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Pinneberger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 07:54 Uhr

Hauptausfallgrund: Die Psyche

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Krankschreibungen Ein Fünftel der Fehltage im Kreis Pinneberg geht auf Depressionen, Burn-Out und ähnliches zurück

Burn-Out, Depressionen, Angststörungen: Das sind nur einige der Krankheiten, die im Gesundheitsreport der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) 2015 unter dem Begriff „Psychische Erkrankungen“ zusammengefasst sind. Und im Kreis Pinneberg sind sie der häufigste Grund dafür, warum sich berufstätige Menschen krankschreiben lassen. 20 Prozent der Fehltage sind auf diese Erkrankungen zurückzuführen. Auf Platz zwei liegen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems mit 18,9 Prozent, gefolgt von Erkrankungen des Atmungssystems mit 16,9 Prozent.

Für Thomas Ehlert, Leiter des Servicezentrums der DAK Pinneberg, ist dieses Ergebnis „völlig untypisch“. Und dass in doppelter Hinsicht: im landesweiten Vergleich und im Vergleich zu den Vorjahren. Zum einen liegen psychische Erkrankungen auf den Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen in Schleswig-Holstein nur auf Platz zwei und bundesweit sogar nur auf Rang drei. Das Haupt-Krankheitsbild sind dort jeweils Muskel-Skelett-Erkrankungen, zu denen unter anderem Beschwerden wie Rückenschmerzen zählen. Zum anderen ist es auch im Kreis Pinneberg das erste Mal, dass psychische Krankheiten an der Spitze auftauchen.

So neu diese Reihenfolge auch ist, überraschend kommt sie nicht, wie Ehlert einräumt: „Bei den psychischen Erkrankungen verzeichnen wir eine kontinuierliche Steigerung.“ Auf
einen DAK-Versicherten im Kreis Pinneberg kamen im Jahr 2014 noch 2,32 Fehltage aus diesen Gründen. Im vergangenen Jahr waren es 2,84, was einem Anstieg um 22 Prozent entspricht.

Den Grund für diese Zunahme sieht Ehlert vor allem an einem Punkt: „Es ist der Stressfaktor Arbeit.“ Die Art der Erkrankungen sind laut Angelika Roschning, Leiterin des Gesundheitsamts im Kreis Pinneberg, vor allem depressiver Art: „Dazu zählt auch Burn-Out.“ Auch sie sieht die Gründe für die Zunahme in einer höheren Belastung in der Arbeitswelt und einer gestiegenen Anforderung an die Vereinbarkeit von Beruf und Familie: „Das bedeutet für viele Menschen schlicht und einfach Stress.“

Aber warum sind gerade die Menschen im Kreis Pinneberg so sehr von psychischen Erkrankungen betroffen? Darüber kann DAK-Chef Ehlert nur spekulieren: „Das mag daran liegen, dass wir hier im Speckgürtel Hamburgs sind. Unser Arbeitswelt ist sehr stark von der Großstadt geprägt.“ Und eine Metropole bedeute schlichtweg mehr Stress. Außerdem gebe es viele Pendler – auch das ein Faktor, der die Nerven belastet.

Maßgeblich für die Statistik sind vor allem die Langzeiterkrankten, also diejenigen, die mehr als 43 Tage im Jahr – bis hin zu dauerhaft – ausfallen. Laut DAK sind 3,5 Prozent der Erkrankten für 44,5 Prozent der Fehltage verantwortlich.

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