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Pinneberger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 00:15 Uhr

Helgoland : Freies WLAN für die ganze Insel

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Zukunft auf dem Roten Felsen hat begonnen: Zahl der Urlaubsgäste steigt. Ausbau der Infrastruktur schreitet dieses Jahr voran.

Helgoland hat den Kampf gegen sein eigenes Image gewonnen. In einem langen und schmerzhaften Häutungsprozess scheint Deutschlands einziger Hochseeinsel der Wandel vom „Fuselfelsen“ zum Urlaubsort für Individualisten gelungen. Das legen die aktuellen Tourismuszahlen nahe, die Vertreter des Roten Felsens in Hamburg präsentiert haben. „Die Insel hat sich seit 2011 imposant entwickelt. Wir sind im Aufschwung“, freute sich Bürgermeister Jörg Singer. Er zählte auf: „Frachtaufkommen vervierfacht, Gewerbesteuer verdoppelt“. Auch die Zahl der Gäste steigt und steigt, vor allem jener, die nicht nur zum Günstig-Einkauf von Schnaps und Zigaretten kommen. 2014 kletterte die Zahl solcher „echten Urlauber“ auf 73.500 – doppelt so viele wie noch 1996. Die Übernachtungen nahmen auf knapp 300.000 zu, womit damit auch ein entscheidender Wert für die Touristiker eine wichtige Marke erreichte. Martin Linne vom Business Improvement Club (BIC) Helgoland: „Das Verhältnis von Übernachtungen zu Ankünften liegt jetzt bei 1,0. 1996 waren es lediglich 0,5.“ Im Klartext: Heute entscheiden sich doppelt so viele Besucher dazu, länger als die paar Stunden zwischen Schiffsankunft und -abfahrt zu bleiben.

Als Katalysator für den Aufwärtstrend wirkte der Offshore-Boom. Unweit der Insel sind in den vergangenen Jahren drei große Windparks entstanden. Die Bau- und Betreiberfirmen nutzen Helgoland als Basisstation, hunderte Gastarbeiter vom Festland brachten der klammen 1400 Einwohner-Gemeinde die ersehnten zusätzlichen Einnahmen. Diese Phase neige sich schon wieder dem Ende zu, sagte Singer. Wenn in diesem Jahr die letzten beiden maritimen Großkraftwerke ans Netz gehen, reisen die Bauarbeiter ab. Zurück bleibt eine kleinere Zahl von Servicekräften. Mit dem kommerziellen Betrieb der Windparks dürfte sich zugleich auch die finanzielle Situation der hoch verschuldeten Insel deutlich verbessern. Bürgermeister Singer: „Ich denke, die Gewerbesteuereinnahmen werden sich verzehnfachen.“

Die günstigen Rahmenbedingungen wollen die im BIC zusammengeschlossenen Geschäftsleute gemeinsam mit der Gemeinde nutzen, um Helgoland noch attraktiver zu machen. Der Ausbau der Infrastruktur schreite 2015 weiter voran, so Singer. So wird die Kurpromenade weiter saniert sowie mit dem Bau einer Marina im Binnenhafen vor den Hummerbuden begonnen, die 2017 fertig sein soll. „Das wird das touristische Zentrum Helgolands werden“, sagt Detlev Rickmers, Hotelier und Spross einer der ältesten Familien der Insel. Eine weitere Wegmarke für ein stabiles Tourismusgeschäft ist laut Rickmers im Juni dieses Jahres erreicht. Dann nimmt die LNG-Fähre der Reederei Cassen Eils den ganzjährigen Verkehr von Cuxhaven zur Insel auf.

Mit 20 Vorschlägen wollen Rickmers und seine Kollegen im BIC zudem die Aufenthaltsqualität in den kommenden Jahren steigern. 20 Ideen für 2020 liegen vor, darunter ein Wellness-Hotel, ein Café an der Langen Anna und ein Freilufttheater auf dem Mittelland. Rickmers sagte: „Die künstlerischen Kostbarkeiten Helgolands bieten viel Potenzial.“

Vielleicht wartet das Eiland bald auch mit einer anderen Besonderheit auf, die mitten in der Nordsee niemand vermuten würde. „Wir wollen Helgoland zur ersten Gemeinde in Deutschland mit flächendeckendem Gratis-WLAN machen“, sagte Alexander Bernhardt von Freifunk Hamburg. Er und seine Mitstreiter haben sich zur Aufgabe gemacht, unabhängig von großen Anbietern Netze für drahtlosen Internetzugang zu spinnen. Privatleute und Firmen stellen dabei ihre Router kostenlos zur Verfügung. Bernhardt sagte: „Helgoland ist nur anderthalb Quadratkilometer groß und damit ideal für ein lückenloses Netz, einschließlich der Badedüne. Die beiden ersten Standorte haben wir schon.“

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erstellt am 25.Mär.2015 | 16:00 Uhr

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