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Pinneberger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 17:14 Uhr

Großes Potenzial, schlechter Standort

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Interview Heike Meyer-Schoppa, Leiterin des Deutschen Baumschulmuseums, berichtet über ihre Arbeit und Visionen

Heike Meyer-Schoppa ist Leiterin des Deutschen Baumschulmuseums in Pinneberg. Im Interview erklärt sie unter anderem, warum sie sich einen anderen Standort für das Museum wünscht und welche Bedeutung die Baumschulen für die Region haben.

Wie sieht die Arbeit des Baumschulmuseums in Pinneberg aus?
Heike Meyer-Schoppa: Pflege der Halle, der Geräte und des Außengeländes, Vorbereitung der Ausstellungen, regelmäßige Treffen, um Ideen auszutauschen – es gibt einiges zu tun. Gerade während der Saison von Mai bis Oktober. Fester Teil ist unsere Dauerausstellung, die über die Arbeit und Bedeutung der Baumschulen für die Region informiert. Dazu kommt jedes Jahr ein Sonderthema. In diesem Jahr geht es um Obstgehölze. Das Museum wird von einem Team getragen, das komplett ehrenamtlich arbeitet. Alle haben ganz unterschiedliche Voraussetzungen. Ursprünglich waren die meisten Helfer ältere Baumschuler. Das hat sich inzwischen etwas verschoben. Unser Schatzmeister und Archivar ist zum Beispiel Ingenieur für Maschinen- beziehungsweise Flugzeugbau und bringt dadurch enorm viel strukturiertes Denken mit. Das ist für den Ausbau des Archivs sehr wichtig.

Wo liegen Ihre Aufgaben?
Mein Job ist die Koordination. Planungen für die kommende Saison, die dienstäglichen Arbeitstreffen vorbereiten, Ausstellungskonzeption, Verwaltungsarbeit, Termine für Führungen abstimmen – meine Aufgaben sind vielfältig.

Wieso ist das Baumschulmuseum für die Region wichtig?
Wir verdeutlichen, was Baumschulen eigentlich sind, und zeigen, dass sie die Entwicklung der Region geprägt haben. Der Kreis galt schließlich lange Zeit als größtes Baumschulgebiet der Welt und ist immer noch eines der größten geschlossenen Baumschulgebiete Europas. Die Produktionsflächen sind annähernd gleich geblieben. Aber die Struktur der Betriebe hat sich verändert. Ähnlich wie in der Landwirtschaft gibt es weniger Betriebe, die werden dafür aber immer größer. Ansonsten gibt es zur Landwirtschaft viele Unterschiede.

Wo liegen diese Unterschiede?
Baumschulen agieren auf einem freien internationalen Markt. Sie werden nicht subventioniert und in anderer Form reglementiert als die Landwirtschaft. Mein Vater und mein Großvater waren Landwirte. Dadurch kenne ich den Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie. Das hat mich sehr geprägt. Ich halte es für problematisch, dass viele Menschen sehr naturfern sind. Andererseits oder vielleicht auch gerade deshalb wird die Natur zunehmend romantisiert. Ich halte es für wichtig, ein ausgewogenes Verhältnis herzustellen. Menschen leben schließlich seit Jahrtausenden mit und von der Natur. Es ist aus meiner Sicht eine versponnene Idee, die Natur wieder sich selbst überlassen zu wollen. Unsere Landschaften sind zumeist Kulturlandschaften. Außerdem können wir nicht die Augen davor verschließen, dass die Weltbevölkerung wächst.

War Ihr Weg durch die familiären Wurzeln praktisch schon vorherbestimmt?
Überhaupt nicht. Meine Studienfächer waren Soziologie und Philosophie. Promoviert habe ich in Geschichte. Viel weiter kann man sich von der Landwirtschaft eigentlich nicht entfernen. Da mein Mann Forstwissenschaft studierte und später die Geschäftsführung beim Landesverband Schleswig-Holstein im Bund Deutscher Baumschulen (BdB-LV-SH) übernahm, beschäftigte ich mich ebenfalls mit dem Thema. Der Kontakt zum Museum entstand, als ich an der Chronik zum 100-jährigen Bestehen des BdB beteiligt war.

Warum engagieren Sie sich für das Baumschulmuseum?
Ich habe großen Respekt vor der Arbeit meiner Vorgängerin Hildegard Lunau, die dieses Museum mit aufgebaut und über 12 Jahre geleitet hat. Das ist eine ungeheure Leistung. Meine Hauptmotivation ist, dass ich großes Potenzial in dem Museum sehe, obwohl wir ein Standortproblem haben.

Inwiefern?
Der jetzige Standort ist zwar als ehemalige Baumschulhalle ein authentischer Ort. Das Gebäude selbst aber ist für ein Museum nur bedingt geeignet. Wir liegen zudem zu weit abseits. Günstiger wäre ein Standort mit mehr Besucherströmen, zum Beispiel in der Nähe des Arboretums in Ellerhoop. Arboretum, Gartenbauzentrum mit dem Schwerpunkt Baumschulwirtschaft und dazu das Baumschulmuseum – das würde passen. Flächen für die Realisierung wären da. Die Umsetzung des Vorhabens war bisher aber leider nicht möglich.

Kann das Museum am jetzigen Standort auf Dauer überleben?
Mit 2000 Besuchern in der vergangenen Saison brauchen wir uns nicht hinter professionell aufgestellten Museen mit Vollzeitkräften verstecken. Wie es langfristig weiter geht, richtet sich auch danach, welche Türen sich öffnen und welche Kooperationen sich ergeben. Wir führen derzeit zum Beispiel Gespräche mit den Lebenshilfe-Werkstätten und streben eine Zusammenarbeit an, von der beide Seiten profitieren könnten. Ich könnte mir vorstellen, dass wir demnächst gemeinsam an einer neuen Ausstellung arbeiten. Das Georg-Hansen-Haus hat bereits zu unserer jetzigen Ausstellung etwas beigetragen.
Wie finanziert sich das Museum?
Ein Förderverein unterstützt das Museum. Dessen Mitglieder zahlen Beiträge, durch die ein Teil der Unkosten getragen wird. Allein die Finanzierung der Halle ohne Ausstellung kostet uns durch Miete, Strom, Heizung und alles, was sonst noch so anfällt, etwa 20  000 Euro pro Jahr. Um das Geld aufzubringen, sind wir auf Spenden angewiesen. Personelle Verstärkung ist ebenfalls willkommen. Wir brauchen immer Menschen, die das Baumschulmuseum genauso wichtig finden wie wir und mit unserer Gruppe harmonieren. Ich persönlich würde mir wünschen, dass mehr Frauen zu uns stoßen.


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erstellt am 23.Jul.2016 | 16:32 Uhr

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