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Pinneberger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 17:42 Uhr

Der 17. März 1943 veränderte alles : Gnadenhochzeit: Seit 70 Jahren verheiratet

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Elfriede und Horst Scheffler sind seit 73 Jahren verliebt und seit 70 Jahren verheiratet. „Liebe auf den ersten Blick“.

Pinneberg | 70. Hochzeitstag, „Gnadenhochzeit“. Ein seltenes Fest und selbst für eine Seniorenresidenz wie das Thesdorfer Haus „Schöne Aussicht“ etwas ganz und gar nicht Alltägliches. Heimleiter Martin Kähler sagte ein Gedicht auf. Gabriela Matthies brachte als stellvertretende Bürgervorsteherin Blumen und Glückwünsche von Stadt, Kreis und Land. Familie aus Deutschland und Dänemark war angereist.

Die gefeierten Jubilare waren Elfriede und Horst Scheffler. Und sie erinnerten sich sogar noch an den Tag, an dem sie sich kennengelernt haben: Es war der 17. März 1943 im ostpreußischen Königsberg. Teenager waren sie. Und es war Liebe auf den ersten Blick. „Elfriede hatte dunkles Haar mit einem schönen weißen Kämmchen drin“, schwärmt Horst noch immer.

Geheiratet haben sie gut drei Jahre später, am 27. Juli 1946, in Pinneberg. Schwere Jahre voller Ungewissheit lagen hinter ihnen. Der junge Mann war zur Kriegsmarine einberufen worden. Sie half in der Landwirtschaft ihrer Eltern. Als die Rote Armee immer näher rückte, holte Horst die Verlobte und ihre Familie nach Pillau, damals Marinestützpunkt am Frischen Haff. Hier diente er an Bord der „Robert Ley“, bis Kriegsausbruch Vergnügungsdampfer der Nazis und Flaggschiff ihrer KdF-Flotte, aber Anfang 1945 schon ziemlich lahm geschossen. Sie sollte Flüchtlinge in den Westen bringen, etwa 9000. Elfriede mit Töchterchen Dietlinde und ihre Angehörigen waren in dem Gedränge dabei. „Wir tuckerten mit halber Kraft über die Ostsee“, erinnert sich Scheffler. In Warnemünde ging es nicht mehr weiter. Die Flüchtlinge mussten von Bord und wurden in Eisenbahnwaggons verladen. Elfriede und die ihren landeten nach beschwerlicher Reise in Pinneberg.

Nach Kriegsende erstmal in Gefangenschaft

Ihre erste Post ging an Horsts Vater, der im Bremen bei der Heimat-Flak war. Er sollte ihren Verbleib an seinen Sohn melden. Der geriet bei Kriegsende zwar erstmal in englische Gefangenschaft, konnte aber auskneifen. Und sobald er vom Vater erfuhr, wohin es seine Liebe verschlagen hatte, kämpfte er sich ebenfalls nach Pinneberg durch.

Von da an wurde es langsam besser, wenn auch mit lustigen Missverständnissen: Von den verschiedenen Arbeitsplätzen, die Horst angeboten wurden, war einer „beim Metzger“ dabei, ein Glückstreffer in einer Zeit der Not des Hungers. So jedenfalls glaubte der Ostpreuße und sagte zu. Dann erst merkte er, dass er in einer Gerberei namens Metzger gelandet war. Seine Zukünftige hatte mehr Glück. Sie wurde Verkäuferin beim Bäcker.

Zum Wohnen hatte die kleine Familie zunächst gerade mal zehn kärglich möblierte Quadratmeter zur Verfügung. Als Horst und Elfriede 1946 vor den Traualtar treten, war es noch nicht viel besser. Ihre Hochzeitsgeschenke waren ein Kaffeesieb und eine Glasschüssel. Horsts jüngerer Bruder hatte dazu auf dem schwarzen Markt in Bremen ein bisschen Kaffee organisiert.

Paar wohnte sehr lange in der Berliner Straße

1947 wurde die zweite Tochter, Hannelore, geboren. Inzwischen sind drei Enkel und zwei Urenkel hinzugekommen. Über 30 Jahre lang, bis Anfang 2015, lebte das Paar in der Berliner Straße. Was hielt sie zusammen? Familie und Garten, darüber sind sich die Jubilare einig. 400 Quadratmeter groß war ihr Reich in einer Quickborner Kleingartenkolonie. „Mit einer wunderschönen Laube dabei.“ Etwas Wehmut schwingt mit, wenn sie sich an ihr kleines Paradies erinnern. 2012 haben sie sich schweren Herzens davon getrennt.

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erstellt am 28.Jul.2016 | 15:00 Uhr

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