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Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 04:53 Uhr

Immer in der Spur bleiben : Fahrtraining für den Winterdienst

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wie Straßenwärter für den Winterdienst auf den engen Baustellen der A7 vorbereitet werden.

Hohenlockstedt | Zum ersten Mal sitzt Timo Powenz am Steuer eines Unimogs mit Räumschild der Via Solutions Nord. Mit Tempo 80 rast der 26-Jährige auf Fahrtrainer Michael Breitling zu. Auf Breitlings Kommando tritt Powenz mit voller Kraft auf die Bremse. Kaum spürbar zieht das Transportfahrzeug nach links aus, aber Powenz lenkt schnell gegen und bringt den Wagen zum Stehen. „Das war schon viel besser“, sagt Breitling, der Timo über Funk Anweisungen gibt. „Du musst immer in der Spur bleiben.“

Das Projekt „Ausbau und Verbreiterung der Bundesautobahn 7 zwischen dem Autobahndreieck Hamburg-Nordwest und dem Autobahndreieck Bordesholm sowie die Errichtung eines Autobahndeckels im Hamburger Stadtteil Schnelsen“  besteht aus zwei Teilbereichen. Zum einen handelt es sich um die Erweiterung – vierspuriger Ausbau – des 65 Kilometer langen Autobahnabschnittes zwischen dem Autobahndreieck Bordesholm und dem Autobahndreieck Hamburg-Nordwest. Der zweite Bereich umfasst die Erhaltung und den Betrieb – zum Beispiel Winterdienst und Reinigung – des 59 Kilometer langen Abschnitts zwischen der Anschlussstelle Neumünster-Nord und dem Autobahndreieck Hamburg-Nordwest. Baubeginn war im November 2014. Die Fertigstellung erfolgt Ende 2018. Die Projektgesellschaft Via Solutions Nord setzt sich zusammen aus den Unternehmen Hochtief PPP Solutions (49 Prozent), dem niederländischen Pensionsfond Dutch Infrastructure Funds (DIF) (41 Prozent), sowie dem mittelständischen Pinneberger Bauunternehmen Kemna Bau Andreae (10 Prozent). (fk)

18 Straßenwärter der Via Solutions Nord schult Breitling in diesen Tagen beim Verkehrsinstitut Nord auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes Hungriger Wolf bei Hohenockstedt (Kreis Steinburg). Die meisten sind zum dritten Mal dort, haben im vergangenen Jahr schon zweimal das Bremsen auf glattem und nassem Untergrund geübt, genauso wie das Ausweichen. „Jetzt geht es darum, dass ihr fit für den Winter werdet“, sagt Breitling und Timo Powenz nickt, denn die Straßenwärter werden vor allem auf der Autobahn 7 zum Einsatz kommen, dort wo ihr Arbeitgeber die A7 erweitert und es derzeit diverse Baustellen gibt.

„Deswegen ist hier auch alles etwas enger gesteckt“, sagt Breitling. Es gibt einen Slalomparcours, dazu müssen die Fahrer das Kurvenverhalten der Lkw kennenlernen, in einer abgesteckten Strecke, die Breitling „die Schnecke“ nennt. Vor den Fahrern hat der Trainer eine Fläche geflutet über die sie die schweren Maschinen steuern müssen. „Das ist fast so wie Schnee“, sagt Breitling. „Ihr seid die ersten, die rausfahren wenn es glatt ist. Da müsst Ihr darauf klarkommen.“

Etwas abseits steht Christian Merl. Der Sprecher von Via Solutions sieht entspannt aus. Gerade ist er selbst mit einem Lkw gefahren und hat einen Bremstest absolviert. Sein Fazit: „Geil.“ Doch gleich danach sagt er, wie wichtig das Training für seine Fahrer ist. Gerade in den engen Baustellen kann es auf Zentimeter ankommen, wenn es glatt wird. Die Salzlager sind gefüllt, allein 100  000 Liter Sole hat Via Solutions vorrätig. „Damit kommen wir hin“, sagt Merl. Die Fahrer sollen in der Lage sein, mit Tempo 35 die Autobahn von Schnee und Eis zu befreien. Genau das wird hier trainiert. „Als ich 1989 auf einem Hanomag meinen Führerschein gemacht habe, waren die Fahrzeuge noch nicht so gut ausgerüstet.“

Voll konzentriert: Timo Powenz am Steuer.
Voll konzentriert: Timo Powenz am Steuer. Foto: Ruff
 

Heute unterstützt die Technik die Männer. Alle Fahrzeuge haben ABS und bremsen zuverlässig. Die Lastwagen brechen nicht aus, aber den Bremsweg verkürzen können sie auch nicht, schon gar nicht voll beladen und auf glatter Fahrbahn.

Powenz hat am meisten Respekt vor dem Ausweichen. Der Kellinghusener und die anderen Straßenwärter fahren mit Tempo 30 auf ein Hindernis zu, bremsen, und schlagen das Lenkrad ein – erst in die eine, dann in die andere Richtung. Doch je höher das Tempo desto schwieriger wird das Manöver. Powenz hat das vor einiger Zeit schon mal mit einem Feuerwehrfahrzeug versucht und sagt: „Da bin ich einfach gerade aus weiter gerutscht.“

Eine brenzlige Situation hat der Straßenwärter erst einmal erlebt, in seinem eigenen Auto wäre er bei Glatteis fast aus einer Kurve gerutscht. „Ich habe das Auto aber noch abfangen können,“ sagt er. Und dennoch hat er nur einen Wunsch, wenn er dieses Jahr in seinem ersten Winter in einem Räumfahrzeug auf der Autobahn 7 unterwegs ist: „Dass ich das, was ich hier lerne, nie im Ernstfall brauchen werde.“

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erstellt am 27.Sep.2016 | 17:15 Uhr

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