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Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 18:22 Uhr

„Haltung ist immer gut“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Interview König Boris von der HipHop-Formation Fettes Brot ist in Schenefeld zur Schule gegangen und begann dort seine Karriere

König Boris ist Teil der Hip Hop Band Fettes Brot. Der 42-Jährige ist in Schenefeld aufgewachsen und hat dort das erste Mal auf der Bühne gestanden. Im Interview verrät er seinen Lieblingsplatz, in welchen Songs ein Stück seiner Heimat steckt und ob er nochmal im Juks auftreten würde.

Fettes Brot hat sich in Schenefeld gegründet und hier seine ersten Konzerte gespielt. Gibt es für Sie einen Track, der ganz speziell zu dieser Zeit passt? So etwas wie eine Schenefeld-Hymne?

König Boris: Da muss ich überlegen, was das so gewesen sein kann. Also für uns war es damals auf jeden Fall „Definition von Fett“. Das war sowohl unsere Hymne, als auch die auf unseren Konzerten. Aber was wir sonst so gehört haben, daran kann ich mich grad’ nicht erinnern.

In wiefern hat der Wohnort denn sonst die Musik von Fettes Brot beeinflusst? In welchen Songs steckt etwas vom Kreis Pinneberg?

Pinneberg kommt in so vielen Songs vor, das kann ich gar nicht zählen. Wir haben ordentlich Werbung gemacht für den Kreis Pinneberg. Auch weil wir Rap-Musik machen – und ein Teil von Rapmusik ist es ja auch davon zu erzählen, wo man herkommt und was man so treibt. Und das wir aus dem größten Baumschulgebiet Europas kommen, haben wir schon in einigen Songs verewigt.

Und wo steckt ganz besonders Schenefeld drin?

In „Silberfische in meinem Bett“ zum Beispiel. Und in „Nordisch by Nature“, da steckt natürlich auch ein Teil von Schenefeld mit drin. Es gibt da schon den ein oder andern Song.

Wie oft sind Sie noch in Ihrer alten Heimat zu Besuch?

Ab und zu bin ich schon da. Mein Vater lebt da noch, und insofern komme ich hin und wieder hin.

Und gibt es einen Lieblingsplatz in Schenefeld?

Naja, wenn man Fettes Brot und Schenefeld bespricht, dann muss man auf jeden Fall das Juks nennen. Weil wir dort viele tolle Auftritte gehabt haben. Und wo wir außerdem sehr viel abgehangen haben, war das Friedrichshulder Rückhaltebecken. Da ist die ein oder andere Party gestiegen, mit Grillen und so. Da waren wir den Sommer über einfach viel.

Für das aktuelle Fettes Brot Album „Teenager vom Mars“ gab es nicht nur Lob. Die Frankfurter Allgemeine hat beispielsweise getitelt „Fettes Brot, dünn belegt“. Treffen Sie solche negativen Kritiken?

Ach, das ist man gewohnt. Wir machen das jetzt ja schon ein paar Tage und das ist eben immer so, dass man mal mehr und mal weniger gelobt wird. Das hält man aus. Ich glaube, als unsere allererste Platte 1994 rauskam, hat die taz geschrieben, das man davon Ohrenbluten bekommen würde. Insofern war das Verhältnis zwischen uns und der Presse damit gesetzt. Man freut sich aber natürlich wenn Leute das, was man macht, gut finden. Es bricht aber auch nicht die Welt zusammen, wenn irgendeine Zeitung mal schreibt, dass ’ne Platte nicht so gut geworden ist.


Als Rapper gehören Fettes Brot einer Musikrichtung an, die immer schon gesellschaftliche oder politische Probleme thematisiert hat. Sollten sich Künstler in Zeiten von AfD, Trump und Erdogan wieder stärker einmischen?

Also ich finde, eine Haltung ist immer gut. Es ist nicht so, dass jedes Lied, was auf den Markt kommt, politisch sein muss. Aber man sollte grundsätzlich eine Haltung dahinter erkennen können. Am spannendsten finde ich in diesem Zusammenhang Popmusik, weil dabei Haltung und Unterhaltung zusammen kommen. Das schaffen in der aktuellen Musiklandschaft zum Beispiel Fatoni oder die Antilopengang.


Fettes Brot haben in der Vergangenheit oft neue Stilrichtungen ausprobiert und sich musikalisch immer wieder neu erfunden. Mit den Beginnern kehrt gerade eine Kombo wieder mit einer klassischen Hip-Hop-Platte zurück zu ihren Wurzeln. Wie sieht es bei Fettes Brot aus? Könnte das nächste Album wieder ein reines Rap-Album werden?
Das ist alles durchaus möglich. Was wir allerdings momentan vorhaben beziehungsweise was wir demnächst tun, ist, dass wir unsere ersten vier Alben rereleasen werden. Die gab es bisher noch nicht online. Sie werden das erste Mal online erscheinen und zwar in Special Edition mit Bonus CD, Extra Cover und Booklet. In dem Zusammenhang spielen wir drei Konzerte im Mehr!Theater unter dem Motto „Gebäck in the days“. An den Abenden werden wir nur Songs von den ersten Alben spielen. Die Shows waren innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Da scheint also durchaus Bedarf zu sein. Und mal gucken, vielleicht inspiriert uns das ja dazu, dass wir zum nächsten Album wieder ganz klassisch werden. Wer weiß.

Welcher Song läuft denn bei Ihnen privat gerade rauf und runter?

Beim Sport höre ich immer das Major Lazer Album. Dann war ich gerade auf dem Konzert von Yung Hurn, das ist so ein österreichischer Rapper. Das ist ganz spannend. Und es gibt so ein paar interessante Frauen momentan, Pilz heißt die eine, Hayiti heißt die andere. Oder Antifuchs. Das find ich ganz schön, dass im Rap momentan ein paar Frauen an den Start kommen und das hör’ ich mir auch gerne an.

Könnten Sie sich denn vorstellen mal wieder im Juks in Schenefeld aufzutreten?

Unbedingt. Das können wir uns immer vorstellen. Es ist eben nur eine Frage des Zusammenhangs wie man das organisiert. Es ist dort ja nicht so groß und wir versuchen immer zu vermeiden, dass Draußen mehr Leute stehen als Drinnen. Aber das kann ich mir auf jeden Fall vorstellen, dass wir das irgendwann nochmal machen.

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erstellt am 16.Sep.2016 | 14:18 Uhr

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