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Pinneberger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 17:41 Uhr

Katharina Fegebank im Interview : Hamburgs zweite Bürgermeisterin über Führungsstil und Gleichberechtigung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Hamburgs zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank spricht im shz.de-Interview über die Zusammenarbeit mit „König Olaf“ und ihre Hoffnung für die Wissenschaft.

Hamburg | 16 bis 17 Stunden arbeitet Katharina Fegebank fast jeden Tag – kein Wunder: Sie ist nicht nur zweite Bürgermeisterin von Hamburg, sie ist auch Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung. Die Termine der 39-Jährigen sind eng getaktet – auch unser Interviewtermin. Der geplante Fototermin vor dem Hamburger Rathaus, ihrem Amtssitz, fällt dagegen buchstäblich ins Wasser. Es schüttet mal wieder wie aus Eimern.

> geboren: 27. Februar 1977
> seit 2004 Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen
> 2007 bis 2013 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Uni Lüneburg
> seit 2008 Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Hamburg
> 2011 bis 2015 Abgeordnete der Grünen Bürgerschaftsfraktion in Hamburg
> seit 15. April 2015 Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung

Frau Fegebank: Wie spricht man Sie eigentlich offiziell an? Frau Senatorin?
Katharina Fegebank
Wie Sie wollen. Frau Senatorin oder Frau Bürgermeisterin, je nachdem in welcher Rolle ich auftrete. Mir reicht aber völlig „Frau Fegebank“. Ich bin da uneitel.

Seit gut einem Jahr sind Sie Zweite Bürgermeisterin. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz der Zusammenarbeit mit „König Olaf“ aus?
Wir haben uns als Koalition gut gefunden. Wir arbeiten lösungsorientiert und vertrauensvoll miteinander. Es ist nicht mein Stil, sich in der Öffentlichkeit zu streiten oder schlecht über den anderen zu reden.

Was prägt stärker? Das Amt die Person oder Ihre Persönlichkeit das Amt?
Natürlich prägt das Amt. Aber genauso bringe ich viel von meiner Persönlichkeit in das Amt ein. Offen sein, zuhören, Brücken bauen – das ist mir wichtig und das zeichnet meinen Politikstil aus. Aber natürlich bewege ich mich in der Öffentlichkeit kontrollierter, als das früher der Fall gewesen ist. Man wird vorsichtiger. Insofern trifft beides zu.

Sie gelten als offen, freundlich und kommunikativ. Werden Sie deshalb unterschätzt?
Ich habe nicht das Gefühl, unterschätzt zu werden. Mein Eindruck ist eher, dass ich für viele nicht in das Bild einer klassischen Politikerin passe, und sie davon positiv überrascht sind, wenn sie mich persönlich kennenlernen. Das gefällt mir.

Inwieweit spielt es eine Rolle, dass Sie eine Frau sind?
Ich glaube, es ist eher eine Typfrage, weniger eine Geschlechterfrage. Ich bin als Zweite Bürgermeisterin Hauptansprechpartnerin für Olaf Scholz, wenn es die Koalition betrifft. Ich bin an allen wichtigen Entscheidungen beteiligt. Da habe ich mir bislang wenig Gedanken gemacht über meine Rolle speziell als Frau.

Apropos Frauen. Ist der sprichwörtliche „Zickenkrieg“ eine Erfindung der Männer oder können Frauen auch mobbend sein?
Ich bin immer erstaunt, dass man bei Frauen schnell von Zickenkrieg spricht. Bei Männern würde man sagen, dass sie auf brillante Weise ihre Dominanz ausgespielt haben. Es ärgert mich, dass eine durchsetzungsstarke Frau, die hartnäckig ihre Ziele verfolgt, als zickig bis hysterisch gilt. Bei Männern habe ich diese Attribute sehr selten gehört.

Wir würden Sie selbst Ihren Führungsstil beschreiben?
Ich begegne meinem Gesprächspartner immer auf Augenhöhe und bin bereit, mich von guten Argumenten überzeugen zu lassen. Ich bin mit Sicherheit nicht ideologisch verbohrt, sondern gehe die Dinge kooperativ und pragmatisch an. Ich mag es sehr, wenn man in die Pötte kommt. Ich will Dinge verändern, gestalten, etwas bewegen. Da bleibt eine gewisse Ungeduld nicht aus. Aber ich treffe Entscheidungen selten im stillen Kämmerlein. Ich brauche die Reflexion und wäge verschiedene Varianten.

Worin unterscheidet sich Ihr Führungsstil am deutlichsten von dem von Olaf Scholz?
Die allgemeine Vorstellung ist sicher, dass er allein und autoritär entscheidet, während ich mich sehr eng mit anderen abstimme. In Wahrheit erlebe ich den Bürgermeister aber als jemanden, der sich intensiv mit seinen Senatskollegen berät. Und ich selbst kann mich durchaus auch gegen Widerstände durchsetzen. Sie können gar kein politisches Spitzenamt ausüben, ohne sowohl beratungsfähig als auch durchsetzungsstark zu sein. Das gilt für ihn wie für mich.

Würden Sie Ihr Vorgehen als eher weiblichen Führungsstil bezeichnen?
Diese Schubladen gefallen mir nicht. Glaubwürdigkeit und Authentizität sind entscheidend, um als Führungspersönlichkeit akzeptiert zu werden. Jeder sollte seine Stärken und Schwächen kennen.

Katharina Fegebank mit ihrem Lebensgefährten Matthias Wolff.
Katharina Fegebank mit ihrem Lebensgefährten Matthias Wolff. Foto: dpa
 

Sie sind für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung verantwortlich. Welches sind nach einem Jahr Ihre persönlich wichtigen Erfolge?
Ich habe mir in den ersten Monaten viel Zeit genommen, unsere Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen und ihre Bedürfnisse kennenzulernen. Damit habe ich die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gelegt. Wir haben erreicht, dass wir in dieser Legislaturperiode in einem ersten Schritt 40 Millionen Euro mehr für Wissenschaft und Forschung einsetzen können. Damit werden wir die Uni Hamburg gezielt für die neue Bewerbungsrunde der Exzellenzinitiative unterstützen und die kleineren Hochschulen in der Grundfinanzierung stärken. Außerdem machen wir mit öffentlichen Wissenschaftssalons, der Nacht des Wissens und weiteren Veranstaltungen und Veröffentlichungen klar: Hamburg ist mehr als Hafen und Handel! Die Zukunft der Stadt liegt in den Köpfen, im Wissen. Wir müssen neue Stärken entwickeln, wenn wir eine prosperierende Metropole bleiben wollen. Ohne Wissenschaft, Forschung und Innovationskraft ist das undenkbar.

Eine Binsenweisheit ist, dass Wissenschaft und Forschung über die Zukunftsfähigkeit einer Stadt entscheidet. Warum ist Hamburg hier immer noch Mittelmaß im Vergleich zu München oder Berlin?
Wir werden als Wissenschaftsstandort noch nicht ausreichend wahrgenommen. Die Erkenntnis, dass der Hafen für Hamburg nicht alles sein kann, reift ja erst seit einigen Jahren. Die süddeutschen Länder haben da einen riesigen Vorsprung. Unsere Aufgabe in den nächsten Jahren wird sein, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Stärke in der Wissenschaft nicht nur der reinen Erkenntnis dient, sondern eine enorme Strahlkraft hat in die Stadt, Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum schafft.

Sie wollen die Wissenschaft „in die Herzen der Hamburger“ tragen. Wie kann das gelingen?
Das ist eine kommunikative Aufgabe. Die Hochschulen müssen sich stärker als bisher öffnen. Wir haben in Hamburg tolle Forschungsschwerpunkte, dennoch werden wissenschaftliche Erfolge wie jüngst beim Zika-Virus kaum mit Hamburg und den Hamburger Wissenschaften in Verbindung gebracht. Wir wollen Begeisterung und Stolz für den Wissenschaftsstandort Hamburg entfachen, aber das geht nicht von heute auf morgen. Das ist ein Prozess.

Bei den zentralen Themen wie Flüchtlinge, Elbvertiefung und Innere Sicherheit kauft „König Olaf“ den Grünen den Schneid ab. Können sich die Grünen gegen Olaf Scholz nicht durchsetzen?
Wir haben eine klare Vereinbarung zum Thema Elbvertiefung, aber auch zur ökologischen Modernisierung des Hamburger Hafens. Da sind erste Schritte getan. Und in der Frage der Flüchtlingsunterbringung war unsere gemeinsame oberste Maßgabe noch im Sommer letzten Jahres, dass im Winter niemand erfrieren muss angesichts der vielen Menschen, die täglich neu in die Stadt gekommen sind. Weder die SPD noch die Grünen waren in ihren Programmen auf diese Herausforderung eingestellt. Trotzdem mussten wir die Aufgabe bewältigen, und ich bin sehr froh darüber, wie wir das gewuppt haben. Wir haben den Realitätstest bestanden. Und was die innere Sicherheit angeht: Wir schaffen die viel kritisierten Hamburger Gefahrengebiete ab. Das ist ein großer Erfolg für grüne Bürgerrechtspolitik.

Sie sind Fan vom FC St. Pauli und von Werder Bremen – wie geht das zusammen?
Mein Vater ist gebürtiger Bremer, so habe ich eine familiäre Prägung für Werder Bremen. Und auf St. Pauli habe ich lange gelebt, mein Freundeskreis besteht größtenteils aus Pauli-Fans. Deshalb gibt es diese doppelte Liebe.

Katharina Fegebank persönlich...
Meine Heimat Bad Oldesloe...
ist ein schönes Städtchen, aber Bargteheide ist für mich noch schöner, weil ich da aufgewachsen bin. In Bad Oldesloe bin ich nur geboren.

Mein Lieblingsplatz in Hamburg... ist irgendwo an der Elbe.

Die Hafencity... ist ein spannendes Stadtentwicklungsprojekt, das sich hoffentlich in Zukunft zu einem noch lebendigeren Stadtteil entwickeln wird, mit einer guten Mischung aus Jung und Alt, vielen kulturellen Angeboten und pulsierendem urbanen Leben.

Ich entspanne... beim Sport, Fußballgucken und wenn ich mit Freunden unterwegs bin.

Meine Stärke... sind Humor und Durchhaltevermögen.

Meine Schwäche... sind Süßigkeiten und meine Ungeduld.

Glück... sind für mich meine Familie und mein Freund.

In 2016 möchte ich unbedingt... für mehr als eine Woche in den Urlaub fahren.

Urlaub mache ich... gern in Skandinavien oder Großbritannien.

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erstellt am 09.Jul.2016 | 10:00 Uhr

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