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Sprache beschleunigt Integration : Hasloher Team sucht Deutschlehrer

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Unterrichtet werden hier diejenigen Flüchtlinge, die weder jetzt noch in den nächsten Monaten eine Aussicht auf einen Integrationskursus haben.

Hasloh | Die zehn ehrenamtlichen Hasloher Bürger, darunter nur zwei Lehrer, die sich zurzeit den Unterricht teilen, würden sich sehr über weitere Unterstützung bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit freuen. Viermal in der Woche findet im Dörphus ein Deutschkurs statt, der in der Regel von zwei bis drei Freiwilligen betreut wird.

Unterrichtet werden hier diejenigen Flüchtlinge, die weder jetzt noch in den nächsten Monaten eine Aussicht auf einen Integrationskursus haben. Erst nach Erhalt einer Aufenthaltserlaubnis haben sie einen Anspruch auf die Teilnahme an einem Integrationskursus, der eine intensive Sprachschulung, etwa 80 Prozent, zum Inhalt hat. Die übrigen 20 Prozent sind Unterricht in Gemeinschaftskunde.

„Unsere erste Idee war, die Menschen zu erreichen, die sonst durchs Raster fallen. Iraner, Iraker und Syrer haben eine hohe Bleibeperspektive, für andere Nationen wird es zum Teil schwieriger“, erklärt Lothar Rohde. Er koordiniert für die Gemeinde die Sprachkurse und unterrichtet auch selbst. „Als die vielen Flüchtlinge kamen und ich von den Einzelschicksalen gehört habe, dachte ich mir: ‚Irgendwie muss man die Menschen auch auffangen.‘ Pate wollte ich nicht werden, aber der Unterricht liegt mir“, sagte der Elektroingenieur weiter.

Vorkenntnisse sind nicht notwendig

Die persönliche Ansprache durch die Sozialausschussvorsitzende Anne Worthmann (CDU) und Beate Haines (SPD), Mitglied im Sozialausschuss, brachten Rohde schließlich zu der Tätigkeit. Angefangen hat er als Sprachlehrer in Quickborn in einer bereits bestehenden Hilfsstruktur. Wie viele andere, brachte Rohde keine Vorkenntnisse als Lehrer mit.

Im Dezember 2015 kamen die ersten Flüchtlinge in der Gemeinde an. Mittlerweile leben dort 36 Personen, in diesem Monat werden acht weitere dazukommen. Zeitgleich mit der Ankunft wurde durch Worthmanns Initiative das Hasloher Willkommensteam ins Leben gerufen, das mittlerweile aus vielen Gemeindevertretern und weiteren freiwilligen Helfern besteht und im Januar beim Hasloher Neujahrsempfang durch Bürgermeister Bernhard Brummund (SPD) als Bürger des Jahres 2016 für seine vielseitigen ehrenamtlichen Tätigkeiten ausgezeichnet wurde.

Die unerschöpfliche Arbeit der Paten, eine Kleiderkammer, die jeden ersten Sonnabend im Monat öffnet und ein Flüchtlingscafé, das donnerstags von 14 bis 16 Uhr im Gemeindehaus im Mittelweg 2 stattfindet, gehören zu den Angeboten. „Am Anfang waren gerade mal drei Flüchtlinge da. Jetzt wird es gut angenommen“, freut sich Haines über die 15 bis 20 Geflüchteten, die mittlerweile regelmäßig das Café besuchen. Zunehmend werden sogar Bekannte mitgebracht. Die Teilnehmer knüpfen neue Kontakte, spielen gemeinsam, helfen sich bei Schreiben von Behörden und lachen viel zusammen. Im Anschluss an Kaffee und Kuchen geht’s rüber ins Dörphus zum Donnerstags-Deutschkurs.

Bei Rohde steht dort während der Alphabetisierung dieses Mal das ‚D‘ auf dem Stundenplan. „D – Do – Dos – Dose“, liest und schreibt sein Schüler Mustafa. Hanne Weidtmann, ehemaliger Oberstudienrat, und Linda Kuczewski – mit über 80 Jahren die Älteste im Bunde – werfen gemeinsam mit Yamal und Jomaa einen Blick in unsere Zeitung. Die beiden zählen bereits zu den Fortgeschrittenen und lernen sehr fleißig. Yamal liest über die Wahl von Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten.

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erstellt am 03.Mär.2017 | 16:30 Uhr

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