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Pinneberger Tageblatt

25. Februar 2017 | 07:47 Uhr

„Das kennen die Hühner gar nicht“ : Geflügelpest – so reagiert der Kreis Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Stallpflicht wegen Geflügelzüchter: Erwin Martens sorgt sich um seine Tiere. Einige haben nach eineinhalb Wochen das Eierlegen eingestellt.

Appen | Die große Wiese auf dem Hof von Erwin Martens ist leer. Ebenso die offenen Volieren, die nur aus Drahtgittern bestehen. Martens, Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins Pinneberg, Appen und Umgebung, steht zusammen mit Vereinsmitglied und Nachbarsjunge Luca Schnoor in einem der Hühnerställe und füttert Salat.

„Wir tun alles, um die Tiere bei Laune zu halten. Wir füttern Salat zu und es gibt Leckerli, nur das, was sie wirklich wollen, können wir ihnen nicht geben: ihre Freiheit“, sagt Martens. Seit eineinhalb Wochen herrscht die Stallpflicht in Schleswig-Holstein. Hühner, Gänse und alle anderen Geflügelarten müssen im Stall bleiben – aus Angst vor der Ansteckung mit dem Virus H5N8, der für die Geflügelpest verantwortlich ist.

Martens zeigt auf die Plastikverkleidung an der Seite des Stalls und die Dachverkleidung: „Hier ist alles sicher.“ Sorgen macht sich der Geflügelzüchter dennoch: „Es weiß ja keiner, wie der Virus übertragen wird. Das Schlimmste wäre, wenn man ihn selbst aus der Natur in den Stall einschleppen würde.“ Daher hat er eigene Sicherheitsmaßnahmen getroffen: „Schuhe sollte man am besten nur auf dem eigenen Grundstück benutzten, damit wir nichts mit reinschleppen.“ Ab heute gelten für Hobbyzüchter wie ihn und die Vereinsmitglieder die „Biosicherheitsmaßnahmen“ des Landes Schleswig-Holstein. Hobby-Züchter und Landwirte müssen Schutzkleidung im Stall anziehen und Desinfektionsmatten für die Schuhe auslegen. Außerdem sollten Hände und Transportbehälter regelmäßig desinfiziert werden. „Unsere Züchter halten sich daran natürlich“, sagt Martens. „Niemand will seine Tiere verlieren.“

Luca Schnoor hilft Martens seit drei Jahren auf dem Hof, kennt jedes Tier und ist begeisterter Hühnerfan. Mittlerweile hat er die ersten Zuchtpreise gewonnen. Da er fast täglich auf dem Hof ist, hat er bereits gemerkt, dass sich die Hühner anders verhalten. „Wenn Erwin sie füttert, drängen sie sofort zur Tür und wollen raus“, sagt Luca. „Normalerweise werden die Hühner morgens gefüttert, können dann raus und sich bewegen. Das kennen die Hühner gar nicht, dass sie eingesperrt sind“, erläutert Martens. Insgesamt 43 Hühner hat Martens aktuell, die sich eigentlich frei auf dem Hof bewegen können. Die Stallpflicht wirke sich bereits auf das Legeverhalten aus: „Einige Tiere haben schon jetzt aufgehört, Eier zu legen.“ Das wirke sich auch auf die Zucht aus: „Wenn wir keine Eier haben, haben wir auch keinen Nachwuchs.“

Besorgt: Erwin Martens, Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins Pinneberg, Appen und Umgebung, und Luca Schnoor haben Angst um ihre Hühner.
Besorgt: Erwin Martens, Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins Pinneberg, Appen und Umgebung, und Luca Schnoor haben Angst um ihre Hühner. Foto: Fröhlig

Für ihn als Züchter sind die Geflügelmessen die Messlatte für seine Arbeit. „Wenn nichts stattfinden kann, ist es ein verlorenes Jahr für uns“, sagt Martens. Die Landesschau Schleswig-Holstein wurde bereits abgesagt, dabei hatte Martens seine Hühner dafür schon putzen lassen. Auch die eigene Geflügelschau am Sonnabend und Sonntag, 17. und 18. Dezember, liegt derzeit auf Eis. „Ob die Stallpflicht bis dahin wieder aufgehoben wird, wissen wir alle nicht. Sollte es so sein, werden wir alles daran setzen, die Veranstaltung durchzuführen.“ Realistisch sei dies allerdings derzeit nicht. Aber er warte ab, was der Landesverband und das Landesveterinäramt mitteilen. Geflügel darf auch nicht transportiert werden.

„Was mich beunruhigt, ist die Tatsache, dass die Tiere abends noch fit sind und morgens kommt man in den Stall und sie sind tot“, schildert Martens seine Angst. Als Züchter kenne er seine Tiere und ihr Verhalten ganz genau. „Wir halten die Tiere nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern als Hobby. Jeder Züchter kennt und liebt seine Tiere.“

Mit für ihn ungewohnt leiser Stimme berichtet Martens wie er vor einigen Jahren fast seine gesamte Taubenzucht verloren hat. „Ich habe mal erlebt, wie meine Tauben vergiftet wurden.“ Eine Viertelstunde vor einer Baubesprechung erreichte den ehemaligen Polier die Nachricht. „Ich habe wahnsinnig geweint“, sagt Martens, der eigentlich ein Baum von einem Mann ist. Damals starben 26 seiner Tiere. „Der schlimmste Fall wäre, wenn die eigenen Tiere betroffen sind“, beschreibt der Appener seine Sorgen. „Schön ist es für uns Züchter nicht. Auch für die Tiere nicht. Sie sitzen seit vorletzem Montag nur rum.“ Und auch das Vereinsleben leide derzeit, so Martens: „Ich gehe zur Zeit zu keinem anderen Züchter und es kommt auch keiner in meinen Stall. Außer Luca.“

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erstellt am 17.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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