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Pinneberger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 00:21 Uhr

Das Sonntagsgespräch : Harald Poppner: „Rellingen als eigene Marke etablieren“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Harald Poppner ist der Wirtschaftsförderer in Rellingen.

Rellingen | Harald Poppner ist Wirtschaftsförderer in Rellingen. Im Sonntagsgespräch erläutert er, warum die Gemeinde für Unternehmen so attraktiv ist.

Harald Poppner (50) ist seit 2014 Wirtschaftsförderer in Rellingen. Davor arbeitete der Diplom-Kaufmann unter anderem als Wirtschaftsförderer in Lübeck. Der gebürtige Kieler ist verheiratet und hat einen Sohn.

Wie sieht Ihre Arbeit als Wirtschaftsförderer aus?
Akquise, Bestandspflege, Entwicklung - das sind die drei großen Schwerpunkte meiner Arbeit. Dazu organisiere ich Veranstaltungen mit und für die Wirtschaft. Zum Bereich der Wirtschaftsförderung gehört auch das Standortmarketing. Ich freue mich, dass ich die Unternehmen in der gesamten Gemeinde betreuen darf und dazu beitrage, Leerstände zu beseitigen.

Gibt es viele Leerstände in Rellingen?
Das Problem ist in den vergangenen sechs Monaten verstärkt aufgetreten. Der Weggang von Penny und die Schließung des Fotogeschäfts des Ehepaars Gaedigk haben eine große Lücke hinterlassen. Ich habe dann versucht, andere Unternehmen für Rellingen zu begeistern. Das Einzelhandelsgutachten von 2014 empfiehlt die Ansiedlung eines Biomarkts im Ortskern. Deshalb habe ich Biomärkte und Projektwickler in ganz Norddeutschland angeschrieben. Das hat sich gelohnt, weil ich den SE-Biomarkt in den Kreis Pinneberg locken konnte. Man hat als Wirtschaftsförderer aber nur begrenzten Einfluss. Letztendlich entscheiden Angebot und Nachfrage. Ein vertrauensvolles Verhältnis zu Maklern und Eigentümern ist allerdings enorm hilfreich, um die Entwicklung im Sinne der Gemeinde zu steuern.

Ist es schwer, Unternehmen für Rellingen zu begeistern?
Nein. Die Unternehmen kommen fast von selbst. Die Lage in der Metropolregion und die Nähe zu Hamburg sind für Betriebe enorm attraktiv. Es ist aber schwierig, eine eigene Identität für Rellingen zu entwickeln, weil die Gemeinde von Außenstehenden als Teil von Hamburg wahrgenommen wird. Deshalb war einer meiner ersten Schritte, ein Corporate Design kreieren zu lassen, um Rellingen als eigene Marke zu etablieren.

Was sind die Stärken des Wirtschaftsstandorts?
Einerseits natürlich die Nähe zu Hamburg. Auch die stabilen politischen Verhältnisse sowie die Wirtschaftsfreundlichkeit aller Parteien und der Verwaltung wirken sich positiv aus. Die Abstimmung zwischen allen Beteiligten klappt hervorragend. Das ist nicht selbstverständlich. Dazu kommt, dass die Gemeinde finanziell gesund ist. Wer Geld hat, ist handlungsfähig. Die Gewerbesteuereinnahmen lagen in diesem Jahr bis zum 16. August bei 14,7 Millionen Euro. Damit hält die Gemeinde sogar mit einer Stadt wie Pinneberg mit, obwohl Rellingen nur etwa 14000 Einwohner hat. Die im Vergleich zu Hamburg und anderen Kommunen in der Metropolregion niedrigen Steuersätze machen Rellingen ebenfalls für Unternehmen attraktiv. Zudem steht für die Verwaltung der Servicegedanke im Mittelpunkt. Wir handeln immer im Sinne des Kunden.

Gibt es Schwächen in Rellingen?
Es geht uns wie allen anderen Kommunen im Kreis: Wir haben zu wenig Gewerbeflächen. Deshalb bin ich praktisch auch ein kostenfreier Makler. Wenn beispielsweise Gewerbeimmobilien leer stehen, versuche ich, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen und Investoren und Eigentümer an einen Tisch zu bekommen.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit dem Treffpunkt Rellingen?
Die Zusammenarbeit ist sehr partnerschaftlich. Der Treffpunkt bildet eine starke Kaufmannschaft mit Unternehmen aus der gesamten Gemeinde. Davon profitiert der gesamte Ort.

Wie ist das Verhältnis zu anderen Wirtschaftsförderern?
Es gibt es einen regelmäßigen Austausch und die Zusammenarbeit ist sehr vertrauensvoll. Wir helfen uns gegenseitig. Kirchturmdenken hilft niemandem weiter. Jeder kennt jeden und es ist ein bisschen wie in einer Familie. Ist eine Unternehmensansiedlung nicht in Rellingen möglich, versuche ich, den Betrieb im Kreis Pinneberg oder zumindest in Schleswig-Holstein zu halten.

Wie wird sich Rellingen in den kommenden Jahren entwickeln?
Als ich angefangen habe, wurde mir gesagt, dass es schon toll wäre, den Status Quo zu erhalten. Deshalb will ich dazu beitragen, dass die Unternehmen vor Ort zufrieden sind. Ich versuche aber außerdem, neue Flächen zu entwickeln und weitere Unternehmen nach Rellingen zu locken. Aufgrund des ohnehin hohen Niveaus gibt es aber keinen Druck. Mein Ziel ist, mittelfristig noch einmal ein oder zwei größere Betriebe in der Gemeinde anzusiedeln.

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erstellt am 18.Sep.2016 | 13:00 Uhr

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