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Pinneberger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 10:35 Uhr

Nach zwölf Metern ist schon Schluss : Helgoland hat Deutschlands kürzeste Drehleiter

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das neue Hubrettungsgerät der Insel-Feuerwehr erreicht nur eine Höhe von zwölf Metern - aus verschiedenen Gründen.

Helgoland | Die gängigsten Feuerwehrdrehleitern lassen sich bis auf 23 Meter ausfahren. Bei Mehrfamilienhäusern erreichen sie damit acht Stockwerke. Auf der Nordseeinsel Helgoland gibt es keine so hohen Häuser. Auch gibt es dort nur wenige Straßen, durch die eine herkömmliche Drehleiter fahren könnte. Deshalb hat sich die Helgoländer Feuerwehr eine kleinere Drehleiter angeschafft – Deutschlands kleinste.

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Die Aussicht ist umwerfend. Wie bunte Perlen auf einer Schnur gereiht liegen die kleinen Hummerbuden am Helgoländer Hafen. Drei weiße Börteboote nehmen gerade Kurs auf das erste Ausflugsschiff am Mittag. Die Motoren der traditionellen Holzboote hinterlassen lange, weiße Gischtstreifen im dunkelblauen Wasser. „Wir sind jetzt zwölf Meter hoch“, sagt Hauptlöschmeister Jan Hinnerk Bomm (30). Er hat das Feuerwehrfahrzeug mit dem oben montierten Leiterpark – insgesamt als Drehleiter bezeichnet – aus dem Gerätehaus geholt und die Leiter voll ausgefahren. „Wenn Sturm ist, dürfen wir aber nicht ganz ausfahren.“ Das wird auch nicht erforderlich sein, denn die höchsten Wohngebäude der Insel sind gerade mal drei Stockwerke hoch.

Dennoch musste die Gemeinde Helgoland für ihre 1887 gegründete Freiwillige Feuerwehr eine Drehleiter anschaffen. Eine Änderung des Brandschutzgesetzes vor fünf Jahren erforderte die 330.000 Euro teure Investition. Bomm erläutert: „Damals hieß es, dass in jeder Gemeinde innerhalb von 15 Minuten ein Hubrettungsgerät am Einsatzort sein muss.“ Während kleinere Festlandgemeinden ihre Nachbargemeinden um Mithilfe bitten können, ist das auf einer Insel nicht möglich.

Da eine Drehleiter mit Normalmaß eine halbe Million Euro gekostet hätte, entschied sich die Gemeinde für das kleinere Modell DLK 12-9 des französischen Herstellers Gimaex. Im Frühjahr 2011 wurde das 9,5-Tonnen-Feuerwehrfahrzeug auf einem Frachtschiff in den Helgoländer Hafen gebracht und mit einem Kran an Land gehievt. Es steht im nur wenige Hundert Meter vom Hafen entfernten Feuerwehrgerätehaus.

Der Fahrer der Drehleiter steht auf der autofreien Insel vor ganz besonderen Herausforderungen. Neben den engen „Kreuzungen“ der insgesamt 108 Straßen verursacht auch die geringe Breite der Wege Probleme. „Die sind teilweise so schmal, dass die Drehleiter mit ihrer 2,30 Meter Breite nicht durchkommt“, sagt Bomm. Auf dem Oberland seien mehrere Straßen immerhin zwei Meter 70 breit – gerade noch breit genug für die Drehleiter. Als Anwohner dort ihre direkt an der Straße stehenden Häuser mit einer 16 Zentimeter breiten Dämmschicht isolieren wollten, musste die Gemeinde den Antrag ablehnen. Brandschutz geht vor.

Dabei ist die kleinste Drehleiter Deutschlands nicht mit seitlich ausfahrbaren Auslegern ausgestattet, wie sie üblich sind, sondern mit senkrecht nach unten verlaufenden Stützen. Im Falle eines Einsatzes darf der Fahrer ausnahmsweise kräftig auf die Tube drücken. „Sonst sind hier nur zehn Stundenkilometer erlaubt. Im Einsatz dürfen wir aber schneller fahren“, sagt Bomm.

Bis zu 50 Mal jährlich rückt die derzeit 35 Mitglieder starke Wehr aus. Die Drehleiter wurde bislang insbesondere zum Ausleuchten des Hafenbeckens genutzt, wenn dort bei Dunkelheit Yachten zu kentern drohten. Aber sie kann noch mehr, denn neben zwei Scheinwerfern und einem Stromerzeuger ist sie sogar mit einer Ausrüstung für die Bergrettung ausgestattet.

An einen Einsatz vor knapp zwei Jahren kann sich Bomm besonders gut erinnern: „Da wollte einer nach einem ausgiebigen Kneipenbesuch die Klippen hochkraxeln und kam plötzlich weder vor, noch zurück.“ Ein Passant sah den verhinderten Bergsteiger und rief die Feuerwehr. Mit einer „Rettungswindel“ ließ sich ein Kamerad vom Oberland abseilen und rettete so den „Verunglückten“ aus seiner Lage. Dieser hatte nach der alpinen Rettungsaktion jedoch nur ein Ziel: Es zog ihn zurück in die Kneipe.

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erstellt am 09.Aug.2016 | 14:15 Uhr

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