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Pinneberger Tageblatt

29. April 2017 | 03:45 Uhr

Er fühlt sich im Stich gelassen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Zoff Handwerksunternehmer Michael Schacht darf Bauaufträge für Pinneberger Schulen nicht mehr zu Ende führen

Der Pinneberger Trockenbau-Handwerker Michael Schacht versteht die Welt nicht mehr. Seit gut sechs Jahren haben er und seine Mitarbeiter für die Stadt und den Kommunalen Service Betrieb Pinneberg (KSP) Arbeiten erledigt. „Seit Sommer 2015 ist aus mir nicht bekannten Gründen die gewohnte Zusammenarbeit zur allseitigen Zufriedenheit nicht mehr möglich“, sagt er. „Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich habe immer gute Arbeit geleistet.“ Mängelfrei, termin- und fachgerecht. Beschwerden habe es nie gegeben. „Alle waren hochzufrieden.“

Umso mehr wundert sich der Pinneberger Handwerksunternehmer, dass er sogar Aufträge, für die er eine Ausschreibung erhalten habe, nicht mehr zu Ende führen darf. Wie beispielsweise die Brandschutzmaßnahmen an der Helene-Lange-Schule, der Grundschule Waldenau und am Förderzentrum. Als Grund habe der KSP brandschutztechnische Planänderungen angegeben. „Was soll das bedeuten?“, fragt der Handwerker. Denn die Brandschotte sowie die Brandschutzdecken, die an der Helene-Lange-Schule und am Förderzentrum eingebaut werden sollten, seien zwingend notwendig. Aber Termine wurden abgesagt oder nicht eingehalten. Schacht und seine Mitarbeiter mussten dann wieder abrücken. Umso ärgerlicher, da diese Zeit fest eingeplant war und andere Aufträge nicht angenommen wurden. Außerdem sei er für weitere Aufträge gesperrt worden. „Durch Zufall habe ich das von einem Mitarbeiter des KSP erfahren.“ Benachrichtigt wurde er darüber vom KSP nicht. Auch an weiteren Ausschreibungen werde Schachts Firma ohne Angabe von Gründen nicht mehr beteiligt, laufende Aufträge wurden seitens des KSP gekündigt.

Es habe zwar immer wieder Gespräche und telefonische Nachfragen gegeben, doch
der Handwerker will konkrete Antworten. Aber die hat er von der Verwaltung bislang nicht bekommen, obwohl Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) ihm das anlässlich eines Gesprächs im Rathaus persönlich versprochen hatte. „Sie wollte sich spätestens nach zwei Wochen bei mir melden“, sagt er. Das sei nicht erfolgt, trotz mehrfacher telefonischer Nachfragen im Büro. Ein kaufmännischer Abteilungsleiter des KSP schrieb einen Brief an ihn: Darin heißt es, von einer Auftragssperre könne keine Rede sein. Der KSP wende in seinem Ermessen die Grundsätze geltender Rechtsvorschriften an.

Doch das bezweifelt Michael Schacht. Er fühle sich übergangen, ausgebootet, zumal er weiß, dass ein Unternehmen aus Itzehoe die Aufträge bezüglich des Brandschutzes von der Stadt bekommen habe. Einen ganzen Fragenkatalog hat er an die Verwaltung geschickt. Antworten gab es bislang nicht. So möchte er unter anderem wissen, warum sein Unternehmen die seit 2014 beauftragten Arbeiten nicht ausführen durfte, ob das fest geblockte Geld anderweitig eingesetzt wurde, warum Aufträge wegen brandschutztechnischer Änderungen gekündigt und zeitgleich Brandschutzarbeiten an den Schulen vergeben wurden, um nur einige Fragen zu nennen. Der Handwerksunternehmer möchte aber auch erfahren, wieso Wartezeiten und das Vorhalten seiner Arbeitskräfte vom KSP nicht bezahlt, sondern warum sie stattdessen zurückgewiesen und als „Auftrag“ gekündigt werden.

„Aufgrund meiner Verantwortung für die Mitarbeiter ist es mir nicht erklärlich, wie man so mit einem örtlichen Handwerksunternehmen verfahren kann. Ich fühle mich nicht gut behandelt", sagt der Unternehmer, der aktuell vier Mitarbeiter hat. Es geht auch um seine Existenz: Ein Drittel seiner Aufträge hat Schacht von der Stadt erhalten, umgerechnet seien das etwa 70  000 Euro Verdienst pro Jahr gewesen. „Mir liegt viel an der Wiederherstellung des vertrauensvollen und für alle Seiten guten Zusammenarbeitens“, sagt Schacht. Doch weil er von der Stadt keine Antworten bekommt, will er nun an die Vergabeprüfstelle des Innenministeriums schreiben. Lückenlos hat der Pinneberger Handwerker seinen Fall dokumentiert.

Doch die Stadt hält dagegen: „Wir haben immer auf Anfragen reagiert“, sagt Sprecherin Maren Uschkurat. Es habe Planungsänderungen gegeben. „Deswegen wurden bestimmte Aufträge nicht durchgeführt“, sagt sie. Man habe sich dann mit Schacht einvernehmlich geeinigt. Weil es in letzter Zeit keine Aufträge in dieser Richtung gab, habe die Stadt nicht bei ihm angefragt. „Er ist nicht schlechter behandelt worden als andere Unternehmer.“

Auch an die einzelnen Fraktionen hat sich Schacht gewandt. Nur die Fraktion der Bürgernahen hat bislang reagiert.


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erstellt am 08.Mär.2017 | 16:22 Uhr

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