mit dem Meissner Spielmannszug. Mehr als 1000 Menschen aus Schenefeld waren zur Jubiläumsparty  gekommen. Das war auch für Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (SPD) eine willkommene Gelegenheit, den „Kräla-Eltern“ Willy und Else Matzen für ihr Engagement zu danken.

Und so können Sie mit abstimmen

 

Wer von ihnen der „Mensch des Jahres 2014“ im Kreis Pinneberg wird, liegt nun in Ihrer Hand. Sie können sich auf drei Weisen an der Aktion  beteiligen: Schicken Sie uns eine E-Mail mit dem Betreff „Mensch des Jahres 2014“ an service@a-beig.de. Alternativ können Sie für Ihren „Mensch des Jahres“ auch bis einschließlich 23. November anrufen (für 14 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, aus dem Mobilfunknetz kostet es mehr). Oder Sie senden eine SMS mit dem Inhalt „shz beig“ und der zweistelligen Kandidatennummer an die 42020 (Kosten sind tarifabhängig). Wir stellen Ihnen alle Nominierten im der nächsten Woche auch noch einmal ausführlich vor.

  • Montag, 20. Oktober Rolf-Oliver Hertling (01375-80401237-01)
  • Dienstag, 21. Oktober Gisela Maier (01375-80401237-02)
  • Mittwoch, 22. Oktober Willy Matzen (01375-80401237-03)
  • Donnerstag, 23. Oktober Helmut Fricke (01375-80401237-04)
  • Freitag, 24. Oktober Mireille-Christin Rehmann (01375-80401237-05)
  • Sonnabend, 25. Oktober Nicole Jung (01375-80401237-06)
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erstellt am 22.Okt.2014 | 09:30 Uhr

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