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Pinneberger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 02:12 Uhr

Kreis Pinneberg : Geistliche Hilfe bei Alltagsfragen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Militärbischof Sigurd Rink und Appens Militärpfarrer Andreas-Christian Tübler erläutern das Engagement der Kirche bei der Bundeswehr.

Appen | Sigurd Rink ist seit August 2014 der erste hauptamtliche evangelische Militärbischof in Deutschland. In seiner Funktion ist er verantwortlich für die etwa 100 Militärpfarrer, die in den Kasernen der Bundeswehr tätig sind, aber auch als Seelsorger die Auslandseinsätze begleiten. Gestern besuchte Rink die Marseille-Kaserne in Appen, um sich vor Ort über die Arbeit von Militärpfarrer Andreas-Christian Tübler zu informieren. „Die Konstruktion, die es hier gibt, ist einzigartig, denn Herr Tübler ist sowohl für die Kaserne in Appen als auch für die in Heide zuständig“, sagte Rink. Für gewöhnlich habe jeder Militärpfarrer nur eine Kaserne zu betreuen, doch für die Standorte Appen und Heide sei Tübler mit jeweils einem Pfarrhelfer allein verantwortlich. „Das Modell funktioniert gut und ich werde es auf alle Fälle als Anregung mit nach Berlin nehmen“, sagte Rink.

Dass die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) für die Militärseelsorge zuständig ist, wurde bereits 1957   vertraglich zwischen der Bundesrepublik und der EKD festgelegt. „Innerhalb der Kirche ist das Thema durchaus heikel gewesen und wird insbesondere von Älteren immer noch skeptisch betrachtet“, sagte Rink. Er gab zu, dass es auf den ersten Blick paradox sei, dass die Kirche Mitarbeiter beim Militär einsetzt, obwohl eines ihrer Gebote lautet: „Du sollst nicht töten“ – ein Gebot, von dem Soldaten wissen, dass sie im Ernstfall dagegen verstoßen werden.

Rink sagte dazu, dass die Übersetzung eigentlich „Du sollst nicht morden“ hätte lauten müssen. „Es geht beim Militär ja nicht um den Spaß am Töten, sondern um die Einhegung von Gewalt“, sagte er. Dass Soldaten Gewalt einsetzten, wenn es darum gehe, Rechte zu verteidigen, sei mit einer christlichen Verantwortungsethik vereinbar und sogar geboten, sagte er.

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„Es geht beim Militär ja nicht
um den Spaß am Töten, sondern
um die Einhegung von Gewalt.“

Sigurd Rink
Militärbischof
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Tübler berichtete, dass die Aufgaben eines Militärseelsorgers andere seien als die eines Gemeindepfarrers. In der Appener Kaserne halte er zwar Vorträge, doch die seien keinesfalls ausschließlich auf das Christentum bezogen. „Ich bin hier nicht Pfarrer, sondern Ethiklehrer“, sagte Tübler. Es gehe nicht darum, die Soldaten vom Christentum zu überzeugen, sondern ihnen ein Ansprechpartner bei Problemen zu sein.

Auch bei Auslandseinsätzen – Tübler war im vergangenen Jahr im Ebola-Gebiet und vor kurzem auf Sizilien, wo Bundeswehrsoldaten die Seenotrettung für Flüchtlinge unterstützen – seien die Militärpfarrer nicht nur Ansprechpartner für religiöse Fragen. „Viele Soldaten im Ausland kommen mit Alltagssorgen zu uns. Weil ihnen die Trennung von der Familie schwerfällt oder weil ihre Kinder Probleme in der Schule haben“, sagte Tübler.

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„Viele Soldaten im Ausland
kommen mit Alltagssorgen zu uns.“

Andreas-Christian Tübler
Militärpfarrer Appen
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Angesichts der extremen Situationen, mit denen Soldaten im Einsatz konfrontiert seien, entwickelten einige von ihnen jedoch auch den Wunsch nach Zeichenzuwendung. „In Liberia wurde ich etwa gebeten, zwei Krankenwagen zu segnen“, berichtete Tübler.

Während die Arbeit von Militärpfarrern hauptsächlich aus der Betreuung von Soldaten besteht, übernimmt Rink als Militärbischof auch politische Aufgaben. Er steht in engem Kontakt mit dem Verteidigungsministerium und nimmt an Sitzungen des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestags teil. „Im Gegensatz zu den Militärpfarrern, die Bundesbeamte auf Zeit sind, bin ich Angestellter der EKD“, sagte Rink. In dieser Funktion gelte es auch, die Politik kritisch zu hinterfragen. „Die Kirche positioniert sich immer wieder zu militärischen Themen. Eine Frage, mit der sie sich derzeit befasst, sind vollautomatische Einsätze von bewaffneten Drohnen. Dazu gibt es jetzt jedoch noch keine Antwort.“

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erstellt am 23.Apr.2016 | 10:00 Uhr

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