zur Navigation springen

Pinneberger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 05:10 Uhr

Er wagt sich ans Deutsche Requiem

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Oratorium Oliver Schmidt dirigiert Brahms-Meisterwerk mit Rellinger Kantorei, Sinfonietta Lübeck und Gastchor aus Crowborough

43 Jahre ist Rellingens Kantor alt. Zwei Jahre wollte sich Oliver Schmidt noch geben, bevor er sich an einen Lebenstraum wagt: Das Dirigat für „Ein Deutsches Requiem op. 45“, das Meisterwerk von Johannes Brahms (1833-1897). Doch die Ungeduld nagt an dem Vielbeschäftigten: Am Sonnabend, 8. Oktober, erklingt ab 19 Uhr das geniale Werk, das am 18. Februar 1869 seine Uraufführung im Leipziger Gewandhaus hatte.

Es ist eine Komposition, die, so ordnen es Musikwissenschaftler ein, durch den Tod der Mutter von Brahms 1865 stark geprägt ist. Ein Fakt, den auch Schmidt während der Erarbeitung des Werks mit der Kantorei Rellingen, den 20      Gastsängern des Partnerchors aus dem englischen Crowborough in der Grafschaft East Sussex, 80 Kilometer südöstlich von London, und dem Orchester Sinfonietta Lübeck berücksichtigen will. „Es geht um die Hinterbliebenen, die getröstet werden wollen und im Vordergrund stehen“, beschreibt Schmidt seinen Ansatz.

Es ist ein großes Oratorienwerk, dass in der Barockkirche erklingen wird – mit Sopran- und Bariton-Solo, Chor und Orchester, das in der Originalbesetzung mit zwei Flöten, Piccoloflöte, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, Kontrafagott ad libitum, vier Hörnern, zwei Trompeten, drei Posaunen, Tuba, Pauken, zwei Harfen, Streicher, Orgel ad libitum, Solo-Sopran, Solo-Bariton und vierstimmigen Chor.

In der Rellinger Kirche werden für die Solostimmen der aufstrebende Stern am Bass-Bariton-Himmel, Keno Brandt (Foto), sowie Eva Koch (Foto) erwartet. Es ist ein Debüt für die junge Sängerin, die Schmidt aus dem Kommilitonenkreis der Düsseldorfer Robert-Schumann-Hochschule nach Rellingen verpflichten konnte. „Sie hat einen glocken-hellen, romantischen Sopran,“ schwärmt der Kantor. Schmidt als „Star-Maker“ – eine Rolle, die ihm liegt.

Bevor die ersten Töne des ersten Satzes mit den Worten „Selig sind, die da Leid tragen, ziemlich langsam und mit Ausdruck “ von Takt 1 bis 158, erklingen und nach Satz VII die letzten Töne über „Selig sind die Toten“ in F-Dur von Takt 102 bis 166 feierlich ausklingen, konnten die Besucher bereits „Vier ernste Gesänge“ op. 121, einen Zyklus von vier Liedern für Bass und Klavier von Brahms genießen. Dieses Spätwerk stellt Schmidt zu Beginn des Konzerts in den Fokus – und bereitet seinem Freund und musikalischen Partner Brandt eine Plattform der besonderen Art.

Die Worte sind dem Alten Testament entnommen. Tod und Vergänglichkeit ziehen sich als roter Faden durch das Werk. „Brahms vollendete die Komposition dieses Liederzyklus, seines letzten, an seinem Geburtstag, dem 7.        Mai 1896, in Vorahnung ihres Todes“, heißt in musikwissenschaftlichen Kontext. Dagegen ist der Text des vierten Liedes dem Neuen Testament entnommen. Im Fokus stehen hier Glaube, Hoffnung und Liebe.

Die Titel der Gesänge lauten: 1. Denn es gehet dem Menschen wie dem Vieh Prediger Salomo, Kap. 3, 2.    Ich wandte mich, und sahe an Prediger Salomo, Kap. 4, 3.    O Tod, wie bitter bist du Jesus Sirach, Kap. 41 und zu guter Letzt 4. Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen S. Pauli an die Corinther I., Kap.    13. – maßgeschneidert für die Stimme von Keno Brandt.


Karte
zur Startseite

von
erstellt am 20.Aug.2016 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen